Experte : "Zwangstests sind keine Lösung"

Professor Bernhard Schlag lehrt Verkehrspsychologie am Institut für Verkehrsplanung und Straßenverkehr der TU Dresden. Der Verkehrswissenschaftler lehnt Zwangstests allein für ältere Autofahrer ab.

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17. Juli 2011, 09:37 Uhr

Herr Professor Schlag, was halten Sie von der Idee, Autofahrer ab ihrem 75. Lebensjahr auf ihre sogenannte Fahreignung zu überprüfen?
Gegenfrage: Warum allein die älteren Menschen überprüfen? Bei ihnen ergibt sich zwar eine Reihe spezifischer Probleme - bei jüngeren Autofahrern aber auch.

Aber die Probleme der Senioren, die noch Auto fahren, ließen sich doch trotzdem überprüfen.
Nicht unbedingt. Die Überprüfungsmöglichkeiten sind begrenzt. Man müsste zunächst einmal festlegen, was genau man wie überprüfen möchte. Bei den bisherigen Erfahrungen mit solchen Tests hat sich ein problematischer Nebeneffekt ergeben: Man schließt zu viele, sogenannte Falsch-Positive vom Straßenverkehr aus.

Ließen sich die Kinderkrankheiten der Tests nicht beheben?
Es ist schon ein Unterschied, ob Sie jemanden im Labor oder auf der Straße überprüfen. Viele ältere Fahrer verstehen es, bestimmte Schwächen zu kompensieren. Wichtiger wäre, die Selbstwahrnehmung des Fahrers zu testen.

Aber wenn sich ein, sagen wir: 80-jähriger Autofahrer gar nicht als unsicher empfindet: Wie kommt man dann an ihn ran?
Ich plädiere in diesem Zusammenhang für das Hausarztmodell. Hausärzte müssten dafür belohnt werden, stärker auf Warnsignale bei ihren älteren, noch Auto fahrenden Patienten zu achten. Zudem könnte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg schon bei wenigen Punkten nachfragen.
(jhd, shz)

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