Prozess : Zwölf Jahre Haft für "Kofferbomber"

Polizeibeamten bringen Youssef El H., einen der mutmaßlichen Kofferbomben-Attentäter, 2006 vom Haftprüfungstermin aus dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Der Libanese Youssef El H. (23) sitzt wegen vielfachen versuchten Mordes auf der Anklagebank des Düsseldorfer Oberlandesgerichts. Foto: dpa
Polizeibeamten bringen Youssef El H., einen der mutmaßlichen Kofferbomben-Attentäter, 2006 vom Haftprüfungstermin aus dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Der Libanese Youssef El H. (23) sitzt wegen vielfachen versuchten Mordes auf der Anklagebank des Düsseldorfer Oberlandesgerichts. Foto: dpa

Ein libanesisches Strafgericht hat die beiden "Kofferbomber" von Köln zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Jihad H. soll für zwölf Jahre in Haft. Youssef El H. wurde in Abwesenheit zu 21 Jahren Haft verurteilt. Den beiden Männern wird zur Last gelegt, 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in Regionalzügen deponiert zu haben.

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18. Dezember 2007, 12:51 Uhr

Ein Strafgericht in Beirut sah es am Dienstag als erwiesen an, dass sich Jihad H. des "versuchten Massenmordes" schuldig gemacht hat. Der Libanese hatte gestanden, gemeinsam mit seinem Landsmann Youssef El H. im Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in Regionalzügen deponiert zu haben. Sein Anwalt erklärte, das Urteil wegen "versuchten Massenmordes" sei zu hart und kündigte Berufung an.
Der in Deutschland verhaftete Youssef El H. verurteilte das Beiruter Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft, von denen er nach libanesischer Praxis bis zu 21 Jahren verbüßen müsste. Er steht allerdings in Deutschland vor Gericht. Der 23- jährige Libanese muss sich in Düsseldorf wegen vielfachen versuchten Mordes verantworten. Unmittelbar vor Beginn des Prozesses am Dienstag kündigte der Verteidiger von Youssef El H. ein Teilgeständnis seines Mandanten an. "Er wird einräumen, dass er der Mann mit dem Trikot Nummer 13 ist", sagte Bernd Rosenkranz. Videoaufnahmen aus dem Bahnhof zeigen einen Mann in einem solchen Trikot mit einem Koffertrolley, in dem sich die Bombe befunden haben soll.
Bomben als Vergeltung für Mohammed-Karikaturen?
Die Bundesanwaltschaft geht von einem islamistischen Hintergrund der Tat aus. Die Bomben seien "als Vergeltung für die Veröffentlichung der sogenannten Mohammed-Karikaturen" gedacht gewesen. Bei den zeitgleichen Anschlägen auf die Regionalzüge hätten möglichst viele Menschen getötet werden sollen. Durch Konstruktionsfehler gingen die Bomben nicht hoch.
Drei weitere Libanesen, die in Beirut wegen Beihilfe zum versuchten Mord angeklagt worden waren, sprach das Gericht frei. Ein mutmaßlicher Mitwisser der Bombenleger soll im Sommer bei Kämpfen zwischen der libanesischen Armee und Kämpfern der Terrorgruppe Fatah al-Islam getötet worden sein.
Innenstaatssekretär August Hanning sagte am Dienstag im ZDF- "Morgenmagazin", von dem Prozess in Düsseldorf gehe "die Botschaft aus, dass die deutschen Sicherheitsbehörden wachsam sind". Allerdings ließen sich derartige Anschläge auch künftig nicht ausschließen. Hanning bekräftigte der Forderung, den Ermittlern die Möglichkeit zur Online-Durchsuchung von Computern zu geben. Die Kölner "Kofferbomber" hätten Anleitungen zum Bombenbauen aus dem Internet heruntergeladen. "Wenn wir rechtzeitig gewusst hätten, dass sie Bombenbau-Anleitungen heruntergeladen haben, hätten wir das möglicherweise eher erkennen können."

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