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Von Korbwaren zur Ranzen-Party : 125 Jahre Bieberstein in Barmstedt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Das Familienunternehmen feiert 125. Geburtstag. 1890 wurde es als Elektrogeschäft gegründet.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2015 | 16:15 Uhr

Barmstedt | 125 Jahre ist es her, dass Johannes Schuldt den Grundstein für das Spiel- und Freizeitgeschäft Bieberstein gelegt hat. Heute wird das Geschäft in Barmstedt in fünfter Generation sowie die Filiale in Elmshorn in dritter Generation von Ulrike und Olaf Lang geführt. Das Jubiläum wird mit verschiedenen Aktionen für die ganze Familie gefeiert. Das große Fest wird am 18. Mai im Hauptgeschäft in Elmshorn steigen.

Begonnen hat alles mit Johannes Schuldt, der als Korbmachermeister ein Haus an der Chemnitzstraße kaufte, das heute als Lager dient. Er bot dort Korbwaren sowie Behälter aller Art, Möbel und Kinderwagen an. Sein gleichnamiger Sohn führte das Geschäft weiter und übergab es 1950 an den Schwiegersohn Max Bieberstein. Als Elektromeister verkaufte er Elektrogeräte und Lampen. „Er erkannte die Bedürfnisse der Zeit, denn nach dem Krieg begann der Aufschwung, und diese Waren wurden begehrt“, erzählt seine Tochter Lore, die das Kleinunternehmen mit ihrem Ehemann Jens Carstensen ab 1972 weiterführte. Max Bieberstein hatte damals zu Weihnachten Puppen und Blechautos im Angebot. Auch Spielzeug-Eisenbahnen fuhren bereits, die von zwei Kunden gewartet wurden. Barmstedter Kinder drückten sich angesichts der paradiesischen Spielewelt die Nase an den Schaufenstern platt.

1953 bezog die Firma zusätzlich den ehemaligen Zigarrenladen Am Markt. Er wurde das Hauptgeschäft, in dem es Radios, Herde und Waschmaschinen gab. Hinzu kamen Kinderwagen, Spielwaren, Steiff-Tiere und Eisenbahnen sowie Käthe-Kruse-Puppen. Als „Puppendoktor“ reparierte Bieberstein die Puppen, neu frisiert wurden sie auch. „Er hat oft bis in die Nacht hinein gearbeitet“, so Jens Carstensen. Wieder drückten sich die Kinder die Nase an den weihnachtlichen Schaufenstern platt. Dort ratterte eine Eisenbahn durch verschneite Wälder, über Brücken und durch Tunnel.

Mitte der 50er-Jahre expandierte Bieberstein erneut und eröffnete im ehemaligen Kaffee-Kähler-Geschäft an der Königstraße in Elmshorn einen Laden. „Das vorhandene Spielzeuggeschäft in Elmshorn war vor Weihnachten ausverkauft, und die Kunden kamen nach Barmstedt“, erzählt Jens Carstensen. Warum also nicht auch dort Waren anbieten? Das Kleinunternehmen hatte mittlerweile 14 Angestellte. Auch Carstensens spätere Ehefrau half als Tochter des Inhabers ab ihrem zwölften Lebensjahr im Geschäft aus – und dekoriert heute noch die Schaufenster in Barmstedt. „An der Chemnitzstraße und Am Markt hatten meine Eltern noch sonntags geöffnet“, sagt sie. Dann nämlich habe die Landbevölkerung eingekauft. Auch während des Stoppelmarkts war der Laden geöffnet. „Die Bauern kamen mit dem Trecker in die Stadt und schauten bei der Gelegenheit bei uns vorbei“, sagt sie, die 1972 mit ihrem Ehemann die Geschäftsführung übernahm.

So fing es an: Das ehemalige Geschäft in der Chemnitzstraße.
So fing es an: Das ehemalige Geschäft in der Chemnitzstraße.
 

Die neuen Inhaber tauschten die Elektroartikel gegen Kinderkleidung aus. „Das war damals die richtige Entscheidung“, so Lore Carstensen. Als das Museum aus dem oberen Stockwerk des Hauses auf die Schlossinsel zog, wurde die freie Etage ins Geschäft integriert. 2006 übergaben Carstensens die Geschäfte an ihre Tochter Ulrike und ihren Schwiegersohn Olaf Lang. Die erweiterten das Spielzeugsortiment und nahmen auch Schreibwaren ins Sortiment auf. Einmal pro Jahr organisieren sie im Autohaus Elmshorn eine „Ranzen-Party“, bei der aktuelle Modelle vorgestellt werden. Seit drei Jahren läuft außerdem der Verkauf über das Internet. „Wir gehen mit der Zeit, und es dient auch dem stationären Handel“, sagt Ulrike Lang.

Im Jubiläumsjahr soll noch einmal Nostalgie aufkommen. Aus dem Fundus werden alte Korbwaren, Spielzeug und Gocarts in den Schaufenstern an der Chemnitzstraße gezeigt und sicher bei vielen Erinnerungen wachrufen. Und vielleicht rattert ja noch einmal zu Weihnachten die Eisenbahn durch verschneite Wälder.

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