Chicanos : Zeigt dieses Foto das Ende des Rockerkriegs?

14 Totenkopf-Männer und eine Bekanntmachung: Laut Hells Angels haben ihre Gegenspieler aufgegeben, ihre Kutten abgegeben.
14 Totenkopf-Männer und eine Bekanntmachung: Laut Hells Angels haben ihre Gegenspieler aufgegeben, ihre Kutten abgegeben.

Ist der Kampf zweier verfeindeter Rockergruppen in Schleswig-Holstein beendet? Angeblich haben die Gegenspieler der Hells Angels aufgegeben.

shz.de von
27. Juni 2009, 06:50 Uhr

Kiel/Neumünster | "Bekanntmachung!" steht über den Internetseiten mit den Adressen Chicanos-Kiel.de und Chicanos-Rendsburg.com. Dann folgt ein Text: "Die Chicanos Kiel & Rendsburg haben sich mit sofortiger Wirkung aufgelöst! Wir, die Chicanos, entschuldigen uns bei den Hells Angels für die im Internet bekanntgegebenen Unwahrheiten!" Ein Foto zeigt 14 Männer, die mit Totenschädeln unkenntlich gemacht worden sind. Einige halten Kutten in Händen, so nennen Rocker die Lederjacken mit ihrem Emblem.
Die Chicanos sind Unterstützer der Bandidos, die im Frühjahr per Fax an die Polizei angekündigt hatten, in Schleswig-Holstein Fuß fassen zu wollen - in einer Region also, die bisher von den feindlichen Hells Angels als "Hoheitsgebiet" beansprucht wird. Im Land gründeten sich drei Chicanos-Clubs: Zuerst in Neumünster, dann in Rendsburg und Kiel.
LKA kommentiert Bekanntmachung nicht
Hells Angels und Chicanos trafen bald aufeinander, in Rendsburg gab es bei einer Schlägerei mindestens einen Schwerverletzten, in Neumünster wurden vier Schüsse auf das Haus eines Hells Angels abgegeben. Bedeutet die Erklärung, die sich auch auf den Internet-Seiten der Hells Angels findet, dass der Machtkampf entschieden ist? Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA): "Wir wollen die Bekanntmachung und das dargestellte Bild derzeit nicht kommentieren."
Wer sind die Totenkopf-Männer auf dem Foto? Sehr wahrscheinlich sind es Hells Angels aus Kiel. Einer der Männer trägt ein T-Shirt mit der entsprechenden Aufschrift, hat eine Hells-Angels-Tätowierung auf dem Arm. Die "Maskierung" mit einem Totenschädel ist typisch für Hells Angels, deren Symbol ein Totenkopf mit Flügeln ist.
"Die Kutte abzugeben ist die größte Schande"
Warum halten die Männer fünf Kutten mit dem Emblem der Chicanos (zwei gekreuzte Macheten) in die Kamera? Das hat wohl symbolischen Charakter, soll vermutlich beweisen: Die Chicanos haben ihre Kutten abgelegt. Polizeidirektor Joachim Gutt vom LKA: "Eine Kutte wird normalerweise bis zum Tode verteidigt. Sie zu verlieren oder abzugeben, ist die größte Schande." Ein solches Foto dann auf der Chicanos-Seite veröffentlichen zu müssen, wäre eine zusätzliche Demütigung - es sei denn, die ganze Sache ist eine Fälschung, nur psychologische Kriegsführung der Hells Angels.
In anderen Bundesländern wird unterdessen wirklich gekämpft. In Brandenburg trennten vermutlich Bandidos einem Hells Angel mit einer Axt fast vollständig ein Bein ab, in Hamburg wollen Bandidos Anfang Juli den Hells Angels im Rotlichtkrieg die Stirn bieten.

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