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1915 erste Anschlüsse : 100 Jahre Stromnetz in Barmstedt

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

1915 wurde das erste Leitungsnetz für 169 Anschlüsse verlegt. Heute verbrauchen 3600 Anschlüsse 10,5 Millionen Kilowattstunden.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 10:00 Uhr

Barmstedt | Die Stadtwerke Barmstedt feiern in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: Seit 100 Jahren betreiben sie das städtische Stromnetz. Vom Nachtwächter, der  jede Gaslaterne einzeln anzündete, bis zum elektrischen Licht war es ein gewaltiger Schritt. Das erste Aufgabengebiet der 1899 gegründeten Stadtwerke – die damals Gasanstalt hießen – war die Gasversorgung. Mit Hilfe von Kriegsgefangenen wurde bis August 1915 das Leitungsnetz für 169 Hausanschlüsse von der Bergmann-Elektrizitätsgesellschaft verlegt. Am 19. August 1915 verkündete Bürgermeister Hans August Greve, dass das Leitungsnetz demnächst dauerhaft mit Betriebsstrom versorgt sein werde.

Bereits im Mai 1915 hatte das Barmstedter Elektrizitätswerk – wie sich die Gasanstalt dann nannte – eine Broschüre herausgegeben, in der die Bedingungen für den Bezug elektrischer Energie aus dem Barmstedter Leitungsnetz festgelegt waren. Alles war vom Stadtverordnetenkollegium politisch abgestimmt worden, und unterschrieben war das Werk vom Bürgermeister.

Unter anderem erfuhren die Leser, dass die elektrische Energie den Abnehmern als Drehstrom von 50 Perioden und etwa 220 Volt für Licht und 380 Volt für Kraft zugeführt wurde. Das Elektrizitätswerk behielt sich das Recht vor, zwecks Vornahme notwendiger Reparaturen oder ausanderen wichtigen Gründen die Stromlieferung zeitweilig – möglichst Sonntagvormittags – zu unterbrechen. Außerdem war vorgeschrieben, dass der Hauseigentümer für die Abzweigleitungen von der Straße zum Hausanschluss zahlen musste. Der Grundpreis für Beleuchtung betrugt 0,45 Mark pro Kilowattstunde (kWh).

Erdkabel ersetzen Freileitungen

Die damals 169 Anschlüsse in Barmstedt verbrauchten monatlich 1140 kWh Strom. 1938 waren es bereits 1574 Anschlüsse mit 13  040 kWh. Heute verbrauchen 3600 Stromzähler 10,5 Millionen kWh Strom im Jahr.

Bis 1979 ersetzten die Stadtwerke die Freileitungen durch Erdkabel. Im Vorfeld der Elektrifizierung hatte es jahrelange heftige politische Diskussionen gegeben. Sollen die hiesigen Mühlenbesitzer die Strom-Eigenerzeugung in der Stadt übernehmen oder ein Fremdunternehmen? Im Februar 1914 beschloss das Stadtvertreterkollegium, den Strom von einer Lederfabrik in Pinneberg zu beziehen. Etliche Barmstedter Bürger hoben ob der Stromversorgung warnend den Finger. Sie befürchteten den Verfall der Sitten, wenn abends die Stadt hell erleuchtet sei und die Trinker dann noch später nach Hause wankten.

1928 trat der Kreis Pinneberg in einer eigenen Gesellschaft als Stromverteiler auf. Ab 1938 lieferte die Schleswag den Strom, später einige Jahre die Eon. 2004 übernahmen die Stadtwerke den Strombereich wieder selbst. Seit 2007 beliefern sie auch außerhalb der Stadtgrenzen Kunden mit Strom. Seit 2011 wird er ausschließlich aus Wasserkraft gewonnen – ohne Aufpreis.

Das Jubiläum begehen die Stadtwerke heute mit einem Empfang für geladene Gäste im Hotel „Seegarten“.

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