Fünffacher Mord

: Wollte sich die Mutter nach der Tat umbringen?

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Die Eltern kurz nach der Geburt ihres fünften Sohnes Aidan in Preetz.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Die Eltern kurz nach der Geburt ihres fünften Sohnes Aidan in Preetz.

Die Mutter, die in Darry ihre Söhne ermordet haben soll, wollte sich nach der Tat vermutlich umbringen. Die Polizei sucht unterdessen nach einem Taxifahrer als wichtigen Zeugen. Er soll Steffi B. in die Psychiatrie nach Neustadt gefahren haben.

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08. Dezember 2007, 09:48 Uhr

"Ermittlungen und Befragungen haben ergeben, dass die 31-jährige Tatverdächtige am 5. Dezember vermutlich vom Kieler Hauptbahnhof nach Neustadt gefahren ist", sagte eine Polizeisprecherin. Der Taxifahrer sei ein wichtiger Zeuge. Wie die offensichtlich psychisch kranke Frau die 40 Kilometer von Darry nach Kiel gekommen ist, sei unklar. In der Psychiatrie in Neustadt hatte sie sich einem Arzt anvertraut und ihm gesagt, dass sie die Kinder getötet habe.
In der Klinik soll die 31-Jährige nach der Tat mit Schnittwunden am Arm in der erschienen sein. Dies berichteten die "Lübecker Nachrichten" in ihrer Ausgabe am Freitag. Die Zeitung führte die Verletzungen auf einen Selbstmordversuch zurück. Die Klinik in Neustadt bestätigte die Verletzungen. Die Frau sei anschließend in der Chirurgie behandelt worden, sagte Sprecher Jan Dreckmann. Einen Suizidversuch wollte der Sprecher mit Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte der Frau nicht bestätigen.

Die Frau litt unter religiösen Fantasien. Das hatte der Ehemann der 31-Jährigen dem Sozialpsychiatrischen Dienst nach Behördenangaben im August berichtet. Petra Ochel vom Sozialpsychiatrischen Dienst berichtete von "Kontaktstörungen" der Frau. Sie gilt als schuldunfähig.
Unterdessen wollte die Polizei am Freitag in Darry die Spurensicherung im Außenbereich des Einfamilienhauses in der Straße Sehden Nummer 9 fortsetzen. Was mit dem Haus passieren soll, in dem sich die Tragödie abspielte, ist laut Bürgermeister Olaf Arnold noch unklar. In der Grundschule von Darry fand am Freitag erneut kein regulärer Unterricht statt, da die Kinder nach Angaben der Schulleiterin noch Raum zum Trauern bräuchten.
Bürgermeister von Darry: "Keine Versäumnisse in der Dorfgemeinschaft"
Eine Mitschuld der Bewohner nach der Familientragödie mit fünf toten Kindern sieht der Bürgermeister des schleswig-holsteinischen Dorfes nicht. "Wir sind offen, es verschließt sich keiner. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Dorfgemeinschaft Versäumnisse gegeben hat", sagte Arnold am Freitag. Die Tragödie sei offenbar nicht zu verhindern gewesen. Darry sei als Mitglied der Touristikregion Hohwachter Bucht an der Ostsee immer offen für Neuankömmlinge und Touristen. Damit nun so rasch wie möglich wieder Alltag einkehren könne, will sich Arnold mit Vereinsvertretern, Verbänden und einem Pastorenteam zusammensetzen und beraten.
Das Dorf, das durch die Familientragödie traurige Berühmtheit erlangt habe, stehe immer noch unter dem Eindruck der schrecklichen Tat, sagte Arnold. Niemand habe sich vorstellen können, dass so etwas in Darry passieren könne. Auch wegen des Verhaltens der Familie selbst, die erst im September zugezogen war, und wegen des liebevollen Umgangs des Vaters mit den Kindern sei kein Verdacht aufgekommen, dass etwas nicht stimme.

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