Gilde der Marktschreier : Virtuosen zwischen Socken und Salami

Lautstarker Anpreiser: 'Wurst-Achim' auf seinem Verkaufs-Lkw in der Kieler Innenstadt. Foto: Kröger
Lautstarker Anpreiser: "Wurst-Achim" auf seinem Verkaufs-Lkw in der Kieler Innenstadt. Foto: Kröger

Sie heißen Nudel-Uwe, Aal-Marcus oder Socken-Nico - und sie erreichen mit ihren Stimmen Lautstärken jenseits empfohlener Dezibelgrenzen. Noch bis einschließlich Sonntag gastiert die Berliner "Gilde der Marktschreier" auf dem Kieler Holstenplatz.

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19. Januar 2008, 10:17 Uhr

An rund 40 Ständen und Verkaufs-Lkw werden auf traditionelle Art und Weise verschiedene Waren zum Verkauf angeboten - Witze und flotte Sprüche inklusive. Zu den bekanntesten Exemplaren seiner Zukunft gehört vermutlich "Wurst-Achim". Seit 19 Jahren ist der 48-Jährige bereits als Marktschreier tätig. "Ich habe mich damals einfach beworben", erzählt der gelernte Einkäufer und Fernfahrer aus Osnabrück. Seitdem zieht "Wurst-Achim" mit seinem Lkw quer durchs Land, um seine Waren an den Mann zu bringen. Mit Erfolg. Die Zuschauer lieben den Verkäufer, der stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hat.
Zehn Monate im Jahr ist er mit seinen Kollegen deutschlandweit unterwegs, jede Woche an einem anderen Ort. Vielleicht eine Erklärung dafür, warum die Markschreier-Gilde über große Nachwuchssorgen klagt. "Die jungen Leute gehen lieber in die Disco oder treffen sich mit ihren Freunden, als rund um die Uhr auf Achse zu sein."
"Hier vertragen die Leute auch mal einen derberen Spruch"
"Wurst-Achim" hat in der Tätigkeit als Marktschreier seinen Traumjob gefunden. Von morgens um neun bis abends um acht steht er täglich auf dem Lkw und verkauft seine berühmt-berüchtigten Dauerwurst-Pakete. "Zu Hause bleibe ich nur, wenn der Kopf unterm Arm hängt", sagt der 48-Jährige, der an seinem Beruf besonders den vielfältigen Umgang mit Menschen liebt. An einem guten Wochenende verkauft er rund drei Tonnen Wurst.
Warum er in der Beliebtheitsskala der Besucher ganz weit oben steht, kann "Wurst-Achim" nur erahnen. "Ich glaube, ich bin das, was sich die Leute unter einem typischen Marktschreier vorstellen." Er arbeite nun einmal etwas auffälliger als die anderen und übe seinen Beruf mit viel Witz und Humor aus, erklärt der spontane Niedersachse. Besonders in Norddeutschland funktioniere das sehr gut, findet "Wurst-Achim". "Hier vertragen die Leute auch mal einen derberen Spruch - da darf ich auch gerne mal über meine Nachbarn lästern."
Wer "Wurst-Achim" und seine Kollegen live erleben möchte, hat noch bis einschließlich Sonntag, 20. Januar, auf dem Kieler Holstenplatz die Gelegenheit dazu. Und mit etwas Glück gibts ein Gratisschnäppchen.

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