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Die Bundesliga-Kolumne : Wieder-Belebung, Kraft-Akt, Heils-Bringer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In seiner Bundesliga-Kolumne rechnet Jürgen Muhl mit dem vergangenen Spieltag ab.

Eine Art Auferstehung: Nach der Heimpleite gegen den FC Augsburg während der Woche waren selbst jene Fußballexperten, die partout nichts auf Jürgen Klopp kommen lassen, nachdenklich geworden. Auf dem Boulevard wurde derweil die Version gehandelt, der BVB und Klopp hätten sich geeinigt, dass der Meistertrainer bei einer Niederlage in Freiburg von sich aus gehen werde – bis Dortmunds Clubchef Hans-Joachim Watzke dies am Tag vor dem Spiel mit überaus deutlichen Worten dementierte. Der 3:0-Auswärtserfolg in Freiburg dürfte denn nun auch endlich die Wende eingeleitet haben.

Es war die Wiederbelebung einer Mannschaft, die mehr als eine halbe Saison lang gegen die Eigenarten des Fußballs kein Rezept hatte, von den Rivalen – vor allem von einem aus dem Süden der Republik – teilweise verspottet wurde und jetzt wohl doch noch die Kurve kriegt. Eine Entwicklung, die übrigens in weiten Teilen des deutschen Fußballgeschäfts mit Erleichterung aufgenommen wird.

Wenn dies dazu führen würde, dass Vereinsvorstände künftig etwas mehr Gelassenheit bei der Bewertung der Arbeit ihrer Cheftrainer an den Tag legen, hätte die Dortmunder Führungsqualität sogar Vorbildcharakter erlangt. Aber noch ist der Abstiegskampf in vollem Gange. Er gibt der Bundesliga eine neue Spannung, von der an der Spitze nach der kurzen Schwächeperiode der Bayern schon nichts mehr zu spüren ist.

Glücklicher HSV: Bereits in den Relegationsspielen gegen Greuther Fürth war Torhüter Jaroslav Drobny der große Rückhalt der Hanseaten. Von René Adler spricht kaum noch jemand in Hamburg, abgesehen von der sportlichen Leitung, die bei einem möglichen Verkauf des früheren Nationaltorwarts eine angemessene Ablösesumme anstrebt. Niemand beim HSV sagt es offiziell, aber hinter verschlossenen Türen wird die Meinung vertreten: Mit Adler im Tor wäre der stolze Traditionsclub in den beiden Entscheidungsspielen gegen Fürth abgestiegen.

Gegen Hannover hielt der Tscheche Drobny einen Elfmeter und verhinderte mit mutigen Paraden den Ausgleich. Und das Eigentor der Niedersachsen zur Hamburger Führung war eine weitere Botschaft des Fußballgotts, diesem Verein in schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen. Somit haben Stuttgart, Freiburg, Berlin, Paderborn und auch Mainz weitaus größere Sorgen. Der HSV und Borussia Dortmund gehören nun einmal in die Bundesliga – wenn auch mit Kraftakten wie an diesem Wochenende.

Wer wohl noch kommt? Weder Thomas Tuchel noch Armin Veh oder Mirko Slomka wurden zum Vorstellungsgespräch nach Berlin gerufen. Ex-Hertha-Profi Pal Dardai machte das Rennen und holte zwei Tage nach seinem Amtsantritt drei Punkte in Mainz. So, wie es zumeist merkwürdigerweise in diesem Millionengeschäft läuft: Ein neuer Mann sitzt auf der Bank – und gewinnt. Dies gelang sogar Joe Zinnbauer beim HSV.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Dardai nicht der letzte „Zauberer“ ist, der in dieser Saison im Abstiegskampf als Heilsbringer aus dem fußballerischen Jenseits geholt wird.

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erstellt am 09.Feb.2015 | 12:43 Uhr

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