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„Museum des Scheiterns“ : Trump-Brettspiel und Colgate-Lasagne: Zehn große Erfinder-Flops

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine Ausstellung in Schweden zeigt absurde und kuriose Produkte. Sie sollen aber nicht nur belustigen.

Helsingborg | Diese Produkte wurden so krachend gegen die Wand gefahren, dass sie schon wieder gut sind: Das „Museum des Scheiterns“ im südschwedische Helsingborg zeigt ab Mittwoch in einer Ausstellung die absurdesten und kuriosesten Erfindungen der Welt. Die Sammlung von Kurator Samuel West reicht von einem Trump-Brettspiel über grünen Ketchup bis hin zu tiefgefrorener Lasagne des Zahnpasta-Herstellers Colgate. West will auch zu Abendveranstaltungen einladen, bei denen Gäste zum Beispiel ein fehlgeschlagenes Gourmet-Menü probieren oder einem Konzert mit gescheiterter Musik lauschen können.

In einer Leistungsgesellschaft wird scheitern stigmatisiert und wichtige Erfindungen so ausgebremst. Diese Kritik steckt hinter der Ausstellung. Wahre Innovation könne laut Kurator West nur entstehen, wenn Menschen aus Fehlern lernen dürfen.

„Ich war die vielen langweiligen Erfolgs-Stories leid. Scheitern ist viel interessanter“, sagte West auf Anfrage von shz.de. Das habe ihn dazu inspiriert, das „Museum des Scheiterns“ ins Leben zu rufen. Die Unternehmen, deren Produkte er zeigt, sehen das offenbar anders: „Keine Firma wollte mit mir zusammenarbeiten. Scheitern scheint eine sensible Angelegenheit zu sein.“

Wir zeigen die zehn größten Flops aus dem Ausstellungskatalog mit fast 80 Exponaten:

1. Beef Lasagne von Colgate

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Foto: Samuel West

Die wenigsten Menschen wollen beim Essen einer deftigen Lasagne an Zahnpasta denken. Das dürfte in den 80er Jahren der Grund dafür gewesen sein, dass  der Zahnpasta-Herstellers Colgate seine Beef Lasagne wieder vom Markt nehmen musste. In der Ausstellung ist eine Replik der Verpackung zu sehen, weil Colgate laut Samuel West dem Museum kein Original zur Verfügung stellen wollte.

2. Schönheitsmaske „Rejuvenique Electrical facial mask“

Foto: Sofie Lindberg

Diese Maske verspricht mittels Lichtbehandlung wunderschöne, glatte Haut – dabei erinnert sie viel mehr an die Horrorfilm-Reihe „Freitag der 13.“ um den Serienmörder Jason Voorhees. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich diese Erfindung am Markt nicht durchsetzen konnte.

3. Grüner Ketchup von Heinz

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Foto: dpa/James Brooks

Um die Jahrtausendwende war wohl alles möglich – sogar grüner Ketchup. Der US-Hersteller Heinz experimentierte mit verschiedenen Farben, um vor allem Kinder anzusprechen (unter anderem wurde auch blaue und pinke Sauce verkauft). Zwar gab es 2012 ein kurzes Revival des grünen Ketchups in Zusammenarbeit mit Burger King anlässlich des St. Patrick's Days, seit 2006 müssen die Kühlschränke dieser Welt allerdings auf diese kulinarische Errungenschaft verzichten.

4. Trump - das Brettspiel

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Foto: Sofie Lindberg

Was mag wohl das Ziel dieses Brettspiels sein? Richtig: So viel Geld wie möglich machen. 1989 brachte Hersteller Hasbro „Trump: The Game“ auf den Markt. Eine Runde dauert 90 Minuten und das Spielkonzept ist an Monopoly angelehnt. Das Gesicht des heutigen US-Präsidenten, Donald Trump, prangt auf den Geldscheinen. Der Untertitel lautet – wen wundert's? – „Ich bin zurück und du gefeuert“. Die Bewertungen der Brettspiel-Community lassen allerdings zu wünschen übrig.

5. Google Glass

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Foto: Sofie Lindberg

Google Glass – einst als DIE nächste technische Errungenschaft gefeiert – ist mittlerweile vom medialen Radar verschwunden. Am 19. Januar 2015 verkündete das Unternehmen, die Datenbrille vom Markt zu nehmen. Vor allem in Deutschland war die Angst vor der Verletzung der Privatsphäre wegen der eingebauten Kamera groß. Kritik hagelte es auch wegen des gewöhnungsbedürftigen Designs. Google entwickelt die Datenbrille trotzdem weiter, allerdings nicht für den Konsumentenmarkt, sondern für professionelle Anwender in der Arbeitswelt.

6. TwitterPeek

twitter_peak
Foto: Sofie Lindberg

Dieses Gerät ist in Zeiten des Smartphones wohl so sinnvoll, wie ein Taschenrechner: Das TwitterPeek. 2008 kam es für etwa 200 Dollar auf den Markt. Die Funktionen im Überblick: Twittern. Zunächst von der Fachwelt gefeiert wurde schnell klar, dass das Gerät mit zunehmender Verbreitung von Smartphones überflüssig ist. 2012 wurde der Support für die Hardware eingestellt.

7. Itera, ein Fahrrad aus Plastik

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Foto: Sofie Lindberg

Man könnte sagen, dies ist die größte Pleite auf zwei Rädern: das schwedische Plastikfahrrad Itera. 1981 wurde das von Volvo-Ingenieuren erfundene Zweirad der Öffentlichkeit vorgestellt. Billig, robust und rostfrei sollte es sein. 1982 kommt es allerdings als Bausatz viel teurer als geplant und damit weniger erschwinglich als ein normales Fahrrad auf den Markt. Aber es gibt noch größere Probleme. Im Sommer wird das Plastik weich. Im Winter schlingert das Rad. Nach 30.000 gebauten Rädern wird das Projekt 1985 eingestellt.

8. Das Nokia N-Gage

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Foto: Sofie Lindberg

Das Nokia N-Gage war 2003 eines der ersten ernstzunehmenden „Spiele-Handys“. Auch – für damalige Verhältnisse – aufwendigere 3D-Spiele bewältigte das Gerät, das kurzzeitig als Alternative zu Nintendos Gameboy im Gesrpäch war. Immerhin konnte man mit dem N-Gage auch telefonieren, Rechnen, Radio und Musik hören. Das Telefonieren war allerdings deutlich umständlicher als mit einem normalen Handy. Lautsprecher und Mikrofon befanden sich an der schmalen Oberseite. Hinzu kamen eine geringe Spieleauswahl und technische Hürden. So musste etwa der Akku jedes Mal herausgenommen werden, wenn man ein Spiel tauschen wollte.

9. Cola mit Kaffee-Geschmack

Foto: Sofie Lindberg

Nur zwei Jahre (2006 bis 2008) hielt sich Coca Cola BlāK auf dem Markt. Der Softdrink wurde dabei mit Kaffee-Geschmack angereichert und in braunen Flaschen oder Dosen verkauft. Nach Deutschland schaffte es die „BlāK“ nicht.

10. Parfüm aus dem Hause Harley Davidson

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Foto: Sofie Lindberg

Ein echter Mann fährt Motorrad und riecht nach Motoröl – soweit das Klischee. Warum aber sollen sich Fans schwerer Maschinen nicht auch für Parfüm begeistern können, dachte sich offenbar die Marketing-Abteilung des Motorrad-Herstellers Harley Davidson. 1996 brachte es das Eau De Toilette „Hot Rod“ auf den Markt. Laut Samual West wurde es allerdings ein totaler Flop, weil es in der Macho-Kultur nicht besonders gut ankam. An manchen Klischees ist dann anscheinend doch etwas dran ...

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erstellt am 10.Jun.2017 | 08:00 Uhr

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