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Barmstedter Zeitung

21. September 2017 | 08:53 Uhr

1,5 Tage Arbeit für drei Tage Spaß

vom

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Barmstedt | Für den Aufbau brauchen sie eineinhalb Tage. Für den Abbau sechs Stunden. "Wenn wir langsam sind", sagt Chris Lohse. Seit gestern sind der Schausteller und seine drei Kollegen in Barmstedt auf dem Parkplatz an der Feldstraße zugange: Aus Abertausenden von Einzelteilen setzen sie den Autoscooter zusammen, der dort während des Stoppelmarkts drei Tage lang stehen wird. Es sieht etwas wild aus, aber den Überblick scheint keiner der vier verloren zu haben: Jeder Handgriff sitzt, und die Stimmung ist gelöst. "Basti, komm mal aus dem Dschungel raus", ruft Lohse seinem Kollegen zu, der gerade auf eine Leiter geklettert ist, um eine Seitenwand am Dach zu befestigen, und sich dabei halb in einem Baum verfangen hat. "Wir wollen ein Foto für die Zeitung machen!"

Wenn sie nicht gerade in Barmstedt sind, touren Lohse und seine Kollegen durch ganz Deutschland. "Wir sind jedes Wochenende woanders", erzählt Lohse, der seit sechs Jahren dabei ist. "Am Ende habe ich immer keine Lust mehr. Aber dann packt es mich doch wieder." Die ersten zwei, drei Tage seien anstrengend, "dann hat man sich dran gewöhnt und will gar nicht mehr aufhören". Er sei zwar gern auf Achse, freue sich aber immer auf sein Zuhause "mit meinen Eltern, Freunden und dem Hund".

Die Saison beginnt für Lohse und seine Kollegen meist im März in Itzehoe und endet im Winter in Fernost. Am 10. September wird es wieder soweit sein: Dann fliegen sie zum Oktoberfest nach Japan. Ihr Fahrgeschäft - ein Kinderkarussell, das per Schiff reist - bauen sie später noch auf japanischen Weihnachtsmärkten auf.

Anspruchsvoll sind die Schausteller während ihrer Arbeit nicht. Übernachtung in Hotels oder Pensionen? Von wegen. "Wir schlafen in unseren Wagen. Das reicht doch", sagt Lohse fröhlich. Auch Regen kann er Positives abgewinnen. "Dann ist es bei uns am vollsten. Denn wir haben schließlich ein Dach." Unter dem sich 20 bis 24 Autos heftig rammen, wenn es richtig rund geht. "Das ist ja auch der Sinn der Sache", sagt Lohse. Aber es gebe auch Besucher, die lieber friedlich auf der Außenbahn ihre Runden drehen.

Kinder unter zehn Jahren dürfen nur mit Begleitung und Gurt fahren, und auch wer kleiner als 1,40 Meter ist, muss sich anschnallen. Ein Auto schafft maximal 30 Kilometer pro Stunde. "Das ist Stufe 6, aber die nutzen wir nie", sagt Lohse. Sie selbst fahren jedes Auto Probe, und alle zwei Tage wird es "gekippt": Dann kontrollieren sie unter anderem, ob das Fahrgestell und die Kupplung in Ordnung sind - und die Drahtbürsten, ohne deren Bodenkontakt die strombetriebenen Gefährte sich nicht vom Fleck rühren würden. "Deshalb ist es ätzend, wenn hier Glasscherben liegen, weil Leute Flaschen mitgebracht und zerdeppert haben", so Lohse. Ganz ungefährlich sei der Betrieb nicht, räumt er ein. "Aber was Schlimmes ist bei uns noch nie passiert." Gefreut habe ihn und seine Kollegen diesmal vor dem Aufbau: Als sie am Mittwoch mit ihren Zugmaschinen in Barmstedt ankamen, sei schon der gesamte Parkplatz leer gewesen. "Das war noch nie so."

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