zur Navigation springen
Neue Artikel

18. Oktober 2017 | 19:29 Uhr

VfR: „Das war eine Kriegserklärung“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rasensport-Vorsitzender Gerd Grümmer attackiert im Courier-Interview den Kreisfußballverband / Trainer Uwe Erkenbrecher vor dem Absprung

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Es war ruhig, verdächtig ruhig im Umfeld des sportlichen Schwergewichts VfR. Bestenfalls die durchwachsenen Resultate des Fußball-Regionalligateams sorgten zuletzt für Schlagzeilen – ungewohnt für einen Club, der häufig im Rampenlicht steht; positiv wie negativ. Mit einem 1:1 gegen Lüneburg erwachte Rasensport endgültig aus seinem Winterschlaf. Hinter den Kulissen wird fieberhaft an der Zukunft gebastelt – aller Voraussicht nach ohne Trainer Uwe Erkenbrecher. Vereinsvorsitzender Gerd Grümmer stand dem Courier Rede und Antwort.

Kein Lebenszeichen, keine Wasserstandsmeldungen, keine öffentlichen Bekanntmachungen: Einige meinten, der VfR-Vorstand sei abgetaucht ...

Grümmer: Nein, ich war immer da.

In der Szene gibt es Gerüchte, der VfR würde die Regionalliga abschenken ...

Definitiv nicht. Unser Ziel für 2015/16 heißt eindeutig Regionalliga. In Zusammenarbeit mit den Sponsoren wird von uns alles dafür getan, die Klasse zu halten. Auch habe ich gegen Lüneburg ein VfR- Team gesehen, das alles gegeben hat.

Der VfR beteiligt sich also am Lizenzierungsverfahren für die Regionalliga 2015/16 ...

Selbstverständlich.

Wer kümmert sich um die Zusammenstellung der Lizenzunterlagen?

Ich.

Sie alleine?

Das ist eine ganz normale Budgetplanung, etwas mehr als ein Knopfdruck. Natürlich ist auch unser Steuerberater Dirk Heesch involviert.

Im Vorwege des Lizenzierungsverfahrens fiel auch immer wieder der Name Ihres Amtsvorgängers Detlef Klusemann, der mithelfen sollte ...

Klusemann hat sich bekanntlich zurückgezogen. Er spielt bei der Erstellung der Unterlagen keine Rolle.

Man sagt, dass Verhältnis zwischen Ihnen beiden sei nicht das allerbeste ...

Wir haben kein Problem miteinander.

Der lukrative Hauptsponsorvertrag mit mybet.de läuft am Saisonende aus. Geht es mit dem Wettanbieter und dem VfR dennoch weiter?

Das ist völlig offen. Es ist alles möglich. Nur hatten wir noch keine Chance, die Gespräche mit der neuen Geschäftsführung von mybet.de zu intensivieren. Wir basteln daran – auch dank der Mithilfe unseres Wirtschaftsrats Matthias Lau.

Gesetzt den Fall, mybet.de zieht sich zurück. Haben Sie einen Plan B?

Einen solchen habe ich immer in der Schublade – egal wofür.

Ein Zweitligaabstieg des FC St. Pauli würde bedeuten, dass es einen Regionalligaabsteiger weniger gäbe, weil dann die U 23 der Kiez-Kicker Zwangsabsteiger wäre. Schielen Sie bereits Richtung 2. Bundesliga und drücken St. Paulis Gegnern die Daumen?

Ich gönne niemandem den Abstieg, schon gar nicht St. Pauli mit den vielen Fans und diesem unfassbaren Kult. Wenn es denn aber so käme und wir davon profitieren würden, ... okay.

Es laufen alle Spielerverträge am Saisonende aus. Haben Sie mit einigen Akteuren schon gesprochen, was die kommende Saison betrifft?

Ja. Und wir werden mit allen Spielern aus dem jetzigen Kader verhandeln, arbeiten gerade eine Prioritätenliste ab.

Wie sieht es mit Trainer Uwe Erkenbrecher aus?

Wir hatten einer Vertragsverlängerung mit ihm bislang nicht zugestimmt und gehen nun davon aus, dass er zur neuen Saison anderweitig eine neue Trainertätigkeit aufnehmen, uns also verlassen wird.

Der VfR steht aktuell auf einem Regelabstiegsplatz. Planen Sie zweigleisig, also auch für die SH-Liga?

Vorstand, Spieler, Fans: Wir alle sind voll auf die Regionalliga fokussiert. Natürlich ziehen wir bei allen Planungen aber auch einen Abstieg ins Kalkül.

Würde der VfR in der Schleswig-Holstein-Liga ins Bodenlose fallen?

Nie im Leben. Es wäre immer unser Anspruch, die Nummer 1 in Fußball-Neumünster zu bleiben. Im Übrigen hat auch die SH-Liga ihre Reize. Es gibt etliche benachbarte Clubs, die viele Fans mitbringen würden: Todesfelde, Hartenholm, Preetz, eventuell Bordesholm. Und dann wären da noch die Derbys gegen PSV ...

Apropos: Den Ur-Rasensportler Jochen Schmahl in einer grünen PSV-Trainingsjacke zu sehen, muss doch auch für Sie ein Kulturschock sein ...

Zweieinhalb Jahre standen unsere Arme für ihn offen. Ich habe keine Lust mehr, seinen Abgang zu kommentieren. Ich wünsche Jochen Schmahl alles Gute.

Auf Grund fehlender Schiedsrichter droht dem VfR in der neuen Saison ein Neun-Punkte-Abzug. Bei einem Abstieg in die SH-Liga wäre davon die Ligamannschaft betroffen. Wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?

Vorab: Wenn unser Vorstandsjob so einfach wäre, bräuchten wir nicht da zu sein. Das Thema Schiedsrichter ist ein noch offener Prozess, der tatsächlich in die Hose gehen kann. Unser Problem ist, dass wir immer mehr und immer mehr Schiedsrichter benötigen. Das liegt an der bevorstehenden Auflösung der Jugend-Spielgemeinschaft mit Saxonia, wodurch uns zwei Unparteiische verloren gehen. Aber es liegt ebenso daran, dass Schleswig-Holstein das einzige Land ist, das für die Meldung eines Regionalligateams zwei Referees verlangt. Im Übrigen fühlen wir uns auch vom Kreisfußballverband in mehrerlei Hinsicht nicht gerade positiv begleitet.

Warum?

Denken Sie doch nur mal an die Wertung des Kreisligaspiels unserer Reserve bei Gut Heil, als sich angeblich zwei Spieler nicht ausweisen konnten. Dort sind wir gelinkt worden, das war eine Kriegserklärung an uns. Das lassen wir nicht auf uns sitzen. Denn wenn das der Umgang in einem Dorf wie Neumünster untereinander ist, dann „Gute Nacht, Marie“. Wir haben diesbezüglich bereits den Schleswig-Holsteinischen Fußballverband kontaktiert.

Ist mittlerweile fix, dass der VfR die Startplätze von Saxonia in der neuen Saison übernehmen darf? Es geht ja mindestens um Verbandsligaplätze ...

Ja, wir hatten gute Gespräche mit Rot-Weiß Saxonia. Es ist alles geregelt.

Sicher ein teures Unterfangen ...

Wir haben ein Agreement getroffen.

Was ist denn eigentlich mit der Überdachung der Steh- und Sitzplätze auf der Westgeraden des VfR-Stadions?

Wir könnten sofort loslegen, das Material ist vorhanden. Doch erst muss eine solide Finanzierung stehen. Das kann noch ein paar Tage dauern.

„Ein paar Tage“ ist dehnbar ...

Da haben Sie Recht.

Die ersten beiden Regionalligaheimspiele 2015 fanden beziehungsweise finden sonnabends und nicht am traditionellen VfR-Sonntag statt. Warum?

Wir wollten mal etwas anderes ausprobieren, Punkt.

Sind Sie mit dem Versuchsballon gegen Lüneburg zufrieden?

Ja, weil ich ein tolles Spiel unserer Mannschaft gesehen habe.

Wie steht es um den Unterbau?

Die Reserve ist mit Trainer Abdul Yilmaz und Teammanager Emmanuel Amoako auf sehr gutem Weg, wir wollen sie weiter forcieren. Und die Jugend nimmt ja schon länger eine tolle Entwicklung. Nach oben gibt es dort keine Grenzen, einzig die Bundesliga wäre nicht finanzierbar.

Warum steigt das SHFV-Pokal-Halbfinale gegen Holstein am 25. März in Kiel und nicht beim VfR?

Besonders der Terminplan von Holstein ist extrem dicht. Wir hätten bei uns mangels Flutlichts unter der Woche nachmittags spielen müssen. Da wären doch nur eine Hand voll Zuschauer gekommen, während die Kosten für das Ordnungspersonal dennoch immens gewesen wären. So haben wir nach sehr guten, fairen Gesprächen mit Holsteins Geschäftsführer Wolfgang Schwenke das Spiel nach Kiel verlegt. Die Einnahmen werden geteilt, wir profitieren also von dieser Verlegung.

Haben Sie das Spiel „verkauft“?

Wir haben unser Heimrecht verarbeitet, so will ich es mal ausdrücken.

Wie steht der VfR zum Thema Mindestlohn?

Wir glauben, alles geregelt zu haben. Ob das einer Prüfung Stand halten würde, weiß heute allerdings niemand.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen