Abgeschaltetes Atomkraftwerk bei Geesthacht : AKW Krümmel: Vom Netz, aber noch kein Rückbau in Sicht

Das Kernkraftwerk in Krümmel geht nie wieder ans Netz. Vattenfall hat Deutschland wegen des Atomausstiegs verklagt. Bis 2017 wird es offenbar keine Entscheidung geben.

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12. Juni 2015, 12:56 Uhr

Geesthacht | Was mit dem seit Jahren abgeschalteten Kernkraftwerk Krümmel passiert, ist weiterhin unklar. „Da das Klageverfahren noch läuft, ist kein Rückbau für unser Kraftwerk geplant“, erklärte Kraftwerksleiter Torsten Fricke beim „Treffpunkt Krümmel“ jetzt vor gut 100 Gästen. Frühestens Ende 2017 rechnet Vattenfall mit einer Entscheidung vor dem zuständigen Washingtoner Schiedsgericht. Der Energiekonzern hat Deutschland wegen des beschleunigten Atomausstiegs verklagt. Es geht um 4,7 Milliarden Euro.

Nach dem Brand eines Trafos ging das 1984 in Betrieb genommene  Kernkraftwerk Krümmel 2007 vorrübergehend vom Netz. Beim Neustart 2009 gab es weitere Pannen. Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima wurde in Deutschland ein Atomausstieg beschlossen. Krümmel geht deshalb nie wieder ans Netz.

Zurzeit kümmern sich die verbliebenen 250 von ehemals 350 Krümmel-Mitarbeiter um eine routinemäßige Revision der Anlagenteile. Der ehemals leistungsstärkste Siedewasserreaktor der Welt könnte zwar noch Strom produzieren, ihn aber mangels geeigneten Anschlusses an das öffentliche Netz nicht mehr loswerden. Und bald kann auch kein Strom mehr erzeugt werden, denn der Generator soll in das Kraftwerk Grohnde südlich von Hannover abgegeben werden.

Während die normalen Anlagenteile wie die Transformatoren oder der Generator anderweitig genutzt werden können, ist nach wie vor unklar, wo der Atommüll aus Krümmel und den anderen deutschen Kernkraftwerken bleiben soll. Dr. Hannes Wimmer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), die für die Endlagerung zuständig ist, berichtete beim „Treffpunkt Krümmel“ über den Stand der Entsorgungsproblematik. „Der Bund hat laut Atomgesetz Anlagen zur Endlagerung einzurichten“, sagte Wimmer. Nur tut sich der Bund damit schwer. Wimmer: „Aktuell ist die Entsorgung in den Zwischenlagern zu Ende.“

Wie in Krümmel gibt es bisher an allen anderen Kernkraftwerken nur Standortzwischenlager, in denen die in Castor-Behältern verpackten Brennelemente lagern. Die Genehmigungszeit dafür beträgt 40 Jahre, 2032 läuft sie aus. „Die Gebäude und die Behälter halten auch länger“, so Wimmer. Denn er erwartet ein betriebsbereites Endlager frühestens 2055. „Und dann wird es mindestens bis zum Jahr 2100 dauern, ehe alle 1000 anfallenden Castor-Behältern eingelagert sind“, berichtete er. Der GNS-Chef geht davon aus, dass das Endlager sich in Niedersachsen befinden wird. Dort gibt es die besten geologischen Bedingungen.

Wimmer forderte, dass die Politik verlässliche Rahmenbedingungen liefern müsse. „Ich kann kein Endlager planen, wenn in jeder Legislaturperiode ein neuer Kurs gefahren wird“, sagte er. So wurde sich im politischen Konsens 2013 kurz vor der Inbetriebnahme vom Endlager Gorleben verabschiedet. Jetzt soll frühestens 2031 eine Standortentscheidung fallen. Wimmer rechnete vor, dass beim Rückbau eines Kernkraftwerkes etwa 150.000 Tonnen Material anfallen. Davon seien zehn Prozent als Abfall einzustufen, nur 600 Tonnen davon wären stark radioaktiv und für Castoren und Endlager bestimmt.

Solange es aus Washington keine Entscheidung gibt, wird Vattenfall nicht sagen, ob Krümmel zurückgebaut oder „sicher eingeschlossen“ werden soll. „Wir gehen davon aus, dass wir unser Standortzwischenlager länger betreiben werden als das Kraftwerk hier steht“, berichtete Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth. Die Stadtwerke werden deshalb eine 10-Kilovolt-Leitung errichten, um das Zwischenlager unabhängig vom Kraftwerk mit Strom versorgen zu können.

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