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Barmstedt : AG Stolperstein will mit zwölf Grabsteinen an verstorbene Zwangsarbeiter erinnern

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Kirchengemeinde muss noch beraten. Durch Spendenaufrufe habe die AG bisher acht Patenschaften für die jeweils 360 Euro teuren Steine erhalten.

Barmstedt | Sechs Stolpersteine hat die Barmstedter Arbeitsgemeinschaft (AG) im vergangenen Jahr in der Stadt verlegen lassen „und damit viel Öffenlichkeit für unser aktuelles Projekt geschaffen“, wie AG-Mitglied Helmut Welk sagt. Gemeint ist die Verlegung von zwölf Grabsteinen auf dem Friedhof, die ebenfalls an die in Barmstedt verstorbenen Zwangsarbeiter und ihre Kinder erinnern sollen. Durch Spendenaufrufe habe die AG bisher acht Patenschaften für die jeweils 360 Euro teuren Steine erhalten, sagt Luzian Bucke. „Eine neunte haben wir in Aussicht.“ Und auch die weiteren drei Patenschaften werde die AG noch erreichen, ist er überzeugt.

Die AG Stolperstein hat die Daten von zwölf Zwangsarbeitern und deren Kindern ermittelt, die in Barmstedt ums Leben kamen: Rene Pauwels aus Belgien, 22 Jahre, gest. 28. Juli 1943; Benedikt Satorwski aus Polen, 18 Jahre, gest. 17. März 1941; Stanislawa Lewandowski aus Polen, 17 Jahre, gest. 12. Juli 1941; Adria Polewczyk aus Polen, sieben Jahre, gest. 20. August 1943; Iwan Dedoscha aus Russland, zwei Jahre, gest. 19. Dezember 1943; Valentina Dedoscha aus Russland, drei  Jahre, gest. 20. Januar 1944; Emma Tschelowitko, wahrsch. russische Mutter, drei Monate, gest. 16. Januar 1944; Maria Kuptowska, poln. Mutter, ein Jahr, gest. 9. Februar 1944; Junge [ohne Vorname] Frawczynska, poln. Mutter, 18 Tage, gest. 6. Juni 1944; Adam Plaszyk, poln. Mutter, ein Jahr, gest. 4. Februar 1945; Ludmilla Pronina, russ. Mutter, sieben Wochen, gest. 16. März 1945; Elisabeth Sledziewska, poln. Mutter, zwei Monate, gest. 3. Februar 1945.

Mit der Verlegung der Grabsteine wolle die AG die Erinnerung an die Opfer „zum Abschluss bringen“, sagt Bucke. Die Steine sollen auf der Fläche liegen, auf der bereits die Gedenktafel und ein Stein mit den Namen der sechs erwachsenen Zwangsarbeiter steht. Beides reiche aber zur Erinnerung nicht aus, meinen Welk und Bucke. „Uns ist wichtig, dass jedes Opfer einzeln gewürdigt wird.“ Auf den 40 mal 40 Zentimeter großen Granitsteinen sollen die Namen der Opfer, ihre Herkunft sowie ihre Geburts- und Sterbedaten eingraviert werden. „Wir haben schon einen Steinmetz ausgewählt“, so Welk.

Doch bevor die Steine verlegt werden können, fehlt noch ein wesentlicher „Baustein“: die Zustimmung der Kirchengemeinde. „Zurzeit liegt dort unser Antrag, und wir warten auf eine Antwort“, sagt Welk. Problem: Während für die Kindergräber die Untere Denkmalschutzbehörde zuständig sei und auch schon zugestimmt habe, fallen die Gräber der sechs erwachsenen Opfer unter das Kriegsgräberschutzgesetz. Daher sei das Innenministerium zuständig, so Welk – das die AG aber wiederum an die Kirche verwiesen habe. Pastor Klaus-Dieter Piepenburg erklärte gestern auf Anfrage, über den Antrag werde während der Gemeinderatssitzung im April beraten. „Wir müssen noch die Zuständigkeiten klären.“ Generell sei bei dem Projekt viel Geduld gefragt, und es gehe nur in winzigen Schritten voran, sagt Welk: „Wir arbeiten seit August daran.“ Sofern die Kirche ihr Okay gebe, „könnten die Steine im Herbst verlegt werden“.

Ein weiterer Wunsch der AG sind Hinweisschilder auf dem Friedhof, die den Weg zur Gedenkstätte weisen. „Das will die Kirche aber nicht so gern“, so Bucke. Zurzeit stehen mehrere Schilder im Stadtgebiet – auf dem Friedhof müssen Interessierte die Stätte dann suchen. „Das ist etwas unbefriedigend“, so Bucke und Welk, die auch in diesem Fall auf ein Einlenken der Kirche hoffen. Piepenburg macht wenig Hoffnung. „Wir wollen nicht zu viele Schilder auf dem Friedhof“, sagte er. Denkbar sei aber, ein Schild vor dem Eingang aufzustellen. „Mit einem Pfeil, der nach rechts weist, dann ist das leicht zu finden.“

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erstellt am 25.Feb.2016 | 10:00 Uhr

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