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kostenintensiv Große Investition für die Utersumer Kläranlage

Von psz | 16.07.2014, 08:00 Uhr

Wie Bürgermeister Joachim Lorenzen in der Sitzung der Gemeindevertretung berichtete, sind die drei Schlammstapelbehälter der Utersumer Kläranlage, die derzeit den Schlamm statisch eindicken, marode und müssen saniert beziehungsweise abgebaut werden.

Die Gemeinde Utersum muss sich auf größere Investitionen einstellen. Wie Bürgermeister Joachim Lorenzen in der Sitzung der Gemeindevertretung berichtete, sind die drei Schlammstapelbehälter der Utersumer Kläranlage, die derzeit den Schlamm statisch eindicken, marode und müssen saniert beziehungsweise abgebaut werden.

Insbesondere die Schrauben an der 1994 gebauten Anlage weisen wesentliche Korrosionsschäden auf, die, so Lorenzen, nur noch durch Rost zusammengehalten werden und keine statische Funktion mehr aufweisen. Bereits 2007 hatte eine Studie Sanierungskosten in Höhe von 60 000 Euro pro Behälter errechnet, berichtete der Bürgermeister. Allerdings habe sich der Zustand der Behälter seither weiter verschlechtert. Sinnvoll erscheine es daher, je nach Methode der Schlammbehandlung, neue Behälter zu bauen.

Dafür Möglichkeiten aufzuzeigen, waren Martin Müßig und Christina Schivo von der Ingenieurgesellschaft Steinburg (IGS) als Fachleute geladen.

Müßig wies darauf hin, dass sich die Gesetzgebung im Bereich Schlammverwertung in den letzten Jahren stark verändert habe. Gerade in Schleswig-Holstein hätten die Klärschlämme bisher vielerorts in der Landwirtschaft Verwendung gefunden. Dies sei im Sinne der Nachhaltigkeit wenig sinnvoll und auch gefährlich, so der Experte. Vor dem Hintergrund der Daseinsvorsorge sei es absurd, sämtliche Stoffe, die sich heute im Abwasser befinden und somit auch im Schlamm sammeln, auf die landwirtschaftlichen Flächen zu geben. „Es ist kaum noch absehbar, in welcher Weise diese Böden dadurch dauerhaft geschädigt werden.“

Lange habe sich das Land gegen diese Erkenntnis gesperrt, nicht zuletzt, da es im Klärschlamm wesentliche, in der Landwirtschaft dringend benötigte Nährstoffe gebe. Stickstoff und Phosphor nannte Müßig, Letzterer ein endlicher Nährstoff, der über den Klärschlamm zurückgewonnen und erneut verwendet werden kann. All diese Entwicklungen führen dazu, so Müßig, dass es in Kürze eine deutliche Verschärfung der Grenzwerte für die Klärschlammaufbringung geben wird.

Ziel müsse die Umstellung auf eine nachhaltige Verfahrensweise sein, als Alternative käme die thermische Verwertung in Frage. Eine Variante, die auch in Utersum eine Rolle spielen dürfte, wenn über die künftige Behandlung und Verwertung entschieden wird. Investiert werden muss mit Blick darauf, den Klärschlamm kontinuierlich mit möglichst wenig Wasser an eine zentrale Stelle weiterzugeben, die in der Folge die komplizierte Weiterbehandlung der Phosphor-Rückgewinnung durchführen kann. Eine Maßnahme, für die kleine Kläranlagen nicht ausgelegt sind.

Welche Möglichkeiten die Gemeinde hat, zeigte im Anschluss Christina Schivo auf. Auch sie betonte noch einmal den bedenklichen Zustand einzelner Anlagenteile. Bereits 2007 habe man darauf hingewiesen, dass es erhebliche statische Probleme mit den großen Schlamm-Stapelbehältern gebe. Da nicht abzusehen sei, wann die Behälter schließlich versagen, bestehe dringender Handlungsbedarf. Wie ihr Vorredner gab Schivo das Ziel aus, den Schlamm künftig nachhaltig vorzubereiten und diesen, da er nicht mehr auf die landwirtschaftlichen Flächen aufgebracht werden darf, auf das Festland zu transportieren.
Momentan werde der Schlamm in Utersum statisch eingedickt – mit der Folge, dass überwiegend Wasser produziert wird. Mit der maschinellen Eindickung werde dagegen ein größerer Trockensubstanzgehalt erzielt – und damit auch weniger Masse, die am Ende transportiert und weiterverwertet werden müsse. Der Transport des eingedickten Klärschlamms könne nach Wyk erfolgen, wo dieser getrocknet und Bestandteil des Wyker Klärschlamms werden könnte. Als Alternative könnte das entwässerte Material zur Weiterverwertung direkt auf das Festland gebracht werden.

Beide Varianten, maschinelle Eindickung und Transport nach Wyk, waren schließlich die eindeutige Empfehlung der Fachleute. Der geringeren Investitionskosten wegen, aber auch, da die Anlage bei der Eindickung weniger mit dem phosphathaltigen, herausgefilterten Wasser belastet werde, als bei der Entwässerung. Zudem seien der personelle und der betriebliche Aufwand geringer, da der eingedickte Schlamm für den Transport nach Wyk nicht stabiliert werden muss. Ein weiterer Pluspunkt: Fäulnisentwicklung und Geruchsbelästigung fallen weg.

Bei der genannten Summe von rund 345 000 Euro schluckten dann doch einige Gemeindevertreter. „Eine große Nummer“, so Joachim Lorenzen, die zu realisieren nun die Möglichkeiten für Zuschüsse abgeklopft werden sollen. „Mir war wichtig, dass wir für diese Baustelle endlich einen Anfang finden.“ Eine Entscheidung darüber, ob und in welchem Umfang die Planung in Auftrag gegeben wird, fällten die Gemeindevertreter noch nicht. Vielleicht findet man ja doch noch eine kostengünstigere Lösung.