Flensburg Nächstes Ziel: Bhutan

Von Redaktion shz.de | 26.11.2009, 09:18 Uhr

Er ist der dienstälteste Museums direktor des Landes: Prof.

Ulrich Schulte-Wülwer (64) beendet morgen seine aktive Dienstzeit auf dem Museumsberg Flensburg. Im Gespräch mit Joachim Pohl schaut er zurück, aber auch nach vorn.

1974 kamen Sie als Kustos nach Flensburg. Wie sah das Museum da aus?

Es war schon damals ein imposanter Bau. Recht beschaulich ging es hier zu, man war sehr auf die Kunst der engeren Region fokussiert. Schon damals gab es diese kolossale Raumnot, unter der alle meine Vorgänger litten. Ich hatte das Glück, dass in meiner Amtszeit das Christiansen-Haus dazu kam; es war das letzte Projekt, das noch mit Mitteln der Zonenrandförderung finanziert wurde. Aber es ist ein Torso geblieben. Es fehlt der Pavillon, dessen Grundriss durch die Linden angedeutet wird und der Raum für museumspädagogische Aktivitäten, einen Museumsshop und eine allgemeine Orientierung für Museumsbesucher bieten sollte. Noch heute sehe ich auswärtige Besucher, die orientierungslos um die Häuser streifen. Die Rampe zum Christiansen-Haus ist nicht das passende Entree zu einem bedeutenden Museum. Immerhin wird 2010 der Fahrstuhl eingebaut.

Wo steht der Museumsberg heute?

Nach Schloss Gottorf sind wir das zweite bedeutende kulturhistorische Museum des Landes; die Lübecker Museen haben eine etwas andere Ausrichtung. Wir haben den Abstand zu Gottorf deutlich verringert. Wir haben großartige Bestände des deutschen Jugendstils und eine wunderbare Sammlung norddeutscher Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Obwohl wir nur von der Stadt Flensburg fin anziert werden, geht unsere Sammlung weit darüber hinaus. Wir haben mehr Bestände aus Nordfriesland als alle Museen in Nordfriesland zusammen. Ohnehin sind Museen schwimmende Eisberge - nur ein kleiner Teil ist zu sehen, das meiste schlummert in den Magazinen.

Und jetzt wird alles digitalisiert.

Unser Projekt "Digicult" wird bundesweit beachtet. Trotz Förderung ist es nur mit ehrenamtlichen Kräften zu leisten, weil jedes Stück in die Hand genommen werden muss.

Welchen Stellenwert hat das Museum im Gefüge der Stadt?

Es gab Zeiten, da war die Kultur stärker im Rathaus positioniert. Sparzwänge und Kürzungen gibt es immer, damit muss man leben. Man muss trotzdem die großen, teuren Dinge anpacken und immer wieder mit Menschen sprechen, so wie wir es mit der großen Emmy-Ball-Hennings-Schau gemacht haben, die aus Zürich kam und eigentlich viel zu teuer war. Am Ende hat Zürich fast alles bezahlt...

Was kommt auf Ihren Nachfolger zu?

Das Christiansen-Haus steht sehr gut da. Das Sauermann-Haus hat durch das Naturkundemuseum gewonnen. Aber das alte Konzept ist nicht mehr zukunftsfähig; hier muss mein Nachfolger Michael Fuhr nach der energetischen Sanierung ein völlig neues Museum aufbauen mit mehr Stadtgeschichte, Angeboten für Kinder und zum Anfassen. Dann wird er die Besucherzahlen erhöhen und ich bin sicher, dass er einige hochkarätige Sonderausstellungen holen wird.

Bedauern Sie es, jetzt doch nicht Direktor des neuen Kunstmuseums in Alkersum zu werden?

Nun, Herr Sadowsky hat sich entschieden zu bleiben, er wird das Museum durch hochwertige Sonderausstellungen weiter positionieren. Ich bin als Vorstandsvorsitzender für die Schärfung des Sammlungsprofils, vor allem für Neuerwerbungen zuständig.

Was tun Sie ab Montag?

Meine Forschungen gehen weiter, dafür werde ich viel Zeit in Archiven und am Schreibtisch verbringen. Ich engagiere mich ehrenamtlich im Heimatmuseum Keitum. Außerdem arbeite ich für den Alkersum-Stifter Paulsen weiter und werde ihn beim Aufbau eines Textilmuseums in Bhutan unterstützen. Da fliegen wir im Dezember hin.