Unterwegs mit dem 9-Euro-Ticket Urlaub am Jadebusen: Tipps für den Trip nach Dangast

Von Maik Nolte | 10.05.2022, 17:52 Uhr

Im Juni steigen nicht nur die Temperaturen – auch das 9-Euro-Monatsticket kommt und damit die Möglichkeit günstig zu reisen. Wir nehmen Sie mit auf eine Erkundungstour an die Nord- und Ostsee. Heute: ins Nordseebad Dangast.

Irgendetwas ist außergewöhnlich am Dangaster Meerblick, nur was? Das mag mancher Nordsee-Urlauber oder Tagesausflügler denken, wenn er im Kern des 500-Seelen-Örtchens am Jadebusen seinen Blick auf die an dieser Stelle nicht allzu tiefe Nordsee richtet. Obwohl die Besonderheit eigentlich ziemlich offensichtlich sein dürfte: Kein Deich versperrt hier den Blick auf die See, an manchen Stellen können Camper ihre Zelte nur wenige Meter vom Wasser entfernt aufschlagen. Auf den ansonsten an den Küsten allgegenwärtigen Schutzwall verzichtet das auf einem Geestrücken liegende Dorf seit Jahrhunderten – auch wenn es dies etwa bei der großen Sturmflut von 1962 teuer zu stehen kam. Andererseits: Ohne Sturmfluten, die immer wieder ein Stück aus dem friesischen Festland herausgebissen haben, gäbe es den Jadebusen in seiner heutigen Form nicht. Und Dangast wohl auch nicht.

Aber nicht nur aufgrund des fehlenden Deiches ist Dangast kein Touristenort wie jeder andere. Zwar trifft man auch hier auf die bekannten Wohnwagenkolonien, Strandkörbe und Souvenirshops – aber nicht auf vielstöckige Bettenburgen oder seelenlose Ferienappartement-Blocks.

Wattwanderung zum Leuchtturm

Stattdessen bietet Dangast einen kleinen Sielhafen mit pittoresken Kuttern, ein Nationalpark-Haus, das Einblicke in das Naturerbe Niedersächsisches Wattenmeer gewährt, oder auch einen Leuchtturm inmitten der Bucht, der bei Ebbe aber trotzdem zu Fuß erreichbar ist. Wenn auch nicht trockenen Fußes: Im Jadebusen ist das Watt tückischer und vor allem saugkräftiger als anderswo. Und weiträumig: Bei Niedrigwasser, wenn der seichte Jadebusen beinahe leer läuft, ist in Dangast die Nordsee gefühlt noch ein bisschen weiter weg als anderswo an der Küste bei Ebbe.

Am um das Jahr 1800 gegründeten Kurhaus, bis heute zentraler Anlaufpunkt für Besucher, lässt sich die lange Tradition des Seebads festmachen. Graf Wilhelm Gustav Friedrich Bentinck hatte die ehrwürdigen britischen Badeorte vor Augen, als er sich 1795 daranmachte, Dangast zum Reiseziel für Sommerfrischler auszubauen. Und der Landesherr hatte Erfolg: Dangast wurde schon bald zu einem heißen Tipp.

Beliebt bei Künstlern

Später hielten, zusätzlich zu den Urlaubern, auch Kulturschaffende Einzug und begründeten die ebenso lange wie stolze Tradition des Orts als Künstlerkolonie. Der Maler Franz Radziwill hat hier gelebt und gearbeitet, in seinem früheren Haus können einige Werke betrachtet werden. Ebenso verschlug es zeitweise die Brücke-Künstler Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Erich Heckel in den Badeort. An das Werk des Fotografen Willy Hinck erinnert eine eigene Galerie, und auch heute sind in Dangast regelmäßig Ausstellungen zeitgenössischer Künstler zu sehen. Außerdem beginnt ein Skulpturenpfad, dem Wanderfreunde bis nach Mariensiel oder Eckwarderhörne folgen können.

Und wem im überschaubaren Dörfchen dann doch die Decke – oder der norddeutsche Himmel – auf den Kopf zu fallen droht, der macht sich ins Umland auf. In erreichbarer Nähe liegen neben der Stadt Varel auch die ungleich größeren Ausflugsziele Oldenburg, Bremen und Wilhelmshaven mit ihrem großen Kulturangebot.