Gary Brolsma Zehn Jahre virales Video: Numa-Numa-Guy war ein Star ohne Youtube

Von Götz Bonsen | 10.12.2014, 15:46 Uhr

Heute ist es völlig normal, wenn sich ein skurriles Video im Netz millionenfach verbreitet. Doch die vor zehn Jahren aus Jux losgetretene Video-Lawine von Gary Brolsma war ein echtes Weltereignis.

Im Dezember 2004 plagte den frisch gebackenen Highschool-Absolventen Gary Brolsma aus New Jersey die Langeweile. Wären seine Freunde anwesend gewesen, hätte der damals 19-Jährige sich wohl vor ihnen oder mit ihnen gemeinsam zum Affen gemacht. Doch er war allein, Aug in Aug mit seiner Webcam.

Beschwingt von Charts-Musik begann er zu dem Song „Dragostea din tei“ von der moldawischen Boygroup „O-Zone“ mit wild fuchtelnden Armen und weit auseinandergerissenen Lippen Playback mitzusingen. Die Sprache hielt er für Japanisch. Das so entstandene Video-Zeugnis seiner extatischen Darbietung lud er in der Vor-YouTube-Zeit auf die Website Newsground. Es war der Auftritt seines Lebens – und der Urknall des viralen Web.

Der Teenager aus dem Osten der USA war sich der rasanten Kraft des neuen Internets natürlich nicht bewusst – kaum jemand war es. Mit einem Click war er wider Willen der große Anti-Held des Internets. Allein das Ausgangsvideo verzeichnete in nicht mal Monaten nach der Veröffentlichung über drei Millionen Aufrufe. Numa Numa löste eine riesige Welle der Parodien aus. Hunderte, wenn nicht Tausende, ahmten ihm nach und zeigten ihre eigenen pixeligen Playback-Showeinlagen aus ihrer neuen Webcam. Bei einer „numa numa“-Suchanfrage auf YouTube erhält man heute über eine Million Ergebnisse.

Brolsma war nun ein gefragter Mann. Zahlreichen Gastauftritten im Fernsehen folgte ein Auftritt in Weezers Netzvideo zu Pork and Beans. Ein Jahr lang dauerte sein Ruhm an, dann hatte er genug und spielte er das Spiel der Medien nicht mehr mit. Interviews lehnte er ab. Die ewigen Nachfragen nach seiner Person parodierte er 2006 mit einem neuen Video, an dessen Anfang er per Anruf um eine Fortsetzung von „Numa Numa“ angefleht wird.

Heute arbeitet er weiter normal in seinem Job und spielt in der Band The „Backroom Deal“. Einen Youtube-Channel hat er auch. Zum zehnjährigen Jubiläum meldet er sich mit einem leidenschaftlichen Playback-Medley zurück. (Möglicherweise lange Ladezeiten).