Einzelhandel in Flensburg : Weiche: „Kein weiterer Supermarkt“

Sky-Markt in Flensburg-Weiche: Aus Sicht von Planern und Gutachtern gilt der Stadtteil als gut versorgt.
Der Ochsenweg in Flensburg-Weiche: Aus Sicht von Planern und Gutachtern gilt der Stadtteil als gut versorgt.

Bürgerversammlung in der Heilandskapelle: Planer geben Wunsch vieler Bürger keine Chance

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04. April 2018, 05:24 Uhr

Klipp und klar: Der Stadtteil Weiche benötigt keinen weiteren Supermarkt. Für einen zusätzlichen Lebensmittelmarkt gibt es nach Auffassung der von der Stadt beauftragten Gutachter nicht mehr ausreichend Kaufkraft. Jede weitere Neueröffnung, etwa die eines Lidl-Marktes, sei „ein Angriff“ auf die bestehenden Läden und müsse klar unter der Überschrift „Verdrängung“ eingeordnet werden.

Gutachter Stefan Kruse (Büro Junker & Kruse) unterstützte nicht den Wunsch vieler Bürger während der Versammlung in der Heilandskapelle, einen neuen Supermarkt im Bereich Friedenskirche anzusiedeln. Dieser Wunsch war immer wieder laut geworden, um den Bewohnern dort einen kurzen Weg zum Einkaufen zu bieten. So müsse der Ochsenweg nicht noch stärker belastet werden und insbesondere nicht die Bahnunterführung, die während der Schneetage ein unüberwindliches Hindernis für Fußgänger gewesen sei. Aber kein Argument fand Gnade: Es gebe keinen Bedarf für einen weiteren Markt. Allenfalls könne über einen zusätzlichen, kleineren Anbieter – etwa einen Bio-Markt – im Kreuzungsbereich Husumer Straße/Ochsenweg nachgedacht werden.

Dass die Kaufkraft nichts mehr für einen neuen Markt hergibt, heißt nicht, dass nicht doch noch ein neuer Markt kommt. Lidl hat mit seiner Neubau-Absicht mit rund tausend Quadratmetern die ganze Diskussion ins Laufen gebracht. Der Konzern hat am Ochsenweg Flächen gekauft, deren alte Bebauung abgerissen ist. Aldi am Holzkrugweg hat die Absicht zum Umbau und zur Erweiterung mit einer künftigen Größe von 1300 Quadratmetern und Netto in der Gartenstadt hat die Baugenehmigung für eine Erweiterung. Die Stadt weiß nicht, warum Netto davon keinen Gebrauch macht.

In aller Deutlichkeit machte Gutachter Kruse klar, wie er die Versorgung sieht: Weiche sei mit Sky und Aldi am Holzkrugweg sowie Netto in der Gartenstadt gut versorgt.

Dem Einzugsbereich der Märkte in Weiche rechnet Stefan Kruse rund 7800 Einwohner aus Weiche und rund 2300 aus Handewitt zu mit einer Kaufkraft von rund 29 Millionen Euro. Die Märkte bedienen 26 Millionen Euro Kaufkraft, drei Millionen fließen in andere Geschäfte – nicht genug, um einen zusätzlichen Markt am Leben zu halten. Gebe die Stadt trotzdem grünes Licht für einen neuen Markt, könne dies einen bestehenden gefährden. Chef-Stadtplaner Peter Schroeders: Dies sei dann eine politische Entscheidung.

Gerade die Kaufkraft sahen die Bürger aus Weiche unzureichend berücksichtigt. Von Kunden aus Weding, an der Friedenskirche, aus Jarplund bis hin nach Braderup könne ein Markt an der Friedenskirche profitieren. Und auch die Stadtplanung solle auf diesen Standort drängen. Peter Schroeders und Gutachter Stefan Kruse ließen keinen Raum für Wünsche: Nicht die Stadtplanung und nicht der Bürger entscheide über solche Standortfragen. „Diese Entscheidung liegt allein bei den Unternehmen.“ Allerdings, so Schroeders, könne die Stadt versuchen, die Ansiedlung eines Marktes mit der Einrichtung eines kleineren Geschäftes zu verbinden.

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