Tiergarten Nürnberg : Tiergarten Nürnberg will keinen "Knut-Rummel"

Erst nach Ostern soll der kleine Eisbär aus dem Nürnberger Tiergarten der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das noch namenlose Baby soll aber so bald wie Möglich einen zweiten kleinen Eisbären als Spielgefährten bekommen. Foto: dpa
Erst nach Ostern soll der kleine Eisbär aus dem Nürnberger Tiergarten der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das noch namenlose Baby soll aber so bald wie Möglich einen zweiten kleinen Eisbären als Spielgefährten bekommen. Foto: dpa

Es ist kaum größer als die Hand eines Erwachsenen, liegt auf einer karierten Decke und nuckelt am Fläschchen - das vier Wochen alte Eisbärenbaby ist schon jetzt der neue Star im Nürnberger Zoo.

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10. Januar 2008, 09:52 Uhr

Nach dem Drama mit zwei toten Jungtieren in den vergangenen Tagen, nach heftiger Kritik und aufreibenden Diskussionen, überwiegt im Tiergarten allmählich die Freude über das gerettete Baby, das tüchtig trinkt und sich allem Anschein nach gut entwickelt. Doch einen Rummel, wie ihn Eisbär Knut im Berliner Tiergarten ausgelöst hat, möchte man in Nürnberg vermeiden. "Das Wohl des Bären steht im Mittelpunkt", betont Bürgermeister Horst Förther (SPD). "Der Tiergarten bleibt ein Tiergarten und wird kein Zirkus."
In den nächsten Wochen werden die Besucher das kleine Eisbärenweibchen, das am Dienstag von Mutter Vera getrennt worden war, ohnehin noch nicht zu Gesicht bekommen. Ein Team von zwei bis vier Tierpflegern wird es - abgeschirmt von der Öffentlichkeit - mit der Flasche aufziehen. Die Chancen, dass es sich ordentlich entwickelt, stehen gut, meinen die Verantwortlichen. "Es trinkt alle vier Stunden, und wir versuchen, ihm zwischendurch möglichst oft Körperkontakt zu geben", erzählt Tiergartenchef Dag Encke. Sogar ein bisschen robben könne die Kleine schon, "aber so hoch ist der Bewegungsdrang noch nicht."
Mit der Namensgebung will man sich Zeit lassen
Ende März, um Ostern herum, könnte es soweit sein, dass das Bärchen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird. Noch sind die Tiergartenchefs vorsichtig, was die weitere Entwicklung des Weibchens betrifft: "Erst wenn es drei Monate alt ist und richtig läuft, kann man durchatmen", sagt Zoo-Vize Helmut Mägdefrau. Mit der Namensgebung will man sich deshalb Zeit lassen. Erste Radiosender riefen freilich schon am Mittwoch ihre Hörer dazu auf, Vorschläge zu machen.
Viele Besucher und positive Schlagzeilen könnte der Nürnberger Zoo durchaus gebrauchen. Seit Monaten schon muss er sich wegen des geplanten Baus einer Delfin-Lagune heftiger verbaler Attacken von Tierschutz-Aktivisten erwehren. Die Entscheidung, zunächst nicht in die Aufzucht der Eisbären-Babys einzugreifen und so den Tod der zwei Jungtiere von Eisbärin Vilma in Kauf zu nehmen, hat die Kritik noch verstärkt.
"Wir freuen uns über das große Interesse"
"Wir wurden fürchterlich angegriffen", sagt Encke, der dennoch sicher ist, richtig entschieden zu haben. "Wir würden beim nächsten Mal an keiner Stelle anders reagieren, als wir es diesmal getan haben." Jetzt will der Tiergarten-Chef nach vorne schauen: "Wir freuen uns über das große Interesse." Man wolle es auch nutzen, um die Leute über die Bärenaufzucht aufzuklären. Denn über den richtigen Umgang mit den Tieren wird nach wie vor heftig gestritten, zum Beispiel im Internet-Gästebuch des Tiergartens. "Euren Zoo werde ich NIE besuchen", schreibt dort ein erzürnter Michael. "Also ich bewundere den Mut der Zooleitung sehr, der Natur nicht ins Handwerk pfuschen zu wollen", meint dagegen Sabine.
Unterdessen fragen die Besucher im Tiergarten schon jetzt verstärkt nach dem Baby, wie Heinz Boscher festgestellt hat, der am Haupteingang die Eintrittskarten kontrolliert. Er erwartet eine "Eisbären-Hysterie": "Das wird zwar nicht ganz so schlimm wie beim Knut, aber der Nürnberger Eisbär ist ja jetzt schon ein Selbstläufer." Eine "Knutomania" kann sich das Rentner-Ehepaar Erika und Horst Meinel dagegen nicht vorstellen: "Hoffentlich wird das hier nicht so vermarktet wie in Berlin", sorgt sich Erika Meinel. "Den kleinen Eisbären muss man vor der Menschheit schützen." Heinz Wanner, der als Aushilfe im Tiergarten beschäftigt ist, denkt schon mal weiter: "Man sollte sie Knibbel nennen, dann haben wir ein Gegenstück zum Knut. Vielleicht kommen die beiden ja mal zusammen, dann könnte es sogar bald eine Eisbären-Hochzeit geben."

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