Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde Ein angemessenes Gehalt zahlen: Lohngestaltung in Krisenzeiten

01.12.2022, 00:00 Uhr

Eine Inflation auf Rekordhöhe, steigende Energiepreise und zugleich eine sinkende Kaufkraft stellen Unternehmen und ihre Beschäftigten vor große Herausforderungen. Wie ein Lösungsszenario aussehen kann, damit möglichst niemand auf der Strecke bleibt, beschäftigt auch den Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde.

ANZEIGE // „Wir haben eine sehr außergewöhnliche Situation. Alles ist viel teurer geworden. Davon ist jeder betroffen: Unternehmen, Beschäftigte, Rentner, Menschen mit weniger Geld, Politik – alle suchen nach Lösungen, um das nicht explodieren zu lassen“, sagt Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde über die aktuelle Lage. Der Belegschaft einen Lohnausgleich zahlen, damit diese ihre Fixkosten wie Miete, Lebensmittel und Versicherungen decken kann mit dem Geld, das am Ende des Monats übrig bleibt, klingt nach einer einfachen Maßnahme. Doch auch Unternehmen sehen sich mit den Problemen der Zeit konfrontiert. Stark steigende Kosten betreffen auch sie. Längst nicht jeder Betrieb kann es sich leisten, die Löhne anzuheben. Mehr noch, einige haben regelrechte Existenzängste und müssen darum ringen, alle Arbeitsplätze zu erhalten. Wie also kann die Lohngestaltung in Krisenzeiten gelingen?

„Der Arbeitgeber kann damit seinen Beschäftigten etwas Gutes tun, auch wenn er die Zahlung splittet.“
Dr. Fabian Geyer
Geschäftsführer Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde

Dr. Fabian Geyer sieht zwei Richtungen, aus denen potenziell Licht am Ende des Tunnels scheinen kann: von Seiten des jeweiligen Arbeitgebers sowie von Seiten des Staats. „Der Staat hat Entlastungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Diese sind zum Teil aber noch nicht angekommen“, hat der Rechtsanwalt im Austausch mit den Unternehmen aus der Region festgestellt. Die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie von bis zu 3000 Euro sei aber eine gute Maßnahme: „Hier kommt von beiden Seiten Unterstützung: Die Prämie an sich finanziert der Arbeitgeber, aber weil sie steuerfrei gezahlt werden kann, wird diese auch vom Staat subventioniert.“ In der Lohngestaltung habe das einen großen Effekt. „Der Arbeitgeber kann damit seinen Beschäftigten etwas Gutes tun, auch wenn er die Zahlung splittet“, so Dr. Fabian Geyer.

Die Frage, ob sich der Arbeitgeber eine solche Zahlung in der derzeitigen wirtschaftlichen Gesamtsituation leisten kann, kann nur individuell betrachtet und beantwortet werden. Der Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde sieht hierfür positive Signale bei den Unternehmen aus der Region: „Unsere Wahrnehmung ist, dass die Unternehmen, die sich die Zahlung einer Inflationsausgleichsprämie leisten können und wollen, diesen Weg auch gehen. Viele bemühen sich. Die Bereitschaft dazu ist sehr groß, auch wenn nicht alle 3.000 Euro zahlen können. Die meisten von ihnen werden aber eine Prämien-Auszahlung im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten in den nächsten zwei bis drei Monaten umsetzen. Auch vor dem Hintergrund, dass Verbraucher durch Faktoren wie die Betriebskostenabrechnung, Versicherungen und steigende Stromkosten am Jahresende besonders tief in die Tasche greifen müssen“, vermutet Dr. Fabian Geyer.

Für den Arbeitgeberverband-Chef überwiegen die Vorteile der Idee Inflationsausgleichsprämie. Er sieht in dieser Maßnahme der Lohngestaltung in Krisenzeiten zwei Vorteile: Arbeitsmotivation und Mitarbeiterbindung: „Wenn ich als Angestellter merke, dass mein Arbeitgeber mitdenkt und sich in meine Lage hineinversetzen kann, hat das eine hohe Wirkung auf das gegenseitige Vertrauen. Ich spüre, dass ich ihm nicht egal bin“, ist er überzeugt.

Die zweite Idee, mit der ein Arbeitgeber seine Angestellten finanziell entlasten kann, ist eine Verbesserung ihres Gehalts. Hier jedoch müssen die Bewegungen in einem realistischen Bereich liegen, mahnt Dr. Fabian Geyer: „Es ist logisch, dass die Unternehmen ihren Angestellten nicht von heute auf morgen 8, 9 oder 12 Prozent mehr Gehalt zahlen können. Dennoch sollte sich das Unternehmen clever verhalten. Auch hier geht es darum, dass man zumindest einen Kompromiss findet, der sowohl das Unternehmen am Leben hält als auch die Arbeitnehmer berücksichtigt. Wir nehmen wahr, dass eine Gehaltserhöhung von 3,5 bis 6 Prozent der durchschnittliche Wert ist, der den Mitarbeitenden als Inflationsausgleich angeboten wird. Das reicht nicht aus, um die allgemeine Kaufkraft zu erhalten, ist aber ein wichtiges Signal.“ Der Arbeitgeber könne jedoch nicht alles ausgleichen. Vielmehr müssten die Verbraucher selbst auf den Index stellen, was sie sich noch leisten können und was nicht.

Gemeinsam durch schwere Zeiten

Eines wird deutlich: Die vielen Probleme, mit der sich die Weltbevölkerung zurzeit konfrontiert sieht, haben weitreichende Auswirkungen auf Wirtschaft und Konsum. „Deswegen können wir nur gemeinsam in dem Bewusstsein durch die Krise gehen müssen, dass alle zurückstecken müssen. Jeder ist gezwungen, seinen Teil dazu beizutragen, damit wir im wirtschaftlichen und sozialen Bereich kein Desaster erleben“, macht Dr. Fabian Geyer deutlich.

Der Arbeitgeberverband-Chef richtet seine Worte zuletzt noch an sehr große Unternehmen und ihre Management-Abteilung. Dr. Fabian Geyer wirft die Frage auf, ob Spitzengehälter heutzutage noch vertretbar seien, oder ob man diese nicht auch auf den Prüfstand stellen müsse: „Wir haben Leute, die so viel Geld verdienen, dass die nicht merken, dass wir eine Inflation haben. Ist das moralisch noch einwandfrei, wenn sich die untere Lohngruppe nah am gesetzlichen Mindestlohn befindet und man ihre Motivation riskiert, überhaupt noch arbeiten zu gehen?“

Dr. Fabian Geyer appelliert an große Unternehmen, in der jetzigen gesellschaftlichen Ausnahmesituation sensibel zu sein. „Es ist nicht die Zeit für überzogene Boni, Einmalzahlungen oder Gehaltsteigerungen, wenn man mit mehreren hunderttausend Euro jährlich nach Hause geht, sondern für Grenzen und Verzicht – als Zeichen für alle anderen. In einem Jahr, in dem wir alle mit dem Rücken zur Wand stehen, ist irgendwann auch wirklich mal Schluss.“

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