100 Jahre helfende Hände

Ilse Zimdahl findet im Protokollheft Notizen ihrer Mutter und Großmutter.
1 von 2
Ilse Zimdahl findet im Protokollheft Notizen ihrer Mutter und Großmutter.

DRK-Ortsverein Bilsen feiert runden Geburtstag mit Gästen / Einblicke in erstes Protokollbuch von 1918

shz.de von
21. Juni 2018, 16:00 Uhr

Vor 100 Jahren am 3. Mai 1918 versammelten sich etwa 30 Frauen aus dem Ort Bilsen in der damaligen Schule und gründeten den Vaterländischen Frauenverein Bilsen. Das war der Ursprung des Ortsvereins des DRK. Zum runden Geburtstag hatte Vorsitzender Achim Bestmann jetzt alle Mitglieder und den Kreisgeschäftsführer vom Kreisverband Pinneberg, Reinhold Kinle, sowie Vertreter vom Nachbarverein Quickborn in das Hotelrestaurant „Waldfrieden“ eingeladen.

„Wir sind der erste Verein in der Gemeinde, der diesen hohen Geburtstag feiert“, sagte Bestmann. Die stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Thomsen hob das Ehrenamt hervor. „Die Gemeinde ist stolz auf euch“, sagte sie. Das DRK habe eine lebenswichtige Aufgabe, deshalb appelliere sie an die Bilsener, Blut zu spenden. Jeder könne davon betroffen sein, dass sein Leben mit einer Blutspende gerettet werde. Kinle betonte, dass die Mitglieder Freizeit und persönliche Fähigkeiten einsetzten, um die Idee der Hilfeleistungen zu erhalten. „Diese Hilfe ist nur leistbar, wenn Menschen sich zusammenschließen, um gemeinsam etwas für andere zu tun“, sagte er.

Bestmann zeigte den etwa 50 Gästen das 100 Jahre alte Protokollbuch, in das heute noch Schriftführer Henning Gülck einträgt. „Die erste Investition des Frauenvereins war diese Anschaffung, die fünf Mark kostete“, sagte Bestmann. Bei der Übersetzung der alten Schrift in das Hochdeutsche seien er und Gülck gescheitert. Ehrenbürgermeister Rainer Ute Harms habe geholfen.

Die Idee der Gründung des Vereins sei das Helfen gewesen. In Bilsen hieß die erste Vorsitzende Frau A. Geewe, so steht es im Protokoll. Im Vorstand waren Frau E. Gätjens, Frau M. Möller, Frau E. Clasen. Langjähriger Schriftführer war der Lehrer Blunck, etlichen Bilsenern noch als Rohrstock schwingender „Hein Blitz“ in Erinnerung. Das erste Fest am Himmelsfahrtstag beim Gastwirt Herrn Reumann, erfuhren die Gäste, sei bestens besucht gewesen. Der Barmstedter Theaterverein spielte „Im weißen Rößl“. Der Reinerlös betrug 137 Mark. Nach einem Jahr gehörten dem Verein bereits 44 Mitglieder an. Für Kranke und Wöchnerinnen wurden warme Mahlzeiten gestellt, für stillende Mütter 27 Mark gezahlt und für den Empfang der Kriegsgefangenen 20 Mark bewilligt. Von 1926 steht im Protokoll, dass acht alte und kranke Leute je eine Flasche Wein und ein Pfund Butter für insgesamt 35,50 Mark erhielten.

Während des Nazi-Regimes 1934 änderte sich der Sprachgebrauch. Die Vorsitzende wurde zur Führerin, der Vereinsname wurde in „Deutsches Rotes Kreuz, Vaterländischer Frauenverein zu Bilsen“ umbenannt. Ab 1935 gab es keine Wahlen mehr. Die Versammlung 1936 endete mit einem „Sieg Heil! Auf unseren Führer.“ Erst ab 1949 stehen wieder Eintragungen im Protokollheft. Sie berichten von Not und Elend, von Vertreibungen, Sorgen und Hilfen zum Überleben.

„Heute haben wir einen blühenden Verein mit 100 Mitgliedern, der auch gesellschaftlich im Dorf integriert ist“, sagte Bestmann. Nach dem offiziellen Teil blätterte Ilse Zimdahl im alten Protokollheft und erkannte die Schrift ihrer Mutter Marta Schaff, die Schriftführerin war. Sogar Aufzeichnungen ihrer Großmutter Amalie Möller, die Vorsitzende war, entdeckte sie. Auch Christel Wördemann, Vorsitzende von 1979 bis 1982, fand sich im Buch.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen