Wer war Carl Christian Thegen?

Der Oldesloer Krischan Thegen war Knecht und Maler. Foto: st
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Der Oldesloer Krischan Thegen war Knecht und Maler. Foto: st

Eine Straße ist dem Oldelsoer Original gewidmet / "Alleskönner" und "Nichtsnutz", der mit Naiver Malerei Geschichte schrieb

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03. Januar 2012, 03:59 Uhr

Bad Oldesloe | Wer war eigentlich Carl Christian Thegen, von den Oldesloern liebevoll nur "Krischan" genannt? Eine kleine Straße im Steinfelder Redder wurde nach ihm benannt, aber kaum einer kennt ihn.

Es leben nur noch wenige Oldesloer, die Krischan Thegen noch begegnet sind. Aber in nicht wenigen Wohnungen hängen seine Bilder. Er schien eher ein Sonderling zu sein, ein Oldesloer Original eben. Thegen war sowohl ein "Alleskönner" als auch ein "Nichtsnutz", denn einen richtigen Beruf hat der 1883 in Bad Oldesloe geborene Carl Christian Thegen nie erlernt. Und nicht wenige Oldesloer hielten den Vagabunden, der jede Menge Berufe ausübte, eher für verrückt als für ein Genie. Aber der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist ja bekanntlich schmal.

Krischan lebte mit seinen Eltern zunächst in der Heiligengeiststraße, sein Vater hatte dort einen Schusterbetrieb. Als die Eltern starben, wurde der Oldesloer schließlich obdachlos. Er reiste umher, arbeitete mal hier und mal dort. Tiere hatten es ihm besonders angetan, und so arbeitete Krischan später auch in einem Zirkus und in Hagenbecks Zoo, wo er Elefanten, Löwen und Tiger betreute. Er bereiste viele exotische Länder, um für Hagenbeck wilde Tiere einzufangen.

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Thegen außerdem als Karussellbesitzer, Jahrmarktsgehilfe, Zirkusclown und Schlachter. Für die Oldesloer aber war er immer ein etwas seltsamer Knecht, der das Vieh hütete und in irgendwelchen Scheunen wohnte.

Im Alter von etwa 50 Jahren begann Christian Thegen mit der Malerei. Er arbeitete damals im Garten von Emil Maetzel in Hamburg-Volksdorf. Dabei sah er dem Architekten und Maler beim Aquarellieren einer Landschaft zu. "Dat kan ick ok un noch vel beter!" soll Krischan da gerufen haben. Er griff zu Farben, Pinsel und Papier und malte meist aus dem Gedächtnis: eine Zirkusreiterin mit einem Clown, Tiere im Zoo, einen Stierkampf, geschlachtete Schweine oder eine tanzende Salome.

Krischan malte kindlich-naiv und hatte daran große Freude. Und es zeigte sich, dass er seine Umwelt jahrzehntelang genau beobachtet hatte, denn alles, was er im Kopf hatte, malte er von nun an in bunten Deckfarben aufs Papier, oft auch auf die Rückseite von Tapeten. Meist malte er nach Feierabend, sonntags oder auch während der Arbeitspausen. Viele seiner Bilder verschenkte er einfach. Er legte sich ein Musterbuch für Bilderbestellungen an, zeichnete mit Bleistift verschiedene Szenen und Motive aus dem bäuerlichen Alltag, außerdem Cowboy- und Indianergeschichten, Darstellungen aus der Bibel und der Zirkusarena. Und immer wieder malte er Tiere, die in seinen Bildern allesamt blaue Augen haben.

Kaum jemand hielt damals seine Bilder für "Kunst". Das änderte sich erst nach seinem tragischen Tod im September 1955, als Carl Christian Thegen in einer Scheune von der Leiter fiel und sich das Genick brach. Sang- und klanglos wurde der Landarbeiter, Jahrmarktsgehilfe und Tierwärter Carl Christian Thegen von den zuständigen Behörden in Bad Oldesloe beigesetzt, obwohl er viele Freunde in Hamburg, Lübeck und Oldesloe hatte.

20 Jahre lang hatte Krischan Thegen hunderte von Bildern gemalt, die in vielen Haushalten hingen. Und plötzlich waren die Bilder des Malers begehrt und erzielten bei Sammlern Höchstpreise. Er wurde zu einem Klassiker der Naiven Kunst und als einer der besten deutschen Naiven gehandelt. Seine Bilder wurden auf Ausstellungen gezeigt und in Museen gehängt.

Inzwischen sind die Thegen-Bilder nicht nur in Europa bekannt, sondern auch international gefragt. Sie hängen in Galerien von Düsseldorf, Zürich und sogar in New York. Auf Auktionen erzielen sie beachtliche Preise. Auch diverse Veröffentlichungen gibt es über Carl Christian Thegen, dessen Volkskunst unter anderem ins Jahrbuch des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums Eingang fand.

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