Vom Heldenmal zur Friedensmahnung

Am 21. Mai 1922 wurde das Ehrenmal vor tausenden von Neumünsteranern am Kuhberg eingeweiht. Fotos: Postel(2), HC, Ziehm
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Am 21. Mai 1922 wurde das Ehrenmal vor tausenden von Neumünsteranern am Kuhberg eingeweiht. Fotos: Postel(2), HC, Ziehm

Neumünsters vergessene Kunstwerke: Das Ehrenmal des Infanterie-Regiments 163 steht jetzt in Boostedt - mit ungewisser Zukunft

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31. Dezember 2011, 08:10 Uhr

Neumünster | Heldenverehrung - Hassobjekt - Mahnmal für den Frieden: Kaum ein Kunstwerk verkörpert das wandelnde geschichtliche Verständnis so sehr wie das Ehrenmal des Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Regiments Nr. 163. Es gedenkt der 2693 im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Regiments, das von 1897 bis 1918 in der (späteren) Sick-Kaserne an der Goebenstraße stationiert war. Der vom Berliner Bildhauer Ludwig Isenbeck geschaffene trauernde Soldat wechselte allein fünf Mal seinen Standort und steht seit 2003 versteckt in der Rantzau-Kaserne in Boostedt. Mit ungewisser Zukunft: Die Kaserne wird 2015 geschlossen.

Zur Einweihung des Denkmals am Sonntag, 21. Mai 1922, druckte der Courier eine Sonderausgabe. Vor tausenden Neumünsteranern hielt Oberst a.D. Sick die Weihe-Rede und übergab des Ehrenmal an der Teich-Ecke nahe der Kieler Brücke an die Stadt. Die Zeremonie endete mit einer Kranzniederlegung und einem Zapfenstreich. 1955 wurde das Denkmal erstmals umgesetzt, weil die Kieler Brücke an der Europastraße 3 neu gestaltet wurde. Es fand seinen Platz in Rencks Park. Dort wurde es ab 1978 immer wieder beschmiert und beschädigt. Der Helm wurde rot angemalt, Teile abgeschlagen, auf den Sockel sprühten selbst ernannte Antimilitaristen den Spruch "Helden raus" und das Anarcho-Zeichen. Es war die Zeit der Proteste gegen den Nato-Doppelbeschluss.

"1987 wollte die Stadt das Ehrenmal schon wegen Baufälligkeit abreißen", weiß Rolf Postel (68) zu berichten. Er leitete von 1981 bis 1993 die Truppenverwaltung der Panzerbrigade 18 und ist Autor zahlreicher Beiträge zur Militärgeschichte der Stadt. Postel: "Der damalige Oberst Ehrenfried Boege regte an, das Mal an die Bundeswehr zu übergeben." Den entsprechenden Ratsbeschluss gab es 1988, und am 6. Juli 1989 wurde das Denkmal nach seiner Restaurierung im Garten des Offiziersheims der Sick-Kaserne feierlich wieder eingeweiht. 1990 schenkte die Stadt das Denkmal ganz offiziell per Vertrag dem Bund.

Als die Sick-Kaserne schloss, wurde der nächste Umzug fällig. Von 1994 bis 2003 stand der Soldat in der Hindenburg-Kaserne. Mit dem endgültigen Aus Neumünsters als Garnisonsstadt wanderte er im Juli 2003 weiter in die Boostedter Rantzau-Kaserne, zunächst vor das Stabsgebäude. Seit 2008 hat der Soldat seinen heutigen Platz in einer Gedenkanlage auf dem Kasernengelände gefunden. Hier ist er vor Vandalismus geschützt. Dennoch bedauert Postel, dass er "nicht mehr in Neumünster steht, weil er zu Neumünsters Geschichte gehört. Er verkörpert für mich heute kein Denkmal der Heldenverehrung, sondern des Gedenkens an die Toten und der Mahnung an die Lebenden". Postel könnte sich das Ehrenmal deshalb auch gut auf dem Südfriedhof vor dem großen Kreuz für die Opfer des Bombenkriegs vorstellen.

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