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Verkaufsveranstaltungen in Apotheken : Vertrauensmissbrauch

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Apotheken und Unternehmen bilden eine unheilige Allianz. Ein Kommentar von Niko Wasmund.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 08:03 Uhr

"Apotheke" und "Verkaufsveranstaltung" - wer im Internet diese Begriffe in eine Suchmaschine eingibt, der wird schnell fündig. Auf Seiten und in Foren warnen deutsche Apothekerverbände die Verbraucher davor, auf den berüchtigten Kaffeefahrten maßlos überteuerte Heizdecken, Heilsalben oder Vitaminpräparate zu kaufen. Hier werde das Vertrauen der Menschen in die Apotheken missbraucht, sagt ein Sprecher. Wer wirklich wissen wolle, was ihm gesundheitlich hilft, der solle lieber zum Arzt oder Apotheker gehen.
Doch genau dieses Vertrauen steht nun infrage. Wenn Apotheken - wie geschehen - unter ihrem eigenen Logo und in ihrem Namen die Kunden zu einer Gesundheitsberatung in ihre Räumlichkeiten einladen, ist das die eine Sache. Aber wenn dort dann nicht der Apotheker zu einem Gesundheitsthema berät, sondern ein professionell geschulter Verkäufer zu einem bestimmten Produkt drängt, ist eindeutig eine Grenze überschritten, eine neue Dimension erreicht. Denn ob Erkältung, Magen-Darm-Probleme oder Gelenkschmerz, wer in die Apotheke kommt - ob auf direktem Wege oder im Anschluss an den Arztbesuch -, der erwartet eine seriöse, sachkundige und objektive Beratung. Nicht umsonst genießen Apotheken bei ihren Kunden seit jeher eine ganz besondere Vertrauensstellung.
Rechtliche Grauzonen sehen in derartigen Verkaufsveranstaltungen sowohl die Verbraucherzentrale als auch der Apothekerverband in Schleswig-Holstein, gerade Letzteres sollte aufhorchen lassen. Doch ganz abgesehen vom rechtlichen Aspekt führen derlei Praktiken zu einem Vertrauensverlust bei den Kunden. Und der Verdacht liegt nahe, dass Firmen, die auf diese Weise ihre Produkte vertreiben wollen, vorsätzlich den guten Ruf von Apotheken ausnutzen, um sich einen seriösen Anstrich zu geben.
Die Apotheken begehen in dieser unseligen Allianz einen Vertrauensmissbrauch an ihren Kunden. Deshalb sollte man dort nicht zu sehr auf den schnellen Gewinn schauen, sondern auf ein wertvolles Image, das schweren Schaden zu nehmen droht.

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