Diako Flensburg : Warten, bis der Arzt kommt...

Emsiges Treiben im Flur der Zentralen Notaufnahme: Die Zahl der Patienten in der  ZNA (in der Diako für den Klinikverbund mit dem St. Franziskus-Hospital) steigt von Jahr zu Jahr. Foto: Staudt
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Emsiges Treiben im Flur der Zentralen Notaufnahme: Die Zahl der Patienten in der ZNA (in der Diako für den Klinikverbund mit dem St. Franziskus-Hospital) steigt von Jahr zu Jahr. Foto: Staudt

Die Patienten in der Zentralen Notaufnahme der Flensburger Diako kritisieren nicht viel - doch die Wartezeit ist ihnen oft zu lang. Dennoch: Flensburg ist unter den Top 3 der schnellsten deutschen Kliniken.

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04. Januar 2012, 09:41 Uhr

Flensburg | "An Tagen wie heute machen wir gar keine Pause", sagt Dagmar Paysen. Sie ist an diesem ersten Werktag im neuen Jahr seit halb acht Uhr morgens als leitende Ärztin in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) im Diakonissenkrankenhaus Flensburg ununterbrochen auf den Beinen. Gerade hat sich die Internistin um einen Patienten gekümmert, der wiederbelebt wurde und stabilisiert werden muss. Durchschnittlich geht Paysen von 40 internistischen Notfällen in der ZNA am Tag aus. Über die Weihnachtsfeiertage waren es über 50, erinnert sich die Ärztin. Montags und Feiertags schießen die Patientenzahlen oft in überdurchschnittliche Höhen. Viele Hausarztpraxen schließen zwischen Weihnachten und Neujahr, beobachtet Paysen. Und dann wenden sich die Menschen mit diversen Symptomen an die Fachleute in der ZNA.
"Wir schicken niemanden weg", betont Internistin Paysen und betrachtet es als eine der zentralen Funktionen der Notaufnahme, diejenigen sofort "herauszufischen, die richtig krank sind". Dazu wendet eine "geschulte Pflegekraft" das "Ersteinschätzungssystem" an. Sie schätzt den Notfall ein und ordnet einen Neuzugang beispielsweise der Gruppe akuter Fälle zu, die sofort behandelt werden müssen.
"Feedback-Flyer"
Zudem verzweige sich die Behandlung in vier verschiedenen Fachabteilungen. So könne es vorkommen, dass jemand der früher eingeliefert werde, dennoch später dran sei, erklärt Margot Dietz-Wittstock. Die 45-Jährige leitet den Bereich Pflege der Notaufnahme. Im "Feedback-Flyer" der ZNA hätten die Patienten allein die Wartezeit zu bemängeln, äußerten sich ansonsten zufrieden. Und das, obwohl Flensburg zum Beispiel bei der sogenannten "door-to-balloon"-Zeit unter den Top 3 bundesweit rangiere, dem Zeitraum von der Ankunft in der Klinik bis zur Katheterintervention. Sie rede sich manchmal den "Mund fusselig", um einem Patienten zu erklären, warum er warten musste. Freundlich natürlich, denn "wenn ich ins Krankenhaus komme, ist meine Erkrankung die wichtigste", spricht Schwester Margot den Kranken aus dem Herzen.
Nach ihrer Einschätzung sei allerdings fast jeder zweite Fall "nicht geeignet" für die Notaufnahme. Schwester Margot erinnert sich an besorgte Eltern, die ihrem fiebrigen Kind eines Nachts die Fahrt ins Krankenhaus zumuteten. Auf die Frage, ob sie die Temperatur gemessen und ein Zäpfchen verabreicht hätten, mussten sie eingestehen, dass sie weder ein Fieberthermometer noch Zäpfchen besäßen. Überdies gebe es keine Hausbesuche mehr, könne man auch beim Hausarzt mit Wartezeiten rechnen oder beim Spezialisten mitunter monatelang auf einen Termin warten, zählt die Bereichsleiterin auf. Und während man früher für Röntgen, Sonografie, EKG eine Woche im Krankenhaus lag, dauere die komplexe Diagnostik heute gerade mal fünf oder sechs Stunden. "Es werden immer mehr Patienten", und trotz der Erweiterung um die Aufnahmestation 2010 könnte die ZNA mehr Platz gebrauchen, schlussfolgert Schwester Margot mit Blick auf weit über 50.000 Patienten im vorigen Jahr.
"Notfälle sind nicht planbar"
"Notfälle sind nicht planbar", sagt Dagmar Paysen. Das Krankenhaus stelle Statistiken auf und orientiere sich an "normalen" Tagen. "Wir reagieren mit Schicht-Stärke auf zu erwartende Patientenmengen", erläutert die Ärztin. Mehrmals an diesem Montagmittag ist der Hubschrauber zu hören und sind Notärzte im Einsatz: Herzinfarkt, Schlaganfall, Blutdruckschwankungen, Durchfallerkrankungen, Suizidversuch beschäftigen in der ZNA heute sieben bis acht Ärzte und neun pflegerisch tätige Mitarbeiter.
Für eine Nachuntersuchung sitzt Antje Kahl im Wartezimmer und liest in ihrem Buch. Am 21. Dezember verletzte sich die 49-jährige Flensburgerin bei einem Fahrradsturz am Arm und im Gesicht. Drei bis vier Stunden habe sie in der ZNA gewartet, weil ein anderer Patient, der mit dem Hubschrauber eingeflogen werden musste, Priorität hatte. Antje Kahl zeigt Verständnis dafür. Trotz der Emsigkeit in der ZNA seien Ärzte und Pfleger "durchweg freundlich und sehr bemüht".

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