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Projekte der Landjugend : 72-Stunden-Aktion wird zum vollen Erfolg

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Landjugend Barmstedt rettet die „Liebesinsel“ im Rantzauer See, die Landjugend Hörnerkirchen errichtet einen Grillplatz samt Hütte in Bokel.

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erstellt am 23.Mai.2017 | 17:00 Uhr

Barmstedt | „Am Donnerstag dachten wir noch, das schaffen wir nie“, sagte Kevin Kölln. „Rettet die ,Liebesinsel‘ vor dem Ertrinken“, hieß die Aufgabe, die die Barmstedter Landjugend im Zuge der 72-Stunden-Aktion des Landesverbands der Landjugend Schleswig-Holstein von der Stadt Barmstedt gestellt bekommen hatte. Doch bereits am Freitagabend habe die Zuversicht überwogen, dass die Aufgabe doch machbar sei, so der Vorsitzende der Landjugend weiter. Und die freudige Gewissheit stellte sich am Sonntagabend ein, als Erster Stadtrat Ernst-Reimer Sass das Ergebnis begutachtete. Auch Bürgervorsteher Christian Kahns und Bürgermeisterin Heike Döpke wurden wie Sass um die Insel geschippert. Sie bestaunten die hölzerne Einstiegshilfe für die Schwäne, das große Schild mit Fotos von den Arbeitsschritten der Landjugend und die Bepflanzung mit Schilf an den Ufern. „Toll!“ fassten die Begutachter das Ergebnis zusammen. „Euer Spruch ‚Wi mookt dat‘ trifft zu, ihr habt eine super Teamarbeit hingelegt“, sagte Sass.

Ein Stück Barmstedter Geschichte gerettet

Schaufeln, baggern, bauen: Hinter der Gruppe aus Barmstedt und der Landjugend Hörnerkirchen liegen schweißtreibende Arbeitsstunden. Im Zuge der gemeinnützigen Aktion hatten am Wochenende überall in Schleswig-Holstein Landjugendgruppen ehrenamtlich Projekte für ihre Kommune in die Tat umgesetzt (wir berichteten). In Barmstedt stand dabei die „Liebesinsel“ im Fokus – ein Fleckchen Erde, das während des Einsatzes der Landjugend von etwa 80 auf 120 Quadratmeter anwuchs. „Wir haben zum ersten Mal an dieser Aktion teilgenommen, die von den jeweiligen Städten übernommen wurde, und waren sehr gespannt auf unsere Aufgabe“, so die Vorsitzende Kim Kölln.

Die Aufgabe enthüllte der stellvertretende Bürgermeister Ernst-Reimer Sass am Donnerstagabend. Er hatte die Landjugend auf die Schlossinsel bestellt und mit dem Arbeitseinsatz konfrontiert. „Zunächst begegnete mir nur Schweigen“, sagte er. Er habe zuerst Bedenken gehabt, ob er mit der Aufgabe nicht überzogen habe. „Bei uns standen die Fragezeichen im Gesicht“, so Kölln amüsiert. „Wir hatten an den Bau eines Spiel- oder Grillplatzes gedacht, aber so etwas?“ Die Aufklärung erfolgte, als Sass mit der Landjugend per Boot zur Insel fuhr, die direkt an die Barmstedter Schlossinsel angrenzt. Dort erfuhren sie, dass die sogenannte „Liebesinsel“ immer kleiner werde, weil sie unterspült wurde. „Irgendwann ist sie verschwunden, wenn wir nicht gegensteuern“, so Sass. Das sollten die jungen Erwachsenen mit Lehm und Pfählen machen.

Eine Brücke zur „Liebesinsel“

„Wir dachten über die Arbeitsschritte nach und wie wir Material auf die Insel schaffen könnten und kamen auf die Idee einer Brücke“, sagte Kevin Kölln. Und dann legten die 15 bis 20 Mitglieder der Landjugend motiviert los. Sie bauten einen Steg sowie eine Brücke zur Insel. Dabei kamen auch Gerüstteile zum Einsatz. „Eine Schwimmbrücke hatten wir verworfen, die wäre zu wackelig für die schweren Schubkarren mit Lehm gewesen“, so Nico Münster. Als Elisabeth Theilig, die im Herrenhaus wohnt, am Freitagvormittag aus dem Fenster schaute, glaubte sie, ihren Augen nicht zu trauen. „Die hatten schon die Brücke fertig, unglaublich“, staunte sie. Als sie eingeladen wurde, die „Liebesinsel“ über die Behelfsbrücke zu betreten, zögerte sie keinen Augenblick und strahlte. „Toll, was die jungen Menschen hier leisten.“

Und die Landjugend war froh über die vielen Firmen aus Barmstedt und dem Umland, die auf Anfrage Materialien und Geräte zur Verfügung stellten. Dazu zählten die Gerüstteile und Bohlen für die Brücke, 80 Tonnen Lehm und 20 Tonnen Muttererde, Holzpfeiler, eine Ramme, kleine Hoflader, Reisigbündel von den Stadtwerken Barmstedt und vieles mehr. Die Insel musste an den Rändern befestigt werden, hatte die Landjugend überlegt. Also hatten sich einige mit Wathosen ausgerüstet, rammten Pfähle in den Boden rund um die Insel und flochten Reisig dazwischen. „In die Lücke schütteten wir den schweren Lehm“, so Tobias Tietjen. Auf den festgetretenen Lehm kam die Muttererde.

Schwere Maschinen im Einsatz

Im Minutentakt kam ein Hoflader angerollt, der das Erdmaterial vom großen Parkplatz transportierte. Die Schubkarrenfahrer Björn Stehr, Torben Fiefeck, Kevin Kölln und andere warteten schon ungeduldig und schaufelten den Lehm schließlich von der Baggerschaufel in die Karren, liefen im Eilschritt über die Brücke, ein Lächeln im Gesicht. Firmen aus Barmstedt und viele Privatpersonen besorgten den Arbeitern Brötchen, Kuchen, Süßigkeiten und Getränke. Von der Feuerwehr hatte die Landjugend zudem Schläuche geholt und zum Schluss ihre Arbeitsflächen gereinigt. Gefreut hatten sie sich auch über die Besuche des Laju-Bundesvorsitzenden Sebastian Schaller und Landesvorsitzenden Tim Blöcker. Bleibt nur noch die Frage, warum das winzige Eiland „Liebesinsel“ heißt. Mariesa Suhr hatte sich darüber Gedanken gemacht. „Die Insel sieht aus wie ein Herz – mit einer Spitze und zwei runden Auswölbungen auf der entgegengesetzten Seite.“

Anpacken an der Bokeler Dörpstuv

Die Landjugend Hörnerkirchen war währenddessen in Bokel im Einsatz. Am Donnerstag, Punkt 18 Uhr, wurden die Jugendlichen von Vermittlerin Marion Nöhrnberg auf dem Parkplatz vor dem Amtshaus in Brande-Hörnerkirchen empfangen. „Alle mir nach“, hieß ihr Kommando, und so setzte sich erst einmal eine lange Autoschlange gen Bokel in Bewergung.

Bürgermeister Wolfgang Münster wartete bereits auf den Tross, um die Aufgabe zu verkünden. Hinter der Dörpstuv, gleich neben den ehemaligen Tennisplätzen, liegt eine bislang ungenutzte Rasenfläche. „Die sollt ihr mit einem neu zu errichtenden Holzzaun zur angrenzenden Au hin absperren. Außerdem soll ein Grillplatz errichtet werden, und wenn ihr es schafft, auch noch eine kleine Grillhütte“, sagte Münster. Am Ende der Aktion war ein großes Fest geplant – auch das sollte die Landjugend organisieren. Viel Arbeit für 72 Stunden.

Entsprechend sprachlos war die Landjugend-Truppe im ersten Moment. Doch dann wurde angepackt. Schon früh morgens um 7 Uhr gingen am Freitag rund 30 Helfer daran, die Terrasse auszukoffern. Auch die ersten Anwohner kamen, um sich vom Gelingen der 72-Stunden-Aktion zu überzeugen. Der massige Grill wurde komplett selbst gebaut, was rund 36 Stunden in Anspruch nahm. „Ich hoffe, er wird in Ehren gehalten“, betonte die Landjugend-Vorsitzende Ariane Steinmüller während des Abschlussfestes. Parallel wurden die Einladungen im Dorf für das Fest verteilt.

Eine Grillhütte für 20 Personen

Steinmüllers männliches Pendant Mats Röpcke erzählte vom Sonnabend, als man sich mit Plattschaufeln ans Werk machte, ehe man beschloss, doch lieber einen Bagger einzusetzen. Die Pflastersteine für die Hütte wurden verlegt und die Hütte vorgefertigt. Apropos Hütte: Aus der kleinen Grillhütte wurde ein Unterstand samt Interieur, der mindestens 20 Leuten Platz bietet.

Am Sonntag begann dann der Endspurt. Gegen Mittag war die Landjugend dabei, im Schweiße ihres Angesichts das Hüttendach zu verlegen. Für den Stromanschluss wurden ein Graben ausgehoben und die Pflanzenspenden in den Boden gesetzt. Apropos Spenden: Knapp 70 Sponsoren machen die Aktion überhaupt erst möglich. Entsprechend groß fiel der Dank der Landjugend-Vorsitzenden an ihre Unterstützer aus. Am späten Sonntagnachmittag war es dann vollbracht. Die Hütte stand, der Zaun sowieso, der Grill war montiert, und die ersten Gäste des Dorffestes trafen ein. Zuletzt mussten nur noch ein paar kosmetische Korrekturen vorgenommen werden, beispielsweise das Glätten des ramponierten Rasens. Und natürlich musste auch noch ein Richtspruch für die Grillhütte gehalten werden. Das geschah dann schon im Rahmen des Dorffestes. Mehr als 100 Gäste kamen, und als die Landjugend Hütte und Grillplatz an die Gemeinde übergab, brandete tosender Applaus auf.

„Ich bin ein bisschen sprachlos“, gab Bürgermeister Münster angesichts der Leistung der Jugendlichen zu. Vor der 72-Stunden-Aktion „war hier nichts“. Als Anerkennung übergab Münster der Landjugend Hörnerkirchen einen Gutschein für zehn kostenlose Gruppenabende in der Dörpstuv.

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