Würzburger Landgericht Wegen Fake News: Facebook auf der Anklagebank

Von shz.de | 10.01.2017, 16:14 Uhr

Zwei Mal wird ein syrischer Flüchtling auf Facebook schwerer Straftaten beschuldigt. Jetzt wehrt er sich vor Gericht.

Anas Modamani ist auf Facebook bekannt: Als Beteiligter an den Anschlägen von Brüssel und als einer der Täter, der an Weihnachten einen Obdachlosen in Berlin angezündet hat. Beides schwerwiegende Anschuldigungen - und beide falsch. Der Syrer ist Opfer von Fake-News-Kampagnen, die in dem sozialen Netzwerk vielfach geteilt wurden. Anas Modamani wehrt sich jetzt vor Gericht. Denn laut Facebook verstößt die Falschmeldung nicht gegen die Gemeinschaftsstandards.

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Fake News sind ein großes Problem im Internet. Insbesondere in sozialen Netzwerken werden Falschmeldungen bewusst gestreut und verbreiten sich sehr schnell.

Anas Modamani ist Flüchtling aus Syrien. Im Sommer 2015 hatte er ein Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gemacht, als sie eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin besuchte - ein Bild, das durch die Medien ging und vielleicht der Grund sein könnte, weswegen Modamani ins Visier der Fake-News-Produzenten geriet. Rechte Propagandaseiten hatten Fotomontagen mit Modamanis Foto und dem des Attentäters Najim Laachraoui erstellt und gefragt: „Hat Merkel ein Selfie mit Brüsseler Terrorist gemacht?“

Mithilfe des Juristen Chan-Jo Jun habe Anas Modamani vor dem Würzburger Landgericht den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt, wie der Anwalt im Video erklärt.

Am 6. Februar soll die öffentliche Verhandlung stattfinden. Nach Angaben von Chan-Jo Jun auf der Facebook-Seite seiner Kanzlei ist es das erste Mal, dass sich Facebook wegen Fake-News vor einem deutschen Gericht verantworten muss.

Ebenfalls Beklagter soll in diesem Fall ein AfD-Funktionär sein, der die Falschmeldungen weiter verbreitet haben soll.