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Mit Pro- und Contra-Kommentaren aus der Redaktion : A23-Abfahrt: Die Politik sieht die Idee kritisch

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Reaktionen aus Elmshorn und Barmstedt. Die Fraktionen im Barmstedter Stadtrat hinterfragen den CDU-Vorschlag. HGB: Verschiedene Interessen sollten sorgsam abgewogen werden.

Barmstedt/Elmshorn | Die Meinungen sind gespalten – sowohl bei unseren Lesern als auch in den Kommunen und der Politik: Bokholt-Hanredder lehnt eine A23-Anschlussstelle im Ort klar ab, während die Stadt Barmstedt die Idee der CDU-Stadtverbände von Elmshorn und Barmstedt begrüßt. Die Fraktionen in den Stadträten der beiden Kommunen hinterfragen den Vorschlag kritisch, wie eine Umfrage von Barmstedter Zeitung und Elmshorner Nachrichten zeigt.

Barmstedts SPD stehe dem Vorschlag nicht uneingeschränkt positiv gegenüber, erklärt Fraktionschef Hans-Christian Hansen. „Grundsätzlich würden wir das für die Barmstedter begrüßen, weil der Weg zur Autobahn kürzer würde“, sagte er. Aber für den Barmstedter Westen würde eine neue Anschlussstelle in Bokkholt-Hanredder mehr Verkehr bedeuten, weil Autofahrer aus Hemdingen und Umgebung sich voraussichtlich den kürzesten Weg suchen würden. „Wir sehen das jetzt nicht als großen Standortvorteil, weil es nur mehr Verkehr produziert, ohne dass wir viel davon haben“, so Hansen.

Eine dritte Abfahrt am ursprünglich geplanten Standort hätte auf Grund der räumlichen Nähe zu Barmstedt sicherlich seinen Reiz, sagt der FWB-Fraktionschef Michael Schönfelder auf Anfrage. „Ob allerdings die Sanierung einer Brücke und einer weiteren Straße in Elmshorn ausreicht, um zu einer weiteren Abfahrt zu kommen, hält die FWB für eher unwahrscheinlich.“ Zudem sehe die FWB in den aus Elmshorn aufgeführten Baumaßnahmen an der Krückaubrücke keinen zeitlichen Zusammenhang mit der Forderung nach einer dritten Auffahrt in Bokholt-Hanredder.

Hinsichtlich der Entwicklung der Verkehrsströme würden die Zufahrtsstraßen zu den Autobahnabfahrten Oha und Horst einerseits entlastet, so Schönfelder weiter. Andererseits würde sich der morgendliche und abendliche Pendlerverkehr deutlich auf den gerade sanierten Teil und den noch zu sanierenden Teil der Landesstraße 75 (L75) von Offenau bis Barmstedt verlagern. Es stelle sich dann die Frage, ob der derzeitige Querschnitt der L75 noch ausreiche, so Schönfelder. Zudem würden sich mit Sicherheit in Offenau und Umgebung Gewerbebetriebe ansiedeln. Der zusätzliche Lkw-Verkehr Richtung A7 würde über die L75 und Barmstedt führen und die ohnehin stark frequentierte Umgehungsstraße weiter belasten. „Außerdem wäre ein Gewerbegebiet in Offenau kontraproduktiv zu unseren geplanten Gewerbegebieten im Norden Barmstedts im Zusammenhang mit der A20. Der auch von der CDU Elmshorn vorgeschlagene Ausbau des Grenzwegs zwischen der Abfahrt Horst und der K23 wäre in unseren Augen zielführender.“

„Die Probleme sind andere“

Günter Thiel von der BALL berichtet, bei dem Ganzen handle es sich um ein Gedankenspiel, das man im Kern in der Fraktion bisher noch nicht weiter diskutiert habe. Es sei fraglich, ob es überhaupt Sinn mache, einen derartigen Vorschlag zu begrüßen. „Die Probleme sind andere“, so Thiel. Der Lkw-Verkehr würde immer stärker zunehmen, zudem seien die Transporter immer größer und länger. Gleichzeitig fehle der Ausbau der Schiene zwischen Elmshorn und Hamburg, um überhaupt erst einmal den Verkehr zu entlasten.

Ein weiterer A23-Anschluss in Bokholt-Hanredder sei „ mit uns nicht zu machen“, sagt Marina Quoirin-Nebel von den Grünen. Grund dafür sei, dass das Areal mit der Offenau-Niederung und der Krückau, in dem die Abfahrt gebaut werden müsste, ein FFH-Gebiet sei. „Der Schutz der Gewässer hat bei uns Vorrang“, betont Quoirin-Nebel.

Von der zusätzlichen Autobahnanschlussstelle würde die Barmstedter Wirtschaft profitieren, teilt der Handels- und Gewerbeverein Barmstedt (HGB) mit. „Gewerbe will immer gut erreichbar sein und kann daher eine nahe Anbindung zur Autobahn brauchen. Um die Wettbewerbsbedingungen des Barmstedter Gewerbes zu verbessern, unterstützen wir diese Idee also“, so Heike Brinckmann, zweite Vorsitzende des HGB. Die positive Auswirkung einer näheren Autobahnanbindung gelte natürlich auch für die Stadt als Naherholungsgebiet. Die Idee sei aber auch sorgsam abzuwägen und die Interessen der betroffenen Anwohner zu berücksichtigen.

Eine Autobahnabfahrt in Bokholt-Hanredder - was halten Sie von der Idee?

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In Elmshorn ist das Stimmungsbild bei den Fraktionen ähnlich dem in Barmstedt. FDP-Fraktionschef Jens Petersen hält eine zweite Abfahrt für „sinnvoll und wünschenswert“. Aber eine Realisierung des Millionen-Projektes sieht Petersen skeptisch: „Der Widerstand der Bevölkerung wird massiv sein, vor allem in der Gemeinde Bokholt-Hanredder.“ Der FDP-Mann hat zudem ernsthafte Zweifel, dass das Land die Planung und Finanzierung eines solchen Projektes erfolgreich meistern könnte.

Beate Raudies, SPD-Landtagsabgeordnete aus Elmshorn, schlägt vor, nicht nur den Sinn und die Realisierbarkeit einer zweiten Abfahrt zu prüfen, sondern auch die Alternative: den Ausbau des Grenzwegs. Raudies räumt ein, dass Elmshorn mit nur einer Abfahrt nicht besonders gut ausgestattet ist. In alle Überlegungen müssten aber auch die Planungen für die A  20 eingebunden werden. Die Lösung für die Verkehrsprobleme sieht Raudies aber nicht auf der Straße, sondern beim Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs.

Grünen-Fraktionschefin Silke Pahl spricht von einem „nicht durchdachten Schnellschuss der CDU“. Sie plädiert dafür, die bestehende Infrastruktur zu ertüchtigen und zu erhalten, anstatt neue Straßen zu bauen. „Die CDU denkt immer nur in Richtung Auto. Wir wollen Verkehr ganz neu denken“, betont Pahl. Auch sie setzt auf den ÖPNV. „Wir brauchen das dritte Gleis, keine neue Autobahnabfahrt.“

Kommentar: Die Mär von der ÖPNV-Wende

Immer mehr Verkehr auf den Straßen. Immer mehr Staus. Immer öfter geht nichts mehr. Dabei reden die Verantwortlichen schon seit 20 Jahren davon, dass die Lösung der Verkehrsprobleme im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs  liegt. Der ist aber weder attraktiv, noch verlässlich, noch  günstig: Davon können gerade die Menschen in der Region Elmshorn ein Lied singen. Von der ÖPNV-Wende ist weit und breit nichts zu sehen. Das Auto bleibt das Verkehrsmittel Nummer eins im Flächenland Schleswig-Holstein. Deshalb muss die  Infrastruktur mit wachsen –  wie beim sechsspurigen Ausbau der Autobahn 7. Elmshorn, die mit mehr als 50.000 Einwohnern größte Stadt im Kreis Pinneberg,  droht am Verkehr zu ersticken. Wie anfällig die Infrastruktur ist, wird sich zeigen, wenn die Brücke an der Wittenberger Straße ab Ende März abgerissen wird und sich 20.000 Autos pro Tag neue Wege suchen. Eine zweite Autobahnabfahrt für Elmshorn löst viele Probleme, die sich in Zukunft sogar noch weiter verschärfen werden. Diese Option muss  – ohne ideologische Scheuklappen – ernsthaft hinsichtlich der Realisierbarkeit geprüft werden. (Christian Brameshuber)

Kommentar: Den Grenzweg ausbauen

Was wiegt schwerer: das Wohl von wenigen oder das von vielen? Diese zugegebenermaßen sehr philosophische Betrachtung verdeutlicht das Dilemma einer Autobahnabfahrt in Bokholt-Hanredder. Profitieren würden in erster Linie viele Autofahrer. Der Elmshorner bekommt vor allem eine bessere Anbindung nach Norden und eine zweite Auffahrt nahe dem Stadtgebiet. Auch Barmstedt rückt näher an die Autobahn heran. Statt in Tornesch oder Horst wäre die Autobahn gerade aus dem Westen der Stadt innerhalb von fünf Minuten zu erreichen. Und da liegt das Problem.
Durch das kleine Bokholt-Hanredder mit seinen knapp 1200 Einwohnern würden sich künftig pro Tag zwei Verkehrslawinen schieben. Die eine kommt aus Elmshorn und wälzt sich durch Offenau, die andere aus Barmstedt und fließt durch Vossloch. Die Gemeinde profitiert am wenigsten, wird aber am stärksten unter den Folgen leiden müssen. Barmstedt braucht keinen weiteren A23-Anschluss. Die Auffahrten in Tornesch und Horst sind schon jetzt zügig zu erreichen. Elmshorn sollte sich mit Horst um den Grenzweg-Ausbau bemühen – ein Kompromiss, mit dem am Ende sicher viele leben können. (Christian Uthoff)
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erstellt am 07.Feb.2017 | 12:00 Uhr

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