Schaars Netzwelt Der Kampf um den Strom

Von Jörn Schaar | 06.06.2015, 04:00 Uhr

Wer in der Bahn sein Smartphone fordert, sollte sich einen strategisch geschickten Platz ausssuchen.

So ein Smartphone ist was Tolles. Immer online, sieht schick aus, kann mehr als mancher Computer, es navigiert, passt bequem in die Hosentasche und man kann es mit Podcasts und Hörbüchern vollpacken. Kurz: Der ideale Begleiter auf Bahnreisen.

Leider ist bei intensiver Nutzung des Touchscreens die Laufzeit des Akkus ziemlich begrenzt und so steht man recht schnell vor dem Problem der Steckdosensuche. Gibt es im Verkehrsmittel der Wahl welche an jedem Platz, so hat sich der geneigte Kunde entweder richtig entschieden oder in die erste Klasse verlaufen. In IC-Zügen gibt es nur an den Tischen Steckdosen. Tische sind nach meiner Erfahrung die beliebtesten Plätze im IC und deshalb immer besetzt.

Da gibt es also wenige Möglichkeiten, das Smartphone aufzuladen. Anfänger ziehen sich mit einem Schnellladegerät für rund 30 Minuten auf die Toilette zurück und die ganz hartgesottenen verfolgen Plan B. Junge Familien suchen, das ist Plan B. Ja, richtig gelesen! Am besten eine alleinreisende Mutter mit zwei Kindern im Vor-Kindergartenalter. Die sitzen immer an Tischen und sie benutzen nie die Steckdosen. Nie!

Also sitzt der Smartphonesurvivalspezialist in der Reihe hinter der jungen Mutter und kann sich relativ komfortabel einer Steckdose bemächtigen. Gut, es geht da manchmal etwas lauter zu und man bekommt mehrfach Essensreste, Spielzeug und Sitzlehnen an den Kopf („Guck mal, Mama, ich kann den Sitz schon ganz allein zurück machen! GANZ ALLEINE!“), aber immerhin hat man eine Steckdose. Blöd ist dann nur, wenn die nicht funktioniert...

> Anmerkung: Kinder sind super, sie dürfen und müssen überall und insbesondere im Zug Quatsch und Lärm machen, das ist ihr Job. Warum Erwachsene davon genervt sind, erschließt sich mir nicht, aber ich will ja im Zug auch nur Strom haben und keine Psychoanalyse betreiben.