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Kreis Steinburg Zu viel Fluglärm? Flieger werben um Verständnis

Von Volker Mehmel | 04.06.2009, 04:59 Uhr

Nach Beschwerden von Anwohnern gehen die Fallschirmspringer jetzt in die Offensive.

Seit mehr als 40 Jahren lebt das Ehepaar Traute und Helmut Muhs in Peissen. Der Rentner züchtet Brieftauben, seine Ehefrau genießt Ruhe und freien Blick im Garten. Zumindest die Ruhe ist immer häufiger gestört. "Wir liegen zwar nicht in der Flugschneise", berichtet Traute Muhs, "aber manchmal ist es schon eine extreme Lärmbelästigung." So jedenfalls kommt der Flugbetrieb auf dem Hungrigen Wolf in Peissen an. "Die Hubschrauber waren zwar auch laut", erinnert sich die Rentnerin an die Aktivitäten der Heeresflieger. "Das war aber nicht so das Problem." Nach ihrer Beobachtung entwickelten sich vor allem die Fallschirmspringer zu einem Störfaktor. "Man sitzt da - und dann dieses Aufdrehen", beschreibt die Peissenerin ihr Empfinden und fügt hinzu: "Wenn jemand am Sonntag Rasen mäht, kommt gleich das Ordnungsamt. Aber die Flieger dürfen das ja wohl." Was sie tatsächlich dürfen, soll nun offiziell beleuchtet werden. Die Gemeinde Hohenaspe, aus der ebenfalls immer wieder Beschwerden kommen, hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Rechtmäßigkeit des Flugbetriebs klären soll.

Auf dem Hungrigen Wolf wird das Murren aus der Bevölkerung sehr ernst genommen. "Wir tun enorm viel für den aktiven Lärmschutz", versichert Achmed Sharma, Geschäftsführer und Pilot der Prokon Airservice GmbH. Sein Eindruck: "Egal, was wir machen, es geht an der eigentlich nur sehr kleinen Gruppe von Beschwerdeführern vorbei." Offenbar kämpfen die Fallschirmspringer des Vereins Yuu Skydive noch immer gegen ein Negativ-Image aus ihren Anfangszeiten am Hungrigen Wolf, als sie mit betagtem Fluggerät die Anwohner nervten. Seit Frühjahr 2007 aber ist eine Cessna Caravan für bis zu 14 Springer im Einsatz. "Die Maschine ist technisch auf dem neuesten Stand", sagt Sharma. Vor allem aber habe sich der Fallschirmspringerverein selbst strickte Verhaltensregeln insbesondere für die Piloten auferlegt. "Das kostet uns auch richtig Geld", sagt Vorsitzender Yorck Vettereck. Jede Flugminute schlage mit 13 bis 15 Euro zu Buche und dennoch nehme der Verein im Interesse des Friedens gerne auch Umwege in Kauf. "Die Piloten müssen so viel beachten. Das sind schon fliegerische Bravourleistungen", sagt Pilot Sharma zu den strengen Vorgaben, die auch unter www.yuu-skydive.de nachzulesen seien. Hinzu komme, dass die Saison allenfalls 26 Wochen im Jahr dauere, bei täglich im Schnitt acht bis zehn Flügen. "Die Maschine wird dabei in einem Zeitraum von lediglich jeweils fünf Minuten wahrgenommen", schätzt Sharma.

Woher kommen dann die Beschwerden ? Flugplatz-Geschäftsführer Bernhard Rösler beklagt, dass die Flugleitung häufig anonymen Beschimpfungen ausgesetzt sei. Bei genauen Angaben über etwaige Störungen würden diese auch konsequent verfolgt. So wie zu Ostern, als ein Hobbyflieger seinen Oldtimer etwas zu intensiv ausprobierte. In einem anderen Fall hatte sich ein Pilot nur für eine Minute vernavigiert - schon gab es empörte Anrufe. Mit konkreten Zahlen tritt Rösler Meinungen entgegen, der Flugbetrieb habe exorbitant zugenommen. Zu Bundeswehr-Zeiten wurden auf dem Terrain jährlich 4000 rein private Landungen gezählt, heute seien es rund 7000. Derweil betont Yorck Vettereck, dass es sich bei der Fallschirmspringerei schließlich um ein ehrenamtliches Unternehmen handele. Der Verein habe derzeit 120 Mitglieder, darunter viele Familien mit Kindern. Am Hungrigen Wolf gebe es für alle ideale Bedingungen. Allein schon deshalb sei man an einem guten Einvernehmen mit allen Nachbarn interessiert. Hinzu komme, dass die Fallschirmspringer sich auch in der Jugendarbeit stark engagierten und auf Wunsch sogar in den Schulen aktiv würden. Letztlich gehe es um aktuell auch rund 20 Arbeitsplätze. Der Vorsitzende wiederholt: "Wir bemühen uns wirklich."

Gemeinsam mit Sharma, Vettereck und Rösler hofft Carsten Rodbertus auf - wie er sagt - "ein bisschen mehr Toleranz". Der Prokon-Geschäftsführer ist Eigner der 1,5 Millionen Euro teuren Cessna, die sein Unternehmen auch für Geschäftsflüge nutzt. Rodbertus wohnt - wie auch einige seiner Mitarbeiter - selbst in Hohenaspe. Als störend habe er die Flieger bislang nicht empfunden. Das angekündigte Rechtsgutachten hält er für "Steuerverschwendung". Einigen wenigen, so seine Vermutung, gehe es wohl nur darum, gar keinen Flugplatz in der Nähe zu haben. Laut Bernhard Rösler sollen in Kürze an einem runden Tisch die Fronten auf Dauer geklärt werden. In der Vergangenheit, so die Klage der Flieger, seien Gesprächsangebote vielfach nicht angenommen worden.