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Österreichischer Rechtspopulist : Vor fünf Jahren raste Jörg Haider in den Tod

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1,8 Promille hatte der wohl einflussreichste Politiker Österreichs bei seinem tödlichen Unfall im Blut. Auch wenn seine Popularität durch diverse Enthüllungen verblasst ist, hat sich sein Vermächtnis nachhaltig in Österreichs politische Kultur eingeprägt.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 12:48 Uhr

Wien | „Die Sonne ist vom Himmel gefallen“: Vor fünf Jahren trauerte Kärnten um seinen Landesvater, den Rechtspopulisten Jörg Haider. Und der Ausspruch seines Nachfolgers Gerhard Dörfler wurde so etwas wie ein geflügeltes Wort. Bei einem Autounfall starb der polarisierendste Volksvertreter Österreichs und einer der umstrittensten Politiker Europas, mit 58 Jahren. Vom Glanz vergangener Tage ist heute wenig übrig. Haiders politisches Erbe ist zerbröselt, und immer mehr Korruptionsfälle kommen ans Licht. Allein die Aufarbeitung der Vorgänge um die kriselnde Ex-BayernLB-Tochter Hypo Alpe Adria wird wohl noch Jahre die Gerichte beschäftigen.

Haider fuhr am 11. Oktober 2008 mit seinem Dienstwagen im Kärntner Bärental in den Tod, viel zu schnell und betrunken. Teils obskure Verschwörungstheorien rund um den Unfall sind längst verstummt. Und in die Kärntner Staatstrauer mischten sich bald Misstöne. Korruptionsfälle, „Freunderlwirtschaft“ und schleierhafte Geldflüsse kamen ans Licht: Mehrere Kärntner Politiker - viele als Haiders „Bauernopfer“ angesehen - sind in der Zwischenzeit zu Haftstrafen verurteilt. Wäre Haider nicht tot, er hätte wohl selbst schon mehrmals auf der Anklagebank Platz nehmen müssen.

Ob sich die Schlinge aber tatsächlich jemals zugezogen hätte, bezweifelt die Kärntner Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle. „Bei gleicher Faktenlage wäre er wohl verurteilt worden. Viele gehen aber davon aus, dass Geständnisse und Indizien nie ans Licht gekommen wären, wenn Haider noch leben würde.Doch das Image des selbsternannten Kämpfers für den „kleinen Mann“ zerstörten nicht nur in Liechtenstein aufgetauchte Briefkastenfirmen mit Geheimkonten. Die Österreicher müssen einen hohen Preis für die teils kostspieligen Projekte des ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns (Ministerpräsident) zahlen: Die 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria soll Haider wie einen Selbstbedienungsladen benutzt haben. Der Gerichtsstreit mit der BayernLB um Milliardenbeträge wird noch lange dauern. Die Kärntner Kassen sind leer, das „System Haider“ aufgebrochen.

Was bleibt, ist die Erinnerung an die Aura des smarten Politikers. „Jörg Haider hatte eine extrem sympathische Ausstrahlung, das ist ganz klar und das war ja auch das Fatale. Aber politisch hätte ich mich mit ihm nie vertragen können“, sagte der Sänger und Liedermacher Udo Jürgens, selbst ein Kärntner, jüngst der „Kleinen Zeitung“.

Von Haiders politischem Erbe ist fünf Jahre nach seinem Tod hingegen kaum etwas übrig. Noch während der Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) 2005 hatte Haider die Partei nach internen Streitereien gespalten. Er machte sich mit seinem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) selbstständig und feierte Erfolge. Doch seit seinem Tod zerfällt das BZÖ: Bei der Wahl des neuen Parlaments schaffte die zerstrittene Gruppe, von der viele Mitglieder auch wieder zur FPÖ wechselten, nicht einmal mehr den Einzug in den Nationalrat. Die Bastion der Rechten in Kärnten ist gefallen.

Geblieben seien deren zentrale Botschaften, ist sich Stainer-Hämmerle sicher. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der vom Parteifreund zu Haiders Feind wurde, führe dessen Inhalte und Methoden erfolgreich fort. Populismus, Ausgrenzung und Ausländerfeindlichkeit funktionierten nach wie vor. „Strache ist auf dem besten Weg, das zu schaffen, was Haider schon immer wollte und nicht erreicht hat: auf Platz eins zu kommen“, sagt die Expertin.

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