Husum : Vor ganz neuen Herausforderungen

Auf Truppenbesuch: Im Kosovo bekam Marcus Ellermann (M.) nicht nur seine Soldaten, sonder auch richtig viel Schnee zu sehen. Foto: hn
Auf Truppenbesuch: Im Kosovo bekam Marcus Ellermann (M.) nicht nur seine Soldaten, sonder auch richtig viel Schnee zu sehen. Foto: hn

Der Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1 "Schleswig-Holstein" zieht nach drei Monaten im Amt eine erste Bilanz

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27. Dezember 2011, 07:08 Uhr

Husum | Eigentlich ist es ja etwas zu früh für die sprichwörtliche 100-Tage-Bilanz, denn heute ist Oberstleutnant Marcus Ellermann erst seit 91 Tagen Kommodore des in der Storm-Stadt stationierten Flugabwehrraketengeschwaders 1 "Schleswig-Holstein". Doch was seitdem geschah, hätte auch gereicht, um die doppelte Zeitspanne auszufüllen. Als der 44-Jährige sein neues Kommando am 27. September übernahm, wusste er noch nicht einmal, ob sich das Geschwader nicht schon einen Monat später auf der Liste der aufzulösenden Verbände wiederfinden würde. Doch es kam glücklicherweise ganz anders: Die Ende Oktober gefällten Entscheidungen sehen sogar eine Aufwertung des Standortes Husum vor.

"Nach der Umsetzung sind wir der einzige verbliebene Flugabwehrraketenverband der Bundeswehr", sagt Ellermann. Die anderen beiden derartigen Geschwader der Luftwaffe fielen dem Rotstift zum Opfer, das Heer gibt seine Flugabwehrfähigkeiten komplett an die Husumer ab. Und die Ausbildung, die derzeit noch an der Raketenschule des US-Heeres im texanischen Fort Bliss stattfindet, wird ebenfalls an die Nordsee wandern. "An eine solche Aufgabe muss man mit großem Respekt herangehen, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit", weiß Ellermann. Zumal die Einzelheiten der neuen Struktur noch gar nicht alle feststehen: "Die Feinausplanung sollte eigentlich bis Jahresende erfolgen, aber das war wohl ein bisschen zu kurzfristig angelegt. Ich rechne jetzt bis Anfang April damit." Schließlich seien ja auch teilstreitkraftübergreifend eine Menge Absprachen zu treffen.

Doch das Stationierungskonzept bedeute für das Geschwader nicht nur eitel Sonnenschein: "Man darf nicht vergessen, dass die uns unterstellte Flugabwehrraketengruppe 25 aufgelöst wird." Ausschlaggebend sei der hohe Investitionsbedarf am Standort Stadum gewesen. "Das habe ich unseren dort stationierten Soldaten, die natürlich sehr enttäuscht sind, auch erklärt." Ohnehin hat Ellermann schon zahlreiche Reisen unternommen, um mit seiner neuen Truppe überall in Kontakt zu sein, beim jährlichen Raketen-Schießen auf der griechischen Insel Kreta genauso wie beim Besuch der 43 Soldaten des Geschwaders, die im Kosovo eingesetzt sind. "Und zwar in vier Gruppen an unterschiedlichen Orten", sagt er. Doch gerade das sei es, was ihm nach den vorherigen Stationen seiner Laufbahn so gut gefalle: "Vorher hatte ich auch sehr fordernde Aufgaben, aber es war zumeist Schreitischarbeit - hier habe ich direkt mit Menschen zu tun, das ist das Hauptgeschäft als Kommodore und das genieße ich."

Er habe in den ersten drei Monaten schon einen sehr guten Eindruck gewonnen von seinen Soldaten: "Wir arbeiten hier in großem Stil an der Zukunft der Flugabwehrraketen-Truppe, und ich sehe, dass es vor Ort jede Menge gute Leute gibt, die gemeinsam an diesem Strang ziehen." Das sei auch wichtig, um die Herausforderungen zu meistern: "Der Auftrag wird vielfältiger, denn mit den vom Heer übernommenen Komponenten bekommen wir auch ganz neue Aufgaben." Und alles werde dann von Husum aus gesteuert: Einsatz, Ausbildung und Weiterentwicklung. "Das", so Ellermann, "ist schon eine gewaltige Hausnummer."

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