Streit um Ausflaggung der "Deutschland" : Zoff auf Traumschiff

Ankunft am West India Dock: Die MS Deutschland am Dienstag in London. Foto: rtn
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Ankunft am West India Dock: Die MS Deutschland am Dienstag in London. Foto: rtn

Showdown auf dem ZDF-Traumschiff: Der Streit um die Ausflaggung des letzten großen Kreuzfahrtschiffs unter deutscher Flagge wird rauer.

Kapitän Jungblut wurde in London von Bord geschickt.

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28. Juli 2012, 10:18 Uhr

London | Unschöne Szenen auf dem Traumschiff: Im Streit um die geplante Ausflaggung des Traumschiffs Deutschland schlagen die Wellen hoch. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Eigner sei der Kapitän des Schiffes, Andreas Jungblut, von Bord geschickt worden, berichtete die Bild-Zeitung. Millionen TV-Zuschauer kennen die Deutschland aus dem Fernsehen als ZDF-Traumschiff. Derzeit liegt sie als deutsches Olympiaschiff in London.
Die Reederei wies die Darstellung zurück. Jungblut sei nicht von Bord gejagt worden, sagte Reedereisprecherin Kornelia Kneissl am Freitag. Der Kapitän sei während seines schon lange geplanten Urlaubs an Bord gekommen. "Daraufhin wurde er gefragt, warum er nicht seinen Urlaub genieße. Das hat er wohl als unfreundlichen Rauswurf aufgefasst", sagte Kneissl. "Geschäftsführung und Eigner würden sich wünschen, zu einer sachlich-konstruktiven Argumentation zurückzukehren", sagte sie.
Deutschland künftig unter Flagge Maltas
Die Deutschland der Reederei Deilmann liegt in London vor spektakulärer Kulisse - umrahmt von den Wolkenkratzern des Bankenviertels Canary Wharf. Am Mittwoch während des Tages habe Kapitän Jungblut noch fröhlich gewirkt. So hatte er mit dem deutschen Botschafter in London, Georg Boomgarden, auf dem Sonnendeck des Schiffs gescherzt. Am Abend sei er dann von Bord geschickt worden.
Hintergrund des eskalierten Streits sind Pläne des Münchner Finanzinvestors Aurelius, die Deutschland künftig unter der Flagge Maltas fahren zu lassen. Aurelius hatte die Reederei Deilmann mit Sitz in Neustadt in Schleswig-Holstein nach deren Insolvenz im Sommer 2010 übernommen. Die Ausflaggungspläne begründete Aurelius mit der Kürzung der Schifffahrtshilfen durch die Bundesregierung.
"Man wechselt die Flagge nicht wie ein Unterhemd"
Das sei eine normale unternehmerische Entscheidung und werde keinen Einfluss auf Service und Qualität an Bord haben, hieß es im Mai. Durch den Wechsel in ein ausländisches Schiffsregister spart der Reeder Geld, weil er die Besatzung nach für ihn günstigeren internationalen Tarifen bezahlen und auch mehr ausländische Seeleute einstellen kann.
Gegen diese Pläne macht Jungblut vehement und öffentlich Front.
Die "Bild-Zeitung" zitierte aus einem Brief des Kapitäns an Bundespräsident Joachim Gauck. Darin heiße es unter anderem, die Crew der "Deutschland" meine, dass das Schiff sehr wohl unter deutscher Flagge wirtschaftlich fahren könne. "Man wechselt die Flagge nicht wie ein Unterhemd." Nach Angaben des Bundespräsidialamts wird Gauck am Samstag zu einem Frühstück mit Jugendlichen des Olympischen Jugendlagers auf der Deutschland erwartet.
Die Gewerkschaft Verdi vermutet, dass das Engagement ihres Mitglieds Jungblut gegen den Flaggenwechsel der Reederei und ihrem neuen Eigner ein Dorn im Auge ist. "Andreas Jungblut ist ganz klar gesagt worden: "Sie verlassen jetzt das Schiff", sagte der Bundesfachgruppenleiter Schifffahrt der Gewerkschaft, Karl-Heinz Biesold. Er berichtete auch von Bestechungsversuchen. Einzelnen Besatzungsmitgliedern sei Geld geboten worden, wenn sie sich nicht an die Gewerkschaft wenden, sagte er. Die Ausflaggung werde Verdi nicht verhindern können, aber man werde für die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Mitarbeiter kämpfen, sagte Biesold.
Die Deutschland ist das letzte große Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge. Das rund 175 Meter lange Schiff wurde in Kiel gebaut und im Mai 1998 vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker getauft. In die Schlagzeilen geriet es im Mai 2010, als während einer Norwegenreise Feuer im Maschinenraum des Schiffes ausbrach. Die rund 600 Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten unverletzt von Bord gebracht werden. Wenige Monate später wurde das Flaggschiff der Reederei Deilmann von Aurelius übernommen.

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