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18. August 2017 | 22:58 Uhr

Uniähnlicher Vortrag für Abiturienten

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Pharmazie Schüler des 13. Jahrgangs an der Klaus-Groth-Schule informierten sich über psychoaktive Pflanzen, Pilze und Tiere

Auf Wunsch der Klasse 13a referierte Prof. Dr. Christian Peifer vom Institut für Pharmazie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an der Klaus-Groth-Schule, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Uni kommt zur Schule“. Neben einer kurzen Einführung in die Möglichkeiten eines Arnzeimittelstudiums ging es um „psychoaktive Pflanzen, Pilze und Tiere“, deren Wirkungsweisen im menschlichen Körper und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken.

Erstmals nahm die KGS an der von der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft organisierten Vortragsreihe teil. „Es handelt sich hier um einen uniähnlichen Vortrag, auf diese Weise können die Schüler, die teils kurz vor dem Abitur stehen, einmal Uniluft schnuppern“, so Lars Krummland, Biologielehrer der Klasse 13a, die das naturwissenschaftliche Oberstufenprofil belegt.

Das Thema durften sich die Abiturienten selbst aussuchen. „Da wir Neurobiologie später noch behandeln werden, halten wir das für einen guten Einstieg“, meinte die 18-jährige Laura Beck. Auch mit dem Leid, das mit dem Missbrauch psychoaktiver Substanzen einhergeht, sind einige Schüler schon in Berührung gekommen. Niklas Behrens (19) kennt einen Drogenabhängigen, der jetzt clean ist, „das war sehr schlimm!“, wusste er zu berichten. Laura strebt das Studium der Sozialpädagogik an, „Drogenabhängige gehören da zum Klientel“, erzählte sie.

„Ich kenne keinen einzigen arbeitslosen Apotheker, denn es werden per Numerus clausus nur so viele Studenten zum Studium zugelassen, wie auch benötigt werden“, berichtete Prof. Peifer, der einen kurzen Überblick über das Pharmaziestudium gab. Angelockt hatte die etwa 100 Zuhörer, darunter auch Lehrer und Schulleiter Andreas Waldowsky, allerdings das Kernthema des Vortrags.

„Die Idee, psychoaktive Substanzen einzusetzen, ist alt“, so der Pharmazeut, „im nördlichen Irak fand man in einer Neandertaler-Stätte 50  000 Jahre alte Reste der Meerträubel aus der Gattung Ephedra.“ Diese Pflanze hat stimulierende Wirkung, abgeschwächte Varianten der Inhaltsstoffe finden sich auch heute noch in einigen Erkältungsmitteln. Ephedrin-Varianten wurden in der Vergangenheit auch vom Militär eingesetzt, zum Beispiel von der Wehrmacht. Die Soldaten waren damit über mehrere Tage wach und aufnahmefähig. Ephedrin dient auch zur Synthese des Betäubungsmittels „Crystal Meth“, einer der am schnellsten zerstörenden Drogen überhaupt. Peifer empfahl den Zuhörern, sich im Internet Fotos anzusehen von Menschen vor und mit der Meth-Sucht: Die Betroffenen wirken nicht nur verlebt, ihre Gesichtszüge sind regelrecht deformiert.

Viele Drogen wurden im Laufe der Menschheitsgeschichte nicht primär auf der Suche nach Rausch entdeckt, sondern auf der Suche nach Heilung. „Das aus dem Schlafmohn gewonnene Morphin war das erste Schmerzmittel der Menschheit, sein Einsatz war revolutionär. Überlegen Sie einmal, was eine Amputation oder eine Zahnentfernung ohne Schmerzmittel bedeuten!“, so Peifer. 1896 brachte die Firma Bayer ein Schmerz- und Hustenmittel namens „Heroin“ auf den Markt, bestehend aus Morphin und Essigsäure. Aufgrund seines hohen Suchtpotentials wurde das Medikament jedoch schon acht Jahre später vom Markt genommen.

Auch über die kulturhistorische Bedeutung und die Gefahren weiterer Suchtmittel aus Flora und Fauna erfuhren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, darunter die Schwarze Tollkirsche „Belladonna“, das einst in der Cola enthaltene Coca-Blatt, die Alraune, die Engelstrompete, den Hanf, Schneeglöckchen und „Zauberpilze“ genannte Psilocybe. Auch aus Tieren werden Rauschmittel gewonnen, wie der Schleim der Aga-Kröte, den diese unter Stress als Fraßschutz produziert.

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