DKW Max Nagel, Vorderneuendorf

Von Max Nagel | 30.12.2007, 06:53 Uhr

Nicht nur auf der langen Fahrt nach Großenrade diente der Arm als Blinkerersatz. Spaß und Ärger mit seinem DKW lagen für Max Nagel oft dicht beeinander.

Mein erstes Auto war Baujahr 1930, genau wie ich! Es war ein DKW, 2-Sitzer, und mein Freund Hermann war der Vorbesitzer, d.h. bis 1954. Zu der Zeit fuhr ich mit meinem ersten Motorrad (einer 200 Adi) umher und besaß auch nur die Führerscheinklasse 4. Mein Freund Hermann und ich machten eine 5 Kilometer lange Spritztour und schlossen durch Handschlag den Tauschvertrag: Auto gegen Motorrad - schlicht um schlicht. Bevor ich stolzer Besitzer meines ersten Autos wurde, musste noch einiges umgebaut werden.
Zudem musste mein Auto neu angemeldet werden, was sich als nicht ganz problemlos herausstellte. Zuerst lehnte das Verkehrsamt eine Zulassung ab. Nur weil mein Freund Hermann gut, viel und überzeugend reden konnte, klappte es und wurde als "DKW-Eigenbau" neu angemeldet. Nun war ich guter Hoffnung und ganz sicher, einen tollen Tausch gemacht zu haben. Der Wagen fuhr knapp 55 Kilometer pro Stunde, hatte 200 Kubikzentimeter Hubraum, konnte dank Umbau sogar rückwärts fahren, und ich brauchte nicht den Führerschein Klasse 3 machen, denn für dieses Auto reichte Klasse 4.

Ich wohnte in Vorderneuendorf (bei Wilster), meine Braut und spätere Frau in Großenrade (Dithmarschen), wo auch die erste längere Fahrt hinging, da wir uns die Eheringe aussuchen wollten. Die erste große Hürde war die Fähre in Burg, da die Straße leicht schräg nach oben führte und die Bremsen nicht so gut funktionierten. Nachdem das geschafft war, fiel in Burg der Blinker aus, und mein Arm musste als Ersatz dienen (was in den kommenden Jahren immer wieder passierte). Irgendwann erreichte ich mein Ziel - meine späteren Schwiegereltern, und die ganze Nachbarschaft meiner Braut dachte, die Zigeuner kommen.

Ich habe zwei spaßige Jahre mit meinem ersten Auto erlebt; war aber auch oft verärgert, ganz besonders, wenn es einmal wieder nicht anspringen wollte.
Im Gegensatz zum Motorradfahren wurde ich zwar von oben nicht nass, allerdings hatte man bei Regen oder Durchfahren großer Pfützen ständig nasse Füße, da der Fußboden recht undicht war, und das Wasser nur so reinspritzte. Auch über trockenes Wetter konnten meine Braut und ich uns nicht wirklich freuen, denn dann staubte es im Auto ganz kräftig. Gute Kleidung konnte man also nie tragen. Am Ziel angekommen, musste man sich oftmals umziehen.

1956 heiratete ich, das erste Kind wurde geboren, und ich übernahm den Hof meiner Schwiegereltern. So gab ich mein erstes, geliebtes Auto in Zahlung für meinen ersten Trecker.