Bürgernetz : Trassen sind für alle da

Nur wenige Schleswig-Holsteiner wollen Geld in den Netzausbau investieren. Gleichberechtigung könnte helfen. Ein Kommentar von Kay Müller.

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13. Juli 2013, 04:19 Uhr

Stell dir vor, es ist Energiewende - und keiner macht mit. So dürfte sich Netzbetreiber Tennet derzeit fühlen, denn kaum ein Schleswig-Holsteiner interessiert sich für die Beteiligung am Ausbau der 380-kV-Freileitung an der Westküste. Und das, obwohl Bundesumweltminister, Ministerpräsident und Energiewendeminister dafür wie wild getrommelt haben.
Und nun? Alles für die Katz mit dem Paradebeispiel für gelebte Energiewende?
Es sieht so aus - und stimmt doch nicht. Sowohl die Nachfrage nach Anteilen an der Westküstenleitung als auch eine Umfrage des Forschungszentrums Jülich illustrieren, dass kaum ein Bürger eine Leitung in seiner Nachbarschaft will - auch wenn er dafür Renditeversprechen bekommt. Klar, denn so entsteht der Eindruck, dass sich ein Konzern oder die Politik die Zustimmung der Menschen vor Ort erkaufen wolle. Und ja, in einer ländlichen Region wie Dithmarschen oder Nordfriesland würde sich jeder an den Rand der örtlichen Gemeinschaft stellen, der für eine Leitung Geld gibt, die über das Haus seines Nachbarn führt. Energiewende ja, aber bitte nicht, wenn ich davon Nachteile haben könnte - so die Meinung.
Wir sollten ehrlich sein: In der Region, die vom Bau einer Leitung betroffen ist, wird es nur bedingt gelingen, die Akzeptanz der Bürger zu erhöhen. Das passiert am ehesten noch durch Verhandlungen über den Trassenverlauf vor Ort - so wie es der Netzbetreiber und Energiewendeminister Robert Habeck bereits machen.
Und dennoch bleibt der Aufbau von Bürgernetzen ein wichtiges Element der Energiewende. Es gilt, den Kreis derjenigen zu erweitern, die sich finanziell daran beteiligen dürfen. Denn wer keine Leitung in seiner Nähe hat, ist eher bereit ins Netz zu investieren. Und auf dieses Geld ist der Betreiber oft angewiesen. Der bekommt eine garantierte staatliche Rendite von neun Prozent, die Bürger bekommen aber viel weniger, ihnen wird nichts garantiert und sie tragen auch das Risiko. Bekämen Klein-Investoren so viel wie der Netzbetreiber, gebe es auch mehr Beteiligung.
Entscheidend ist, dass viele Bürger aktiv die Energiewende begleiten, und nicht nur große Spekulanten. Denn sonst würde die Gesellschaft ohne Not die Gestaltung der Energiewende aus der Hand geben.

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