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Weihnachtstanne : Zehn Jahre warten auf den großen Auftritt

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Festlicher Baum: Woher kommen eigentlich die Tannen? Und was passiert nach Weihnachten mit ihnen? Eine Tannenreise von der Baumschule bis in die Heizung.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2011 | 11:33 Uhr

Flensburg | Ein Weihnachtsbaum macht in seinem Leben ganz schön was durch! Es beginnt mit einer eisigen Geburt und endet in glühender Hitze. Aber jetzt mal Schritt für Schritt.
In einer Baumschule mixen Gärtner Tannen-Samen mit Wasser und rühren den feuchten Brei vier Wochen lang ordentlich durch, bis endlich die ersten grünen Keime sprießen. Jetzt wird’s für die Pflänzchen bitterkalt; sie landen im Gefrierfach. Dort bleiben sie bis zum Frühjahr schön frisch, wachsen aber nicht weiter. Erst wenn der Frost vorbei ist, werden die Bäumchen in die Erde gesetzt und dürfen Wurzeln schlagen.
Nach zwei Jahren "umgeschult"
Erst einmal stehen die Mini-Tannen in den Baumschulen dicht an dicht. Aber schon nach zwei Jahren werden sie "umgeschult". Das heißt: Die Bäumchen kommen auf ein neues Feld, dort haben sie mehr Platz zum Wachsen. Wie echte Lehrer helfen die Gärtner den Pflanzen beim Größerwerden: Sie streuen Dünger auf den Boden und beschneiden die Äste, denn die Weihnachtsbäume sollen einmal schön buschig und gleichmäßig aussehen.
Aber schon nach drei bis vier Jahren heißt es Abschied nehmen, die Schulzeit der Tannen ist vorbei. Die Bäume sind noch nicht viel größer als eine Milchpackung, aber es zieht sie bereits in die Ferne. Sie dürfen ihre Wurzeln in völlig neuen Boden graben.
Nicht so pieksig und lange grün
Auch der Rentner Hans Asmussen kauft seine Tannen in diesem Alter. Früher hat er als Bauer gearbeitet, aber seit 20 Jahren pflanzt er in Hünning bei Flensburg Nordmanntannen an - das sind die beliebtesten Weihnachtsbäume Deutschlands. "Die Zweige sind schön stabil zum Kerzen-Tragen, die Nadeln wachsen rund um den Ast herum, sind nicht so pieksig und bleiben lange grün", erklärt der Fachmann.
Reif fürs Fest sind die Bäume aber noch lange nicht. Sie müssen bei Hans Asmussen noch einmal acht bis zehn Jahre lang wachsen. Zwischen seinen Baumreihen ragt ein Hochsitz für Bussarde empor. "Die Vögel jagen nach Mäusen, die den Tannen schaden können", erklärt der Tannen-Freund. Die kleinen Nager knabbern nämlich gern an der Baumrinde.
Selbst schlagen bei Honigschnitten
Bei Hans Asmussen darf jeder seinen Weihnachtsbaum selbst schlagen. Gerade für Familien ist das ein tolles Erlebnis. Es gibt Kakao und Punsch, Schmalzbrot und Honigschnitten. Kinder und Erwachsene laufen auf einer Fläche, die ungefähr so groß ist wie zwei Fußballfelder, quer durch die Tannenbaumreihen und suchen sich die schönsten Exemplare aus.
"Je mehr Menschen dabei mitreden wollen, desto länger dauert so eine Entscheidung", erzählt Asmussen. Das Abschlagen geht anschließend ganz schnell. Jetzt werden die Bäume nur noch durch eine große Tonne gepresst, an deren Ende sich ein Netz über die Zweige stülpt - so machen sie weniger Dreck. Anschließend heißt es: Ab ins Auto - und rein in die gute Stube! An den Ästen landen Lametta, Kugeln oder Selbstgebasteltes - und natürlich Kerzen. Kurz hat der Baum seinen großen Auftritt - aber Ruckzuck rauscht das Weihnachtsfest vorbei. Und dann?
Manchmal schmücken Müllmänner ab
Im Januar gibt es in den meisten Orten öffentliche Sammelstellen für alte Christbäume, dort dürfen alle Menschen ihre Tannen ablegen. Allerdings sind einige zu faul dazu. Für Müllmänner wie Stefan Wallschefski aus Flensburg ist das sehr ärgerlich. "Wir müssen durch die Gegend fahren und überall nach den alten Weihnachtsbäumen suchen. Das kostet Zeit und Benzin", sagt er.
Außerdem hat er beobachtet, dass immer mehr Leute den Baumschmuck einfach an den Zweigen lassen. "Wir schmücken dann alles selbst ab", stöhnt der Müllmann. Den ganzen Januar über schmeißen Stefan Wallschefski und seine Flensburger Kollegen die alten Christbäume in einen orangefarbenen Laster; eine große Presse quetscht die Fracht fest zusammen. Auf diese Weise passen sechs Tonnen alter Bäume in den Container - so viel wiegen zwei ausgewachsene Elefanten.
Warme Stuben im Januar
Jeden Tag nach acht Stunden Schlepperei mit dicken Handschuhen bringen die Müllmänner ihre Ladung zum Abfallwirtschaftszentrum. Dort schaufelt ein Kran die trockenen Stämme, Äste und Nadeln in einen riesigen Schredder. Mit viel Getöse zerhäckselt das Gerät das Holz zu Kleinteilen.
Per Laster gelangen die Holz-Raspel schließlich in die Flensburger Stadtwerke - und dort werden die alten Tannen zu Energie. Die geschredderten Bäume werden verbrannt, dabei entsteht Hitze. Als Fernwärme gelangt sie in die Heizungen der Flensburger Wohnungen. Auf diese Weise sorgen die Weihnachtsbäume noch den ganzen Januar über für warme Stuben.

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