Unechte Einbahnstraße - wie geht das?

Beispiel Museumsweg:  Während die Einfahrt von Osten für Autos per Schild untersagt ist  (gr. Foto), gibt es am westlichen Ende kein Hinweisschild (re. oben) . Die blauen Einbahnstraßenschilder wie für den nördliche Teil Am Kliff sieht man in Keitum nur noch selten (re. unten).
1 von 3
Beispiel Museumsweg: Während die Einfahrt von Osten für Autos per Schild untersagt ist (gr. Foto), gibt es am westlichen Ende kein Hinweisschild (re. oben) . Die blauen Einbahnstraßenschilder wie für den nördliche Teil Am Kliff sieht man in Keitum nur noch selten (re. unten).

Warum der Kreis in vielen Fällen von Einbahnstraßen absieht, den Durchgangsverkehr aber trotzdem unterbindet - und damit Anlieger irritiert

shz.de von
16. Dezember 2011, 06:32 Uhr

Sylt | Laut Straßenverkehrsordnung gibt es sie eigentlich gar nicht. Doch das ist nicht der Grund, warum sogenannte "unechte" Einbahnstraßen vor allem bei den Anliegern oftmals für Verwirrung sorgen. Dabei ist die Regelung "eigentlich ganz einfach", wie Arno Kausch, Leiter der Verkehrsabteilung des Kreises Nordfriesland findet. Das sieht Restaurant-Inhaber Karsten Wulff als Anlieger des Keitumer Museums weges ganz anders: "Das versteht doch niemand. Oft wird einem von Entgegenkommenden sogar ein Vogel gezeigt", mokierte sich Wulff Anfang der Woche im Keitumer Ortsbeirat.

Aber was ist an der seit diesem Sommer in vielen Keitumer Straßen (und schon länger in anderen Inselorten) geltenden Verkehrsregelung denn nun so einfach und trotzdem nicht zu verstehen? Kurz gesagt ist es die Tatsache, dass Straßen wie der Museumsweg in beide Richtungen befahren werden dürfen, auch wenn man als Autofahrer von der einen Seite nicht hineinfahren darf. Mit einer klassischen Einbahnstraße haben diese Straßen nur das Verkehrszeichen 267 - auch bekannt als "Sparbüchse" - gemeinsam, das an einem Ende der Straße die Einfahrt verbietet. Da am anderen Ende das blaue Einbahnstraßen-Schild (Nr. 220) fehlt, gilt in der Straße selbst der Zweirichtungsverkehr. Man kann in der Straße also wenden und sie als Anlieger oder Besucher in die selbe Richtung verlassen, aus der man gekommen ist. Daher ist auch stets mit Gegenverkehr zu rechnen, und geparkt werden darf nur in Fahrtrichtung.

Eine Regelung, die nach Ansicht von Kausch - zumindest in Straßen mit ausreichender Breite - gegenüber echten Einbahnstraßen nur Vorteile bietet: Man kann Durchgangsverkehr vermeiden, verkürzt die Fahrwege von Anliegern und sorgt in so mancher Einbahnstraße für eine Temporeduzierung. Da Radfahrern in den meisten Fällen die Einfahrt von beiden Seiten erlaubt wird, müssen die keine Umwege in Kauf nehmen. Kausch: "Wenn man nur den Verkehr raushaben will, sind unechte Einbahnstraßen eine gute Lösung."

Vorausgesetzt, man orientiert sich an der Beschilderung. Denn: "Wer richtig reinfährt, weiß ja gar nicht, dass die Zufahrt von der anderen Seite untersagt ist", sagt die zuständige Sylter Verwaltungsmitarbeiterin Stefanie Schultz. Irritationen gebe es daher vor allem bei den Anliegern - und bei jenen Einheimischen, "die schon vor 20 Jahren die Beschilderung auswendig gelernt haben und gar nicht mehr hingucken". Auch Schultz hält die im historischen Keitumer Ortskern vielfach angewandte Regelung für optimal. Ihr Fazit: "Mit weniger Schildern viel erreicht."

Der Vorschlag von Karsten Wulff dürfte daher kaum Aussicht auf Erfolg haben. Wenn man die alte Einbahnstraßen-Regelung schon nicht beibehalte, dann solle man "doch einfach alle Schilder wegnehmen und gucken, was passiert".

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen