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Thema Mindestlohn: Regionalligist Goslar trainiert nur noch freiwillig

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das ist ein Hammer: Der Goslarer SC 08, als Viertletzter einer der Hauptkonkurrenten des VfR Neumünster im Abstiegskampf der Fußball-Regionalliga Nord, wird den Trainingsbetrieb ab kommendem Montag einstellen. Dann wird bei den Kaiserstädtern nur noch auf freiwilliger Basis trainiert, lediglich die vertraglich geschuldete Abwicklung der Pflichtspiele wird noch verlangt. Auch einige Spieler der Goslarer Reserve (Landesliga) sind davon betroffen. In einer Pressemitteilung und einem Brief an Eugen Gehlenborg, den Präsidenten des Norddeutschen Fußball-Verbandes, führt der GSC die Einführung des Mindestlohngesetzes zum 1. Januar dieses Jahres als Begründung an.

„Das Gesetz ist für Vereine und Verbände nicht umsetzbar. Die Risiken sind unübersehbar“, heißt es in dem Schreiben, das Folkert Bruns, Vorsitzender des GSC-Wirtschaftsbeirats, unterzeichnet hat. Gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden Ralf Clavey hat er ferner einen Fragenkatalog zusammengestellt, der eine Lawine im deutschen Sport auslösen könnte. Betroffen sind schließlich auch alle anderen auf vergleichbarer Ebene angesiedelte Sportarten und Clubs. Tenor in diesem Schreiben ist die wiederkehrende Frage, wie eine Arbeitsstunde eines Vertragsfußballers denn wirklich aussähe. Nachstehend einige Beispiele, die von Goslar angeführt werden: „Wann beginnt das Training? Mit Betreten der Clubanlage, mit Beginn des Umkleidens oder mit Betreten des Trainingsplatzes?“ „Gehört die Videoanalyse nach dem Spiel zur Arbeitszeit?“ „Ist die Zeit nach einem Feldverweis eines Spielers Arbeitszeit?“ „Sind vom Verein angeordnete Pflichtveranstaltungen, wie Repräsentationen bei Sponsoren, Arbeitszeiten?“

„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Spielbetrieb unter den gegebenen Voraussetzungen in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, wenn sich die Gesetzeslage nicht grundlegend verändert“, schreiben die Goslarer Funktionäre. Ferner listen sie ein Rechenbeispiel auf, in dem ein Verein mit einem 30-köpfigen Spielerkader wegen einer nachträglich festgestellten Überschreitung der 450-Euro-Grenze – wegen Fehleinschätzung beziehungsweise unklarer Definition von Arbeitszeiten – für drei Jahre Beiträge unter anderem zur Sozialversicherung, Krankenkasse und Berufsgenossenschaft nachzuzahlen hat (inklusive Verzugszinsen und zu erwartenden Bußgeldern). „Ein Gesamtschaden durch eine solche Fehleinschätzung von Arbeitszeiten kann in unserem Beispiel einen Schaden für den  Verein in Höhe von 481 694 Euro bedeuten. Für derlei Nachzahlungsbeträge haftet letztlich der Arbeitgeber beziehungsweise der Vorstand des Vereins persönlich“, machen die GSC-Bosse klar. Aktuell erhalten bei den Kaiserstädtern alle Vertragsspieler Zahlungen im gesetzlichen Bereich eines Minijobs (bis 450 Euro pro Monat).

Ob der Goslarer SC 08 eine Lizenz für die Regionalliga 2015/16 beantragen wird, sei nach aktuellem Stand offen. „Das können wir erst Mitte März 2015 entscheiden“, heißt es in Bruns’ Schreiben. Zumindest solle, so der Funktionär, der laufende Spielbetrieb bis zum Saisonende aufrechterhalten werden.

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erstellt am 19.Feb.2015 | 09:00 Uhr

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