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Bad Oldesloe Alt sein, heißt nicht krank sein!

Von Susanne Rohde | 28.06.2013, 03:59 Uhr

"Wohin mit Oma?" - Dieser Frage gingen Chefarzt Jochen Gehrke und Diplompädagogin Silke Steinke beim Gesundheitsforum nach

"Alt heißt nicht, krank oder senil zu sein, alt sein, heißt, erfahren zu sein!" Dieses Zitat von Konrad Adenauer trifft zwar sicherlich zu, dennoch gibt es in unserer Gesellschaft einen großen Problemkreis rund um das Altern. "Natürlich ist das Altsein keine Krankheit, denn auch über 90-Jährige sind mitunter fitter als 50-Jährige", weiß Jochen Gehrke. Der Chefarzt der geriatrischen Abteilung der Asklepios Klinik referierte beim Gesundheitsforum des Stormarner Tageblatts über das Thema "Wohin mit Oma?".

Die Gesellschaft altert rasant, es gibt immer mehr hoch betagte Menschen. Auf dem Oldesloer Wochenmarkt sehe man sehr viel mehr Rollatoren als Kinderwagen. "In ein paar Jahrzehnten wird es völlig normal sein, dass Frauen 100 Jahre alt werden", behauptete Jochen Gehrke. Ob es dann aber auch normal sei, dass Frauen, die vielleicht mehrheitlich gar keine Kinder geboren hätten, behütet alt werden können? In der anonymen Großstadt sei das eher ein Problem, als auf dem Land, so Gehrke. Da stehe Oma, wenn sie "tüdelig" werde, stets unter wohlwollender Aufsicht. Anders in der Stadt, wo alte Menschen oft unter Einsamkeit litten. Wenn es dann zu einer ernsten Erkrankung komme, bleibe nach dem Krankenhausaufenthalt nur allzu oft als "Endstation" das Pflegeheim. "Das wollen wir Geriater möglichst verhindern. Wir checken ab, aus welchem sozialen Umfeld die Patienten kommen und wo sie hin wollen", erläuterte Jochen Gehrke. Manchmal helfe Zuwendung, aktivierende Pflege sowie Physiotherapie besser als Medikamente. Jeder solle sich also beizeiten Gedanken machen, wie er alt werden möchte. Jeder habe es selbst in der Hand, relativ gesund alt zu werden. Dafür seien gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung enorm wichtig.

Gefährlich für Hochbetagte sei allerdings ein Sturz, der einen längeren Aufenthalt im Krankenbett nach sich ziehe. So etwas könne riskanter sein, als eine Krebserkrankung, warnte Gehrke. Denn die erzwungene Bewegungsunfähigkeit ziehe oft fatale Folgeerkrankungen nach sich. Viele alte Menschen behaupteten, sie seien so alt geworden, weil sie nie zum Arzt gegangen seien. "Wir müssen eine Lösung finden zwischen Schwarzwald Klinik und High-Tech-Medizin. Das versuchen wir in der Asklepios Klinik", sagte Gehrke.

Unter den "Volkskrankheiten" Demenz und Alzheimer leiden etwa ein Drittel alle Menschen über 85 Jahre. Mit der tückischen Erkrankung Demenz befasst sich Silke Steinke, die im Mehrgenerationenhaus Oase eine Angehörigengruppe leitet. "Bei uns ist jeder willkommen, der sich in irgendeiner Weise um Demente kümmert", so die Pädagogin. Austausch und Vernetzung seien wichtig für Betroffene und Angehörige - die Oase sorge da für optimale Bedingungen.

"Angehörige von Dementen werden in ihrer Verzweiflung meist allein gelassen, das ist ganz schlimm", klagte eine Zuhörerin. Demenz habe sehr viele Gesichter und müsse nicht in jedem Fall fortschreiten, betonte Jochen Gehrke. Manchmal komme die Erkrankung auch zu einem Stillstand. "Nichts spricht dagegen, dass von einer Demenz Betroffene weiterhin am öffentlichen Leben teilnehmen", machte der Chefarzt Mut. "Wir brauchen in Stormarn die Geriatrie als heimatortnahe Versorgung", so die Forderung des Mediziners.

Kontakt: Infos zu einer kostenlosen Erstberatung oder der Angehörigengruppe von Silke Steinke in der Oase unter (04531) 670848.