Wildunfälle : "Wir brauchen mehr Querungshilfen für Wild"

Bei Rothirschen in Schleswig-Holstein haben Experten Zeichen von Inzucht und Degeneration im Bestand festgestellt. Sie führen dies auf die Undurchlässigkeit des Straßennetzes zurück.

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31. Oktober 2009, 05:54 Uhr

Heike Wells befragte dazu Marcus Börner vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein.

Herr Börner, was haben Autoverkehr und Inzucht bei Rothirschen in Schleswig-Holstein miteinander zutun?
Die Rothirsch-Populationen hierzulande sind stark verinselt und oft viel zu klein. Ein Beispiel ist der Bereich Hasselbusch südlich von Bad Bramstedt. Dort leben wenige Tiere, und deren Lebensraum ist durch Straßen (A7, A23, B206, L75) und Siedlungen so eingegrenzt, dass die natürlichen Wanderbewegungen verhindert werden und damit der Genaustausch fehlt. Die Mitglieder des Rudels pflanzen sich nur noch miteinander fort. Bei neugeborenen Tieren wurden bereits erste Inzucht-bedingte Defekte wie Verstümmelungen festgestellt.

Was muss getan werden, um wandernden Tierarten mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen?
Wir brauchen Querungshilfen wie Grünbrücken und Unterführungen, um so die Durchlässigkeit des Verkehrswegenetzes für Wildtiere zu verbessern. Da ist in Schleswig-Holstein schon einiges getan worden, etwa an der A21 im Bereich Trappenkamp und an der neu entstehenden A20 bei Geschendorf. Aber es muss noch mehr geschehen, nicht nur für Rothirsche, sondern auch für andere wandernde Tierarten wie Fischotter und Erdkröte.

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