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Stormarn Volkstrauertag Bad Oldesloe: „Kriege kennen am Ende keine Gewinner“

Von Patrick Niemeier | 19.11.2017, 18:43 Uhr | Update am 06.11.2022

Gedenken beim Volkstrauertag 2017 in Stormarn an Opfer von Kriegen und Gewalt am Volkstrauertag.

Kriegs- und Gewaltopfergedenken im Zeichen eines Aufrufs für Frieden in der Welt. Mit einem eindringlichen Appell für Verständnis und Verständigung zwischen den Menschen und Völkern der Welt erinnerte auf dem „Alten Friedhof“ in Bad Oldesloe Pastor Karsten Baden-Rühlmann der Millionen Toten der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts.

Deutlich machte er gemeinsam mit Kreispräsident Hans-Werner Harmuth und Bad Oldesloes Bürgerworthalter Rainer Fehrmann auch, dass es an diesem Tag nicht nur um die Opfer der Weltkriege gehe, sondern auch um die Toten, Verletzten oder Traumatisierten aktueller Krisen auf der ganzen Welt. „Nur weil der Krieg in unserer Zeit aktuell ein wenig von Europa weggerückt ist, heißt es nicht, dass es nicht Menschen unter uns gibt, die zu uns geflüchtet sind und Schutz suchen. Sie bringen ihren Krieg und ihre Erfahrungen mit“, so Baden-Rühlmann.

Der Großteil der rund 100 Anwesenden am Ehrenmal nickten zustimmend bei diesen Worten. Nur wenige schüttelten bei dem erwähnten Flüchtlingsvergleich den Kopf. „Das ist was ganz anderes. Das soll man nicht immer vermengen“, sagte ein Senior dieser Minderheit und ging verstimmt davon. Doch Baden–Rühlmanns Botschaft war klar: Früher wie heute gelte es, deutlich zu machen, dass es in Kriegen keine Gewinner gebe.

Wie absurd sich Schicksale in den perfiden Dynamiken des Krieges entwickeln können, machte der Geistliche mit einer Geschichte aus dem Bekanntenkreis deutlich. Ein im Zeiten Weltkrieg 15-Jähriger wurde zum Dienst an der Waffe gegen die Alliierten verpflichtet. Sein Vater hatte sich gegen das Nazi-Regime eingesetzt und war ins Konzentrationslager verschleppt worden. Nun war der Sohn gezwungen auf die Menschen zu schießen, die das Regime, das sein Vater bekämpft hatte, beenden wollten.

Die Resonanz seitens der Bürger war etwas größer als in den Vorjahren. Erneut war aber festzustellen, dass keine jungen Stormarner an der Gedenkfeier in der Kreisstadt teilnahmen. Dieser Umstand hat schon häufiger für Kritik gesorgt, weil die Sorge vor einem Vergessen des Gedenkens der Opfer besteht.