Anzeige: Unser Handwerk Kreishandwerksmeister Langner: „Wir sind die Wirtschaftsmacht von nebenan“

06.05.2021, 00:00 Uhr

Im Gespräch mit dem Schleswiger Kreishandwerksmeister Hans-Christian Langner

Hans Christian Langner ist in Sachen Handwerk längst ein alter Hase. Der Inhaber eines Elektro-Betriebes in Bergenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg) hat in den letzten vier Jahrzehnten weit über 80 Fachkräfte ausbildet und wurde bereits mehrfach zum Kreishandwerksmeister gewählt. Unsere Mitarbeiterin Julia Voigt hat sich mit ihm über Perspektiven, Herausforderungen und die Frage, ob das Handwerk immer noch Goldenen Boden hat, unterhalten.

Herr Langner, wie geht es dem Handwerk in dieser Ausnahmezeit?

„Wir sind vergleichsweise gut aufgestellt, wobei man zwischen den einzelnen Berufsgruppen unterscheiden muss. Während bei Bau- und Nebengewerken die Einbrüche nicht so gravierend sind, sieht es beispielsweise bei unseren Friseuren, und allen Unternehmen die kundennahen Leistungen anbieten, schon schlechter aus. Gerade von privaten Auftraggebern gibt es viele Absagen, da sie verständlicherweise niemanden zu Hause haben möchten. Doch auch die Gewerke auf Großbaustellen spüren die Krise. Unter anderem sind Investoren zurückhaltender geworden. Die Corona-Krise kostet allen Firmen viel Geld. Das fängt schon damit an, dass man nicht mehr mit vier Mann im Auto zur Baustelle fährt.“

Würden Sie dennoch sagen, dass das Handwerk immer noch den Goldenen Boden hat?

„Das ist einfach so. Handwerk hat schon früher schlechte Zeiten gehabt. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch in Zukunft wieder gut aufgestellt sein werden. Wir sind die Wirtschaftsmacht von nebenan. Letztlich zahlen wir allein in unserer Region mit 300 Betrieben jährlich 80 Millionen Euro an Löhnen. Das ist Kaufkraft.“

Lohnt es sich überhaupt Handwerker zu sein?

„Wir zahlen über Tarif. Wir brauchen gute Leute und die sollen auch gutes Geld verdienen. Doch den meisten geht es nicht nur darum. Wir in der Kreishandwerkerschaft bekommen immer wieder zu hören, wie stolz man auf das ist, was man geschaffen hat.“

Wie sieht denn die derzeitige Ausbildungslage aus?

„Das Handwerk ist flexibel und sehr bemüht Ausbildungsplätze frei zu halten und sich gut um die jungen Menschen zu kümmern. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und das in jeder Lage. Na klar ist es gerade im letzten Jahr schwieriger geworden für Azubis, besonders im schulischen Bereich. Aber ich muss einmal die jungen Menschen loben. Viele kommen jetzt und fragen nach einem Praktikum. Einige sind in der Corona-Zeit sogar aktiver geworden. Eine fundierte handwerkliche Ausbildung war, ist und bleibt ein Sprungbrett in eine gesicherte Zukunft.“

Welche Ausbildungsberufe sind gerade besonders beliebt und welche lassen sich schwer besetzen?

„Alles was mit Netzwerktechnik zu tun hat, ist im Trend. Doch auch kreative Berufe, wie der Tischler, kommen wieder. Eine große Nachfrage können wir in den Bereichen Sanitär, Heizung- und Klimatechnik sowie bei den Mechatronikern verbuchen. Gerade diese Berufe stehen stark im Wandeln und bieten Zukunftsperspektiven. Generell gibt es bei der Beliebtheit von Berufen immer eine Wellenbewegung. Die Fleischer, Bäcker und Friseure könnten aktuelle aber mehr Nachfrage brauchen.“

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man Handwerker werden will?

„Ich bin ein Verfechter davon, dass jeder Mensch Stärken hat und es gibt niemanden, der gar nichts kann. Doch das Wichtigste ist der Glaube an sich selbst. Und natürlich sollte man einen Nagel in ein Brett schlagen können.“

Wie sieht es mit Frauen im Handwerk aus?

„Sie sind in allen Bereichen gern gesehen. Tatsache ist, dass Frauen gut sind. Sie sind meist ehrgeizig und fleißig. Den meisten Frauen können wir zu besonders guten Leistungen gratulieren. Häufig sind sie sogar die Besten ihrer Jahrgänge.“

Aber ist Handwerk auf der Baustelle denn nicht Knochenarbeit?

„Eine Baustelle sieht heute anders aus als noch vor 20 Jahren und der Spezialisierungsgrad ist hoch. Es ist nicht mehr die harte körperliche Plagerei wie früher. Es gibt keine Gussbadewannen mehr und die Fußbodenheizung ist aus Plastikrohren. Auch müssen keine Zementsäcke geschleppt werden. Wo früher Frauen tatsächlich die Ausnahme waren, gibt es mittlerweile sogar Firmen, die wollen lieber eine Frau als Azubi haben. Ich kenne eine Malerei in der Nähe, die hat nur weibliche Angestellte.“

Wie würden Sie die allgemeine Stimmung beschreiben?

„Natürlich ist man skeptischer geworden. Aber hier steckt keiner den Kopf in den Sand. Diese Zeit schweißt uns auch zusammen.“

Wo sehen Sie das Handwerk in drei Jahren?

„Ich sehe tatsächlich eine gravierende Veränderung. Zum einen wird die Pandemie uns ein Stück weit verändern, aber auch die Technisierung läuft immer schneller voran. Wir werden einige bahnbrechende Veränderungen bekommen, aber auch Herausforderungen.“

Heißt das, dass es echtes Handwerk nicht mehr geben wird?

„Das Stück von Hand gemacht, wird es auch morgen noch geben. Ich denke sogar, es wird wieder mehr Wert auf Qualität gelegt. In unserer Wegwerf-Gesellschaft muss ein Umdenken stattfinden. Wir müssen wieder lernen, mit unseren Ressourcen besser umzugehen und dann ist das Handwerk gefragt. Handwerk wird es immer geben, es ist die Urheimat aller schaffenden Menschen.“

Dieser Artikel ist nur einer von vielen, der am Freitag, den 7. Mai , in der Sonderbeilage „Unser Handwerk“ erscheint. Auf insgesamt 40 Seiten widmet sich das Magazin dem Handwerk im Raum Flensburg, Schleswig, Kappeln und Eckernförde. Das Themenheft wird von der Nord-Ostsee Sparkasse unterstützt. Ein Teil der Texte wird für alle sh:z-Leser unter shz.de/unser-handwerk veröffentlicht.