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Ahrensburg Wasserschaden, marode Kabel, Stromschlag - tot!

Von Jens Peter Meier | 08.10.2011, 03:59 Uhr

Was geschah am 1.

August 2006 in dem Geschäftshaus im Bargteheider Mittelweg? Das versucht das Amtsgericht Ahrensburg jetzt zu klären. Ein Arbeiter war durch einen Stromschlag ums Leben gekommen, als er im Obergeschoss das Parkett abschliff. "Das Geräusch der Schleifmaschine hatte sich verändert, deshalb habe ich nachgesehen", sagte der ehemalige Mieter Carsten D. (Name geändert). Er fand den Arbeiter stocksteif, aufrecht stehend an der noch laufenden Maschine in der Nähe der Heizung. "Er blickte starr und vibrierte im Rhythmus des Schleifgeräts. Man konnte sehen, dass er unter Strom stand." Als Carsten D. den Stecker zog sackte der Arbeiter zusammen. Sanitäter konnten nur noch den Tod feststellen.

"Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit starb er durch einen Stromschlag", stellte der Gerichtsmediziner fest. Das Gehäuse der Maschine habe unter Strom gestanden, vermutlich habe ein Kontakt mit der geerdeten Heizung den tödlichen Stromschlag ausgelöst.

"Lange Zeit stand für uns fest, dass die Maschine nicht ordnungsgemäß funktioniert hat", sagte der zuständige Kriminalbeamte aus. Das Gerät habe einen verwahrlosten Eindruck gemacht, das Kabel war mehrfach geflickt. Trotz mehrerer Untersuchungen sei aber kein Defekt an der Maschine festzustellen gewesen. Die Kriminaltechniker fanden auch keinen Fehler in der Hauselektrik. So zogen sich die Ermittlungen hin und wurden zunächst auch eingestellt.

Wieder ins Rollen kamen sie erst, nachdem die Kriminalpolizei dem Verleiher in Bargfeld-Stegen das Schleifgerät ausgehändigt hatte. "Dabei erzählte er uns, dass sein Kunde von einem Defekt in der Hauselektrik berichtet hatte." Das war der Kripo bis dahin nicht bekannt gewesen. Der Defekt war genau einen Tag nach dem tödlichen Unfall von einem Fachbetrieb behoben worden. Danach konnten Kriminalisten dort nichts mehr feststellen.

Zur Vorgeschichte: Einige Wochen zuvor hatte es im Geschäftshaus einen erheb lichen Wasserschaden im Obergeschoss gegeben. "Das Wasser lief durch die Zwischendecke ins Erdgeschoss, es zischte und funkte überall", beschrieb Mieter Carsten D. den Vorfall. So beauftragte er einen Bargteheider Fachbetrieb mit der Sanierung der Elektroanlage.

Möglicherweise wurde dabei ein Kabel falsch angeschlossen. Jedenfalls standen am Tag nach dem tödlichen Unfall noch alle Schutzkontakte, die Nullleiter der Steckdosen im Obergeschoss unter Strom, wie der Schwager von Carsten D., ein Elektriker, festgestellt haben will.

Auch die Heizkörper teilten Stromschläge aus. Ein Monteur vom Notdienst des Elektrobetriebs erschien am gleichen Tag, trennte den Stromkreis für die Steckdosen provisorisch ab. Am folgenden Tag wurden sie ordnungsgemäß repariert. "Allerdings mussten wir dabei zwei oder drei Varianten ausprobieren, bis es hinhaute", sagte ein Monteur aus.

Das Gericht versucht jetzt zu klären, ob bei der ersten Reparatur nach dem Wasserschadens ein folgenschwerer Fehler gemacht wurde. Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung ist heute nämlich ein junger Monteur. Der äußerte sich in der Verhandlung bisher allerdings nicht.

Termin: Die Verhandlung im Amtsgericht Ahrensburg wird am 28. Oktober fortgesetzt.