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„Wir wollten nicht nur stricken“ : 20 Jahre „Woopies“ in Barmstedt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Vor 20 Jahren gründeten sich die „Woopies“. Gruppe hält sich mit Radfahren und Walken fit.

Barmstedt | Die Barmstedter Fahrradgruppe „Die Woopies“ feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. Diesen Anlass begingen die Mitglieder mit einem gemütlichen Beisammensein im Hemdinger Hof. Am 21. Mai 1997 hatte „Woopie-Motor“ Ursula Vollstedt (83) zusammen mit einigen Bekannten die Idee aus der Taufe gehoben. „Wir wollten noch etwas erleben und und nicht den Tag am Fenster sitzend und stricken verbringen“, erinnert sie sich. Der Name „Woopies“ setzt sich zusammen aus „Well off older people“ (ältere Leute, die gut drauf sind). Ins Plattdeutsche übersetzte es Wilma Saar mit „Kralle ole Lüüd“. „Unser Motto ist ‚Gesundheit ist denken für den Kopf, Lachen für die Seele und Bewegung für den Körper‘“, so Vollstedt. „Jeder kann Wünsche vortragen, und niemand muss alles mitmachen“, betont sie.

Die erste gemeinsame Reise der Gruppe führte acht Damen nach Djerba. Die erste Radtour starteten sie von Bad Oldesloe aus, wohin sie die Räder mit einem Anhänger transportiert bekamen. Auf dem Fahrradweg entlang der alten Eisenbahntrasse ging es 43 Kilometer lang über Henstedt-Ulzburg nach Barmstedt. Bei der nächsten Tour radelten zehn Hobbysportler ab 55 Jahren ins Arboretum nach Ellerhoop.

In den Anfangsjahren wurden zahlreiche Radrallyes organisiert. An den wöchentlichen Radtouren nehmen aktuell durchschnittlich etwa 20 Personen teil – der älteste Teilnehmer von ihnen ist 94. Im Durchschnitt fahren sie bei jedem Treffen etwa 35 bis 55 Kilometer. In einer Saison von April bis September umrundeten alle Teilnehmer zusammen sogar rein rechnerisch einmal die Erde.

Bei der ersten Fahrradreise bewältigte eine Gruppe die Strecke von Passau nach Wien. Auch Reisen mit Hotelübernachtungen werden durchgeführt – natürlich sind die Räder immer dabei, um die Umgebung zu erkunden. Mit den Drahteseln fuhren die „Woopies“ auch schon den Ochsenweg entlang, lernten das Ammer- und das Münsterland, das Altmühltal, Ostfriesland und viele weitere reizvolle Landschaften kennen.

Gute Laune geht auch durch den Magen. „Die Wirte waren immer begeistert von uns“, berichtet Vollstedt. Bei der Wahl des Hauptgerichts am Abend seien sich fast immer alle einig gewesen: Fisch. Gern genießen die „Woopies“ zudem Saisongerichte wie Mehlbüddl, Karpfen, Spargel, Graue Erbsen oder Grünkohl.

Im April 2015 hatte die Gruppe einen prominenten Gast: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst-Dieter Rossmann strampelte bei einer Tour mit – was ihm offenbar so gut gefiel, dass er das im August wiederholen will.

Nicht nur mit Fahrradfahren, auch mit Gymnastik halten sich die „Woopies“ – hier ein Bild von 1997 – fit.
Nicht nur mit Fahrradfahren, auch mit Gymnastik halten sich die „Woopies“ – hier ein Bild von 1997 – fit. Foto: Elisabeth Meyer
 

Lustige Begebenheiten gab es bei den Ausfahrten auch. Als die Gruppe – die Räder schiebend – hintereinander eine Brücke im Spreewald überquerte, wollte ein junges Paar die Radparade fotografieren. Einer aus der Gruppe rief: „Dat lohnt nicht, wi sünd all’ns ole Lüüd“ – und erhielt anerkennend zur Antwort: „Aber ganz schön fit.“ Ein Ausflug ins Westerhorner Moor bescherte einem unaufmerksamen Mitfahrer ein Bad im Moorloch. „Die Radler hatten so viel zu schnötern, dass sie nicht aufgepasst hatten“, muss Vollstedt heute noch lachen. Zuerst sei der Hut des Unglücksraben wieder aufgetaucht. Ihm sei aber nichts passiert, und bevor er aus dem Graben geklettert sei, habe er den nassen Hut wieder aufgesetzt.

Zeitweilig war die fidele Woopie-Gruppe auf knapp 50 Teilnehmer gestiegen. „Das gab Probleme, wenn wir irgendwo Kaffee und Kuchen haben wollten“, sagt Vollstedt. In einem Lokal etwa habe es nicht genug Geschirr gegeben. „Die ersten mussten den Kaffee austrinken, damit der Rest bedient werden konnte.“ Während einer Reise ins Emsland fanden die „Woopies“ keine Gastwirtschaft. An einem der Kanäle konnten sie schließlich einkehren. „Der Wirt war allein, eigentlich war geschlossen“, so Vollstedt. Die „Woopies“ zögerten nich lange: Sie krempelten die Ärmel hoch, halfen beim Kaffeekochen, Eindecken, Kuchen schneiden und später beim Abräumen. Jetzt hat sich die Zahl der aktiven Mitradler auf etwa 20 eingependelt. „Wir werden wie alle älter“, stellt Vollstedt fest.

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erstellt am 27.Jul.2017 | 12:00 Uhr

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