Weltweites Entsetzen

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12. März 2011, 09:13 Uhr

Tokio / Berlin | Deutschland schaut bestürzt auf das verheerende Erdbeben in Japan. In der japanischen Kolonie Düsseldorf bangten Hunderte Menschen um ihre Angehörigen in der Heimat, versuchten verzweifelt ihre Familien zu kontaktieren - oft vergeblich. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) äußerte sich über das Erdbeben ebenso bestürzt wie ihr hessischer Amtskollege Volker Bouffier (CDU) und der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) - Tokio ist Partnerstadt von Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die EU und US-Präsident Barack Obama boten Japan rasche Hilfe an. Nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) leben im Nordosten Japans etwa 100 Bundesbürger. Hinweise auf deutsche Opfer gebe es bisher aber nicht. Zur Ortung und Rettung von Tsunami-Opfern wird die Bundesregierung ein 40-köpfiges Rettungsteam des Technischen Hilfswerks nach Japan schicken. Deutsche Hilfsorganisationen bereiten sich auf einen Einsatz in dem Katastrophengebiet vor und rufen zu Spenden auf. Fluggesellschaften wollten den Flugverkehr zwischen Deutschland und Japan zunächst aufrechterhalten, rechnen aber mit Verspätungen.

Das Beben war das stärkste in der japanischen Geschichte und eines der stärksten überhaupt. Mit einen Wert von 8,9 waren seine Auswirkungen selbst auf der Zugspitze noch zu spüren. Der Boden bebte gegen 14.45 Uhr Ortszeit (6.45 Uhr MEZ). Das Zentrum der Erschütterung lag 24,4 Kilometer unter dem Meeresboden, 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. In Sendai und Umgebung - der besonders betroffenen Region in der Präfektur Miyagi - überflutete eine zehn Meter hohe Welle sämtliche Küstengebiete, den Hafen ebenso wie zahlreiche Fischerdörfer. Das japanische Innenministerium teilte mit, in Städten und Präfekturen seien etwa 100 Brände gemeldet worden. Fernsehbilder aus der Provinz Iwate zeigten ganze Straßenzüge mit eingestürzten Häusern.

In Tokio waren die Telefonnetze stundenlang überlastet, Tausende Menschen konnten ihre Angehörigen nicht erreichen. Mehr als vier Millionen Haushalte waren ohne Strom. Die U-Bahn wurde vorübergehend geschlossen genauso wie Flughäfen in der Region. Nach Angaben der Zuggesellschaft East Japan Railway wurde der Zugverkehr im Nordosten Japans zu großen Teilen eingestellt. Betroffen waren sowohl der Schnellzug Shinkansen als auch lokale Zugverbindungen. Auf den Straßen bildeten sich lange Staus, an den Bahnhöfen strandeten massenweise Pendler. Viele Menschen trugen Helme aus Angst vor herabstürzenden Gegenständen. Mehrere Nachbeben erschreckten die Bewohner.

Rund um den Pazifik wurden in etwa 50 Ländern zeitweise Tsunami-Warnungen ausgelöst. Das Pazifische Tsunami-Zentrum in Los Angeles warnte die Bewohner der gesamten Pazifikküste von Alaska bis Chile vor einer drohenden Flutwelle. Auf Taiwan und den Philippinen blieb der befürchtete Tsunami aber aus. Auch für Indonesien und Russland war Tsunami-Alarm ausgerufen worden. Gestern Morgen traf ein mächtiger Tsunami die amerikanische Westküste. Die ersten Wellen trafen an der Stränden des US-Bundesstaates Oregon ein. Für die gesamte Westküste war schon in der Nacht eine Tsunami-Warnung ausgerufen worden. Die Behörden warnten vor Wellen bis zu einer Höhe von zwei Metern. Zuvor rollten auf Hawaii Riesenwellen an.

Das Beben ist nach Einschätzung von Forschern mit dem Tsunami im Dezember 2004 in Südostasien vergleichbar. Es sei zwar nicht ganz so groß, aber von ähnlichen Ausmaßen, sagte der Seismologe Michael Weber vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Über Monate hinweg kann es noch schwere Nachbeben mit Stärken bis zu 8 geben.

Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. 127 Millionen Menschen leben dort. Immer wieder bebt die Erde. Die bisher verheerendste Katastrophe erlebte das Inselreich 1923, als ein Beben der Stärke 7,9 Tokio und weite Teile Yokohamas zerstörte. Mehr als 143 000 Menschen kamen damals um.

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