Billigstrom Hahn zugedreht - was tun?

Von Margret Kiosz | 31.05.2011, 11:48 Uhr

Teldafax-Kunden in Schleswig-Holstein fürchten um ihre Vorauszahlungen. Die Verbraucherzentrale warnt jedoch: Eine Kündigung des Vertrages ist nicht immer sinnvoll.

Jahrelang wurden Verbraucher aufgefordert, für mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt zu sorgen und zu günstigen Anbietern zu wechseln. Viele sind dem Appell gefolgt - und einige sitzen jetzt zwar nicht im Dunkeln, aber in der Klemme. So wie die Kunden von Teldafax. Das Unternehmen hat offene Rechnungen von verschiedenen Netzbetreibern nicht bezahlt. Wegen der Zahlungsrückstände verweigern aktuell auch Netzbetreiber in Schleswig-Holstein dem Billig-Stromanbieter die weitere Durchleitung von Strom beziehungsweise Gas oder kündigen sogar den Lieferantenrahmenvertrag. Die Folge: Teldafax kann die betroffenen Kunden nicht mehr beliefern. Betroffene erhalten zwar weiterhin Strom oder Gas, werden dann aber vom jeweiligen Grundversorger beliefert, der häufig deutlich höhere Preise berechnet. Was viele nicht wissen: Damit erlischt nicht der Vertrag mit Teldafax.
Seit Jahren ist Teldafax mit aggressiver Preispolitik erfolgreich auf Kundenfang gegangen. Dies unter anderem mit besonders günstigen Tarifen, bei denen die Verbraucher ihre Rechnung für ein Jahr im Voraus bezahlen mussten. Insbesondere diese Kunden fürchten nun um ihr Geld. Für sie kann eine Kündigung zu Problemen führen, wenn Teldafax die im Voraus gezahlten Gelder nicht freiwillig zurückzahlt. "Im Falle einer Insolvenz wäre das Geld wohl verloren", warnt die Verbraucherzentrale in Kiel. Es könne taktisch geschickt sein, erst einmal abzuwarten. Kann Teldafax doch noch die Netzentgelte nachträglich zahlen, könnte man von Teldafax eventuell weiter beliefert werden.
Verbraucherzentrale rät dazu, die eigene Kündigungsfrist zu prüfen
Hat der Vertrag nur noch eine kurze Restlaufzeit, sollten Verbraucher eher abwarten und den Vertrag weiterlaufen lassen, um dann gegebenenfalls zum Ablauf der Grundlaufzeit zu kündigen. Auf jeden Fall sollte man prüfen, welche Kündigungsfristen der Vertrag vorsieht.
Sinnvoll ist eine Kündigung wenn der Vertrag erst vor kurzem abgeschlossen wurde und noch keine finanziellen Vorleistungen erbracht wurden. Das gilt auch dann, wenn der Jahresbetrag beziehungsweise eine Kaution abgebucht wurden. "Man kann das Geld von der Bank zurückbuchen lassen", so die Kieler Verbraucherschützer. Hier gelten aber unterschiedliche Fristen. Wurde hingegen das Geld überwiesen, bekommt man es nicht über die Bank zurück. In diesem Fall besteht bei einer Kündigung das Risiko, dass Teldafax das Guthaben nicht freiwillig wieder erstattet.
Sonderkündigungsrecht nur im Falle einer Preiserhöhung
Sieht der Vertrag monatliche Abschlagszahlungen vor, geht man bei einer Kündigung kein großes finanzielles Risiko ein. "Sie ist aber auch nicht erforderlich, da man unter diesen Voraussetzungen im Falle einer Insolvenz von Teldafax die Zahlungen sofort einstellen und die Einzugsermächtigung widerrufen kann".
Kein Kündigungsrecht haben dagegen Kunden, die weiterhin Strom oder Gas von Teldafax bekommen. Erst wenn der örtliche Netzbetreiber Teldafax kündigt und die Teldafax-Kunden in der Ersatzversorgung übernimmt, entsteht ein Kündigungsrecht. Bis dahin müssen sie sich an die ursprünglich vereinbarte Laufzeit des Vertrages halten. Lediglich bei Preiserhöhungen kann ein Sonderkündigungsrecht bestehen. Das hängt von den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des jeweiligen Vertrages ab.
Grundsätzlich sollten sämtliche Zählerstände dokumentiert werden
Wer in den Grundtarif gekommen ist und kündigen will, sollte Teldafax schriftlich eine Frist von acht Tagen einräumen, um die Belieferung wieder aufzunehmen. Verstreicht die Frist, können Kunden den Vertrag unter Berufung auf Paragraf 314 BGB fristlos kündigen, am besten per Einschreiben mit Rückschein. Erhält man innerhalb der gesetzten Frist keine Bestätigung, ist der Vertrag gekündigt und man kann sich einen neuen Anbieter suchen. Teldafax ist verpflichtet, binnen vier Wochen eine Abrechnung zu schicken und eventuell nicht verbrauchtes Guthaben zu erstatten. Geschieht das nicht, muss man dagegen gerichtlich vorgehen. Auf den Prozesskosten könnte man allerdings im Falle einer Insolvenz sitzen bleiben.
Grundsätzlich gilt: Ob man den Vertrag nun kündigt oder nicht, in jedem Fall sollte man sämtliche Zählerstände dokumentieren.
(kim, shz)