Karte und Fotos Wildschweine in Heide: Überwachungskamera filmt Keiler beim Optiker

Von Christina Norden | 20.10.2017, 15:05 Uhr

Zwei Wildschweine rennen durch die Heider Innenstadt und dringen in Geschäfte ein. Vier Menschen werden schwer verletzt.

In Dithmarschens Kreisstadt Heide haben zwei plötzlich aufgetauchte aggressive Wildschweine am Freitag Menschen angegriffen und vier verletzt. Eins der Tiere wurde inzwischen erschossen, nach dem anderen wird noch gesucht. Bei dem getöteten Wildschwein handelt es sich um einen 70 Kilogramm schweren, so genannten bunten Keiler. Das etwa zwei Jahre alte Tier, das zunächst mit einer Sau unterwegs gewesen ist, könnte möglicherweise im Zuge der Maisernte aus einem Feld aufgescheucht worden sein.

Die Spur der Verwüstung:

Woher die Wildschweine genau gekommen sind, ist noch unklar. Augenzeugen beschreiben, sie seien plötzlich im Bereich des Heider Marktes aufgetaucht. Dort liefen sie durch die Straßen und rannten auch in Geschäfte. Zunächst drückte sich der Keiler bei Optiker Hinz am Markt durch eine geschlossene Glastür, verletzte eine Seniorin und richtete in dem Geschäft erhebliche Sachschäden an. Die Überwachungskamera nahm die Szene auf und zeigt, wie sich Menschen in dem Laden vor dem Tier in Sicherheit bringen.

Das Tier rannte gegen eine Panzerglasscheibe, die daraufhin aus der Verankerung flog. Im Anschluss lief der Vierbeiner zur benachbarten Bank und griff auf dem Weg dorthin eine Passantin an.

Kurz darauf versetzte es die Verkäuferinnen und Kunden einer Bäckerei in große Angst. Eine Angestellte sprach davon, dass das Schwein einen Mann regelrecht „aus dem Laden rausgeprügelt“ habe.

Besonders in der Sparkasse spielten sich dramatische Szenen ab, nachdem dort ein Keiler eingedrungen war. Kunden und Mitarbeiter versuchten sich in Sicherheit zu bringen. Mitarbeiter Werner Marten-Hansen berichtet gegenüber shz.de, wie das aufgebrachte Wildschwein in den Schalterbereich eindrang und dabei auf Filialleiter Ralf Schulczewski losging: „Der Keiler war höchst aggressiv und biss ihn in beide Beine. Schulczewski schrie vor Schmerzen und konnte sich noch in einen der Mitarbeiterräume retten. Dort rief er die Einsatzkräfte um Hilfe.“

In und vor der Sparkassen-Filiale herrschte große Panik. Sichtlich schockiert zeigte sich eine ältere Augenzeugin. „Das Tier kam wie aus dem Nichts angeschossen, griff eine Frau von hinten an und zeriss ihr die Hose. Ich hörte sie fürchterlich schreien und habe mich dann nur noch selbst in Sicherheit gebracht.“ Einem Mann, der den Vorraum betreten wollte, sei eine Fingerkuppe abgerissen worden, berichtete ein weiterer Zeuge.

Binnen weniger Minuten wurde der komplette Bereich rings um die Sparkasse weiträumig abgesperrt. Angestellte und Kunden, die sich im Innenbereich des Hauses aufhielten, bangten um ihre Gesundheit, weil der Keiler jetzt ziellos herumirrte. Mit Hilfe von Feuerwehr und Polizei verließen sie per Drehleiter das Haus und fanden im nahegelegenen Rathaus Zuflucht. Nach einiger Zeit schafften es Beamte, den Keiler zu fangen.

Das Wildschwein in der Sparkasse lief nach den Schilderungen des Bürgermeisters zwischen Kassenraum und Eingangsbereich hin und her, bevor es unter einen der drei Streifenwagen kroch, mit dem die Polizei den Eingang verbarrikadiert hatte.

Letztlich gelang es, den Keiler zwischen den Zugangstüren zur Bank und zwei Streifenwagen einzukesseln. Aus einem der Polizeifahrzeuge heraus erschoss ein Jäger gegen 11 Uhr dann das Tier, das sich vor dem Fahrzeug abgelegt hatte. Da die Waffen der Polizisten zu großkalibrig gewesen seien, habe der Jäger geschossen. In der Videosequenz ist deutlich der Schuss zu hören:

Das zweite Tier wurde zuletzt im Bereich des Wasserturms gesehen. Seitdem wird es vermisst. Was man tun kann, wenn man dem Tier begegnet, erklärt der Landesjagdverband hier.