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Video aus Berlin : War es Terror? Berlin nach Lkw-Todesfahrt unter Schock

vom

Ein Lastwagen überfuhr an der Gedächtniskirche Dutzende Menschen. Die Polizei geht von Vorsatz aus.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2016 | 08:13 Uhr

Nach der Todesfahrt eines Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt gehen die Ermittler von einer vorsätzlichen Tat aus. Das teilte die Polizei am Dienstagmorgen über Twitter mit. Die Identität des Fahrers sei weiterhin unklar, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

 

Bei der Tat im Herzen Berlins war am Montagabend ein Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast und hatte mindestens zwölf Menschen getötet. Weitere 49 Menschen lagen am Morgen zum Teil schwer verletzt in Krankenhäusern.

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Generalbundesanwalt Peter Frank übernehme den Fall, teilte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Abend über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

 

Bei einem Anschlag im Juli in Nizza waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als ein Terrorist mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Für diesen Anschlag hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernommen.

Ein Verdächtiger wurde am Abend festgenommen - es soll sich dabei um den Fahrer des Lastwagens handeln. Der Beifahrer kam laut Polizei bei dem Crash ums Leben. Die Polizei bat Anwohner, zuhause zu bleiben. Es gebe ein „verheerendes Bild vor Ort“, sagte ein Polizeisprecher. Umstehende berichteten dpa-Reportern, dass der Lkw Dutzende Menschen überfahren habe.

Das ist passiert:

Nach Angaben der Feuerwehr wurden mindestens 50 Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Der schwarze Lastwagen war über den Gehweg am Breitscheidplatz gefahren und hatte mehrere Buden zerstört.

Hintergrund: Der Berliner Breitscheidplatz

Der Berliner Breitscheidplatz ist der zentrale Platz im Westen der deutschen Hauptstadt. Weithin sichtbarer Blickfänger ist die Gedächtniskirche mit der markanten Turmruine, daneben das Europacenter und zwei weitere, neue Hochhäuser. Der Platz im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf liegt zwischen Kurfürstendamm und Zoo und ist nach dem Widerstandskämpfer Rudolf Breitscheid benannt. Als sein Pendant im Ostteil der Stadt gilt der Alexanderplatz.

 

Der Lastwagen fuhr nach Polizeiangaben auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern über den Markt zwischen den Ständen durch und verletzte dabei auch Menschen. Der Lastwagen kam auf der Budapester Straße zu stehen. Der Fahrer flüchtete zunächst Richtung Zoo und wurde in der Nähe der Siegessäule von Polizisten gefasst.

Der Sattelschlepper war vorne stark demoliert und nach dem Anschlag vor dem Hochhaus des Waldorf-Astoria-Hotels abgestellt.

Das ist über LKW und Fahrer bekannt:

Der mutmaßliche Fahrer könnte ein Pakistaner oder Afghane sein. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am frühen Dienstagmorgen aus Sicherheitskreisen. Eine genaue Identifizierung sei jedoch schwierig, da möglicherweise auch falsche Namen benutzt würden. Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Mann sei den Ermittlern bekannt, allerdings nicht wegen eines terroristischen Hintergrundes, sondern wegen kleinerer krimineller Delikte.

Der Lastwagen gehörte einer polnischen Spedition. Der Eigentümer Ariel Zurawski sagte am Montagabend in einem Telefonat dem Sender TVN 24, der Fahrer sei seit etwa 16 Uhr nicht mehr zu erreichen gewesen. Der Fahrer sei sein Cousin, er könne seine Hand für ihn ins Feuer legen, dass er kein Attentäter sei. „Es kann einfach nicht mein Fahrer gewesen sein“, sagte Zurawski zu dem Vorfall. „Ihm muss etwas angetan worden sein“, mutmaßte er. „Ich stehe so unter Schock.“ Der Lastwagen hatte Stahlkonstruktionen nach Berlin transportiert, berichtete Zurawski. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis zum Morgen warten müssen und den Lastwagenwagen in Berlin geparkt.

So verlief der Einsatz:

Dutzende Rettungswagen und viele Polizeiwagen waren vor Ort. Das Gelände wurde abgesperrt, Passanten wurden nur noch vom Weihnachtsmarkt gelassen.

Ein Bundespolizeisprecher sagte: „Wir gucken nun, wie wir die Kollegen des Landes Berlin unterstützen können.“ Nach Worten von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) war die Situation am Abend unter Kontrolle. Der Regierungschef reagierte geschockt. „Was wir hier sehen, ist dramatisch“, sagte Müller auf dem Breitscheidplatz. Seine Gedanken seien bei den Familien, die Tote oder Verletzte zu beklagen hätten.

So geht es weiter:

Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel wollen am Dienstagmittag auf einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit informieren. Dabei würden auch Landesbranddirektor Wilfried Gräfling und Polizeipräsident Klaus Kandt Fragen der Journalisten beantworten, teilte der stellvertretende Senatssprecher Bernhard Schodrowski am Montagabend mit. Ob auch ein Vertreter der Berliner Generalstaatsanwaltschaft dazukommt, sei noch unsicher.

Bei dem Termin werde es um die aktuellen Erkenntnisse und Umstände bei dem Vorfall auf dem Breitscheidplatz gehen, erläuterte Schodrowski. Davor würden sich Polizei und Feuerwehr nicht mehr äußern. Bereits am späten Dienstagvormittag wollen sich dem Sprecher zufolge die Senatsmitglieder in ein Kondolenzbuch in der Gedächtniskirche eintragen, das danach für alle Bürger offen sei. Für den Abend sei ein Trauergottesdienst in der Kirche vorgesehen.

Die wichtigsten Reaktionen:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich bestürzt. „Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann“, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert über Twitter mit. 

Merkel sei mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Berlins Regierendem Bürgermeister Müller in Kontakt.

Bundesinnenminister de Maizière erklärte: „Meine Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzen des schrecklichen Vorfalls. Ich stehe in unmittelbarem und durchgehendem Austausch mit den Sicherheitsverantwortlichen im Land Berlin und habe jede Unterstützung durch die Bundespolizei angeboten.“ Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte: „Wir wissen noch nicht mit Gewissheit, was heute Abend wirklich geschehen ist. Die Sicherheitsbehörden arbeiten mit Hochdruck daran, die Unglücksstelle zu sichern und die Täter zu finden.“

Alle aktuellen Informationen zu den Ereignissen in Berlin gibt es in unserem Liveblog.

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