Schausteller-Messe Interschau in Neumünster : Von Autoscooter bis Zuckerwatte

Gerrit Andresen (15) probiert den neuen Virtual-Reality-Simulator aus, den Fred ter Horst von der Firma Gack mitgebracht hat.
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Gerrit Andresen (15) probiert den neuen Virtual-Reality-Simulator aus, den Fred ter Horst von der Firma Gack mitgebracht hat.

Über 50 Aussteller zeigen in den Holstenhallen 4 und 5 historische Karussells, moderne Fahrzeuge und neueste Trends.

shz.de von
30. Januar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Schon am Eingang riecht es nach Bratwurst. Drinnen vermischen sich schnell die Sinneseindrücke. Es blinkt an allen Ecken und Enden, Musik und Geräusche deuten sofort darauf hin, wo man sich befindet. Die Interschau ist die Fachmesse zum 69. Delegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes. In den Holstenhallen 4 und 5 zeigen über 50 Aussteller nicht nur die neuesten Trends der Branche, sondern auch Bewährtes und Historisches.

Rico Rasch, Betreiber des Jahrmarkt-Museums in Groven bei Heide, ist zum Beispiel mit rund 300 seiner über 5000 Exponate nach Neumünster gekommen. Darunter sind ein Affe, der Kunststücke macht, aus dem Jahr 1910 und ein großer Orgelwagen aus dem Jahr 1911, der nach wie vor funktioniert. In siebter Generation ist Rasch Schausteller. „Meine Familie hat schon immer wichtige Dinge aufbewahrt, denn Jahrmarkt ist ein Kulturgut, das bewahrt werden muss“, sagt er.

Das findet auch Stephan Hirschfeld aus Bad Arolsen bei Kassel. Er bewahrt die Kirmes, wie es in Hessen heißt, auf andere Art auf, nämlich auf einer sechs Quadratmeter großen Modellanlage im Maßstab 1:87. Von seiner Oma und seinem Vater wurde er bereits als Kind „infiziert“. Vor elf Jahren begann der 30-jährige Koch mit dem Aufbau. „Die Anlage besteht aus einzelnen Feldern, auf denen ich immer neue Karussells und Stände bastle. Dadurch verändert sich der Markt ständig. Alle Modelle gibt es auch in der Realität“, erklärt er.

Sehr realistisch geht es auch einige Meter weiter bei Fred ter Horst von der Firma Gack Spiel- und Freizeitgeräte aus Bad Bentheim zu. Dabei sind die vielen Filme im Virtual-Reality-Simulator „to go“ ganz offensichtlich animiert. Doch im sich bewegenden Stuhl hinter einer laufenden Windmaschine und mit 3D-Brille vor den Augen hat der Besucher des neuesten Jahrmarkt-Hits den Eindruck, er sitze direkt im Flugzeug zwischen Hochhausblöcken, reise ungebremst mit der Bahn in die Unterwelt der Geister oder werde jeden Augenblick von dem hinter ihm laufenden Dinosaurier gefressen. „Der Stuhl neigt sich nur mit maximal 25 Grad, aber der Körper reagiert darauf“, sagt der Vertriebsleiter, der 15 verschiedene Filme mitgebracht hat. Für die Kleinen etwa gibt es eine vergleichsweise ruhige Fahrt mit dem Zug durch eine Winterlandschaft.

Wer dagegen (filmisch) im Kettenkarussell gesessen hat, sollte ein paar Minuten seinen Magen beruhigen lassen, ehe er am Zucker- und Backwarenstand von Christopher und Bastian Bierbaum vorbeigeht. Der Familienbetrieb mit 14 Mitarbeitern aus Seevetal bei Hamburg ist zum ersten Mal auf der Interschau. „Wir können unseren Kunden hier direkt die Dinge, die wir produzieren, anbieten und nicht nur im Katalog zeigen“, sagt Bastian Bierbaum zwischen „Hamburger Speck“ und Salmi-Lollis stehend.

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